Die besten Behandlungsoptionen bei HER2-positivem Brustkrebs im Stadium 4

HER2-positiver Brustkrebs bedeutet, dass Tumorzellen übermäßig viel des Proteins HER2 produzieren und dadurch rasch wachsen. Das HER2-Protein aktiviert einen Signalweg, der Wachstum und Vermehrung der Zellen unterstützt und so eine schnelle Vermehrung der Krebszellen auslöst. Inzwischen wurden jedoch zahlreiche neue zielgerichtete Medikamente speziell gegen HER2-positiven Brustkrebs entwickelt. Mit der wachsenden Auswahl stellt sich die Frage, welche Behandlung für die Patienten am wirksamsten ist.
Eine der bemerkenswerten onkologischen Studien des Jahres 2022 betrifft 2 zielgerichtete Medikamente der neuen Generation gegen HER2-positiven Brustkrebs: Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd, Enhertu) und Trastuzumab Emtansin (T-DM1, Kadcyla). Die aktuellen Ergebnisse der DESTINY-Breast03-Studie, die diese beiden Medikamente direkt miteinander verglich, wurden auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium 2022 vorgestellt.
Sowohl Kadcyla als auch Enhertu sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, also Arzneimittel, bei denen ein Antikörper mit einem Chemotherapiemolekül verbunden ist. Die allgemeine Struktur solcher Konjugate ist unten dargestellt. HER2, das Zielantigen von Kadcyla und Enhertu, befindet sich auf der Oberfläche der Krebszellen. Über seinen Antikörperanteil bindet das Medikament an HER2 und damit an die Krebszelle und setzt anschließend den zytotoxischen, also zelltötenden, Wirkstoff frei.

DESTINY-Breast03 verglich bei Patienten mit fortgeschrittenem HER2-positivem Brustkrebs, die bereits Trastuzumab und ein Taxan erhalten hatten, die Anti-HER2-Therapien der neuen Generation Kadcyla und Enhertu. Bis zu dieser Studie war unklar, welche Behandlung für diese Patienten am besten geeignet ist.

- In dieser Studie mit 524 Patienten war das mediane Gesamtüberleben unter Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd, Enhertu) gegenüber Trastuzumab Emtansin (T-DM1, Kadcyla) signifikant besser. T-DXd senkte das Sterberisiko um 36% (Hazard Ratio 0,64).
- Unter T-DXd betrugen die Überlebensraten nach dem 1. und 2. Jahr 94,1% beziehungsweise 77,4%. Unter T-DM1 lagen sie nach dem 1. und 2. Jahr bei 86% beziehungsweise 69,9%.
- Das mediane progressionsfreie Überleben war mit T-DXd 4-mal so lang: 28,8 gegenüber 6,6 Monate.
- Bei 78,5% der mit T-DXd behandelten Patienten wurde ein objektives Ansprechen festgestellt. Zudem zeigte sich bei einem von 5 Patienten (21,1%) ein vollständiges radiologisches Ansprechen.
- Schwere Nebenwirkungen (Grad ≥3) traten unter T-DXd und T-DM1 mit Häufigkeiten von 56% beziehungsweise 52% auf. Eine interstitielle Lungenerkrankung wurde bei 15% beziehungsweise 3% beobachtet.
Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass T-DXd gegenüber T-DM1 eine wirksamere Behandlungsoption für Patienten mit HER2-positivem Brustkrebs ist, deren Erkrankung nach Taxan und Trastuzumab fortgeschritten ist.
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