Ein Bluttest für BRCA-Mutationsträgerinnen kann Brustkrebs 2 Jahre vor der Diagnose vorhersagen

In diesem Artikel
Brustkrebserkrankungen sind etwa 15% erblich. Ihre wesentliche Ursache sind von der Mutter oder vom Vater geerbte Krebsrisikogene mit einer Mutation . Die bekanntesten erblichen Krebsrisikogene im Zusammenhang mit Brustkrebs sind die an der DNA-Reparatur beteiligten Gene BRCA1 und BRCA2.
Die folgende Grafik zeigt Gene im Zusammenhang mit erblichem Brustkrebs .

Eine Studie aus den Niederlanden
Ein neuer, von niederländischen Forschern entwickelter Bluttest kann bei Frauen mit hohem Brustkrebsrisiko aufgrund von BRCA-Mutationen Veränderungen von Serumproteinen erkennen, die auf den Beginn einer Brustkrebserkrankung hinweisen – bis zu 2 Jahre vor der Diagnose.
Die Ergebnisse stammen aus Blutproben von Teilnehmerinnen der TESTBREAST-Studie mit 1174 Frauen mit BRCA-Genmutationen. Sie werden an neun niederländischen Zentren betreut. Aufgrund ihres höheren Risikos beginnen sie früher mit regelmäßigen Brustuntersuchungen und werden häufiger untersucht als die Allgemeinbevölkerung. Außerdem werden regelmäßig Blutproben entnommen. In 10 Jahren wurden bisher mehr als 3000 Serumproben gesammelt.
Die jetzt berichteten Ergebnisse beruhen auf der eingehenden Analyse von 30 Proben dreier Frauen, die Brustkrebs entwickelten, und dreier Frauen ohne Erkrankung als Kontrollpersonen. Es sind frühe Ergebnisse nur dieser 6 Frauen. Weitere Proben von mehr Frauen werden noch untersucht.
Die Analyse dieser wenigen Frauen zeigte, dass sich zwischen später erkrankten und nicht erkrankten Frauen die Konzentrationen von sechs Proteinen deutlich unterschieden und diese Unterschiede bis zu 2 Jahre vor der Diagnose nachweisbar waren.
Diese Proteine könnten die Grundlage eines Bluttests zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen mit erhöhtem Risiko bilden.
Die Forschung wurde am 16. November 2022 auf der 13. Europäischen Brustkrebskonferenz vorgestellt und kürzlich im International Journal of Molecular Sciences veröffentlicht.
Junge Frauen mit BRCA-Mutationen haben ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko. Abhängig von der Mutation kann dieses Risiko bis zu 72% betragen.
Deshalb ist die Entscheidung wichtig, früher und häufiger mit dem Screening zu beginnen, denn bei etwa 17% dieser Frauen kann sich während des Screeningverlaufs ein Tumor entwickeln.
Der neue Bluttest soll bei Hochrisikofrauen alle 6 Monate eingesetzt werden können. Frauen mit erkennbar höherem Krebsrisiko könnten so mit einem individuellen Plan besser überwacht werden, damit Krebs im frühestmöglichen Stadium entdeckt wird.
Eine weitere Frage lautet, wie Frauen besser überwacht werden sollen, wenn die Konzentrationen dieser 6 Proteine steigen. Zusätzlich zu Mammografie und Ultraschall könnten bei steigenden Proteinwerten Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) erfolgen.
Die Entscheidung zur vorbeugenden Entfernung beider Brüste
Sollte dieser Test in Krankenhäusern eingesetzt werden, könnte er auch eine weitere wichtige Entscheidung unterstützen: Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko durch BRCA-Mutationen kann eine vorbeugende Entfernung beider Brüste empfohlen werden. Diese Operation, bei der das Brustinnere entfernt wird, heißt bilaterale prophylaktische Mastektomie. Sie ist ein großer Eingriff, und der Verlust der Brüste hat vielfältige psychosoziale Folgen. Ein solcher Bluttest könnte genauer bestimmen helfen, welchen Frauen mit BRCA-Mutation eine prophylaktische Mastektomie empfohlen werden sollte.
Einzelheiten der Studie
Das Team untersuchte Blutproben mittels gezielter Massenspektrometrie (targeted mass spectrometry), um Veränderungen der Proteinspiegel vor der Diagnose zu analysieren. Untersucht wurden Serumproben dreier Frauen mit BRCA-Mutation und späterem Brustkrebs sowie dreier Frauen ohne Brustkrebs.
Von diesen drei Krebsfällen und drei Kontrollpersonen wurden jeweils 5 Serumproben gewonnen, insgesamt also 30 Proben. Die erste Analyse zeigte, dass jede Patientin einzigartige und identifizierbare Muster der Proteincluster aufwies.
Im Verlauf wurden einige geringe Veränderungen der Blutproteine beobachtet. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Patientinnen waren jedoch größer als die Veränderungen innerhalb derselben Patientin.
Die Clusteranalyse der Fälle und Kontrollpersonen ergab unter 764 Kandidatenproteinen ein Panel aus sechs unterschiedlichen Proteinen, die deutlich mit frühem Brustkrebs zusammenhingen.
Unter Verwendung individueller und bevölkerungsbezogener Daten stellte das Team fest, dass diese Proteinunterschiede bereits 1 bis 2 Jahre vor der klinischen Brustkrebsdiagnose vorhanden waren.
Die Forscher möchten die Ergebnisse künftig in der gesamten TESTBREAST-Gruppe bestätigen. Außerdem arbeitet das Team mit internationalen Forschern zusammen, um die Technik zu vereinfachen.
Quellen
2. 13th European Breast Cancer Conference (EBCC-13): Abstract 1. Vorgestellt am 16. November 2022.
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.