Ein ungünstiges Erbe: genetisches Risiko, gesunder Lebensstil und Verschluss der Herzkranzgefäße

In diesem Artikel
Genetik und Lebensstil sind zwei wichtige Ursachen der koronaren Herzkrankheit, einer komplexen Erkrankung und weltweit führenden Todesursache. Koronararterien versorgen das Herz. Die Bedeutung einer familiären Veranlagung für ihren Verschluss wurde erstmals 1938 beschrieben.
Seit 2007 wurden mittels genomweiter Assoziationsanalysen (genomewide association analyses) mehr als 50 unabhängige Genregionen (Loci) mit einem Zusammenhang zum Erkrankungsrisiko identifiziert. Durch ihre Analyse wird versucht, das künftige Verschlussrisiko der Herzkranzgefäße zu berechnen. Wichtig ist, dass genetische Herz-Kreislauf-Tests noch nicht aktiv in der klinischen Praxis eingesetzt werden. Wirksame Tests werden erst möglich, wenn die beteiligten Gene weitgehend erfasst sind. Derzeit berechnen wir das Risiko anhand von Alter, systolischem Blutdruck, Geschlecht und Cholesterinwerten.
Zahlreiche Belege zeigen bei Menschen mit gesundem Lebensstil deutlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle, sogenannte kardiovaskuläre Ereignisse.
Was bedeutet in dieser Studie ein gesunder Lebensstil?
- Kein Tabak und keine Tabakprodukte
- Keine Adipositas,
- Regelmäßige körperliche Aktivität und
- Gesunde Ernährung
Die Förderung gesunder Verhaltensweisen bildet die Grundlage der derzeitigen Strategie zur Verbesserung der Herz-Kreislauf-Gesundheit in der gesamten Bevölkerung.
- Verwandtes Thema: Was sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Welche Risikofaktoren gibt es?
Die Familiengeschichte zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren. Dazu gibt es einen eindrücklichen Satz: „Das schlimmste Erbe ist eine familiär weitergegebene Herz-Kreislauf-Erkrankung.“ Wie bei manchen Krebsarten eine Erblichkeit besteht (etwa %10 aller Krebsfälle), können leider auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen genetisch von Eltern auf Kinder übergehen.
Das genetische Risiko lässt sich jedoch durch einen gesunden Lebensstil verringern Im November 2016 veröffentlichte die renommierte Fachzeitschrift NEJM eine umfangreiche Studie mit 55685 Personen. Zunächst wurde geprüft, ob Genetik und Einhaltung eines gesunden Lebensstils zwei voneinander unabhängige Risikofaktoren für den als Atherosklerose bezeichneten Gefäßverschluss sind. Anschließend untersuchte man bei genetisch Hochgefährdeten, wie stark ein gesunder Lebensstil mit einem niedrigeren Risiko koronarer Herzkrankheit zusammenhängt.
Die Ergebnisse:
- Bei hohem genetischem Risiko waren koronare Ereignisse um % 91 häufiger.
- Wer mindestens drei der vier genannten Merkmale eines gesunden Lebensstils erfüllte, hatte unabhängig vom genetischen Risiko deutlich weniger koronare Ereignisse.
- Bei hohem genetischem Risiko senkt ein gesunder Lebensstil das Risiko koronarer Ereignisse um nahezu die Hälfte (%46).
Fazit: Genetik und Lebensstil waren unabhängig mit der Anfälligkeit für koronare Herzkrankheit verbunden. Besonders bemerkenswert ist, dass Menschen mit dem unveränderbaren Risikofaktor Familiengeschichte ihr Herz-Kreislauf-Risiko durch gesunden Lebensstil um % 50 senken können.
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Quellen
Genetic Risk, Adherence to a Healthy Lifestyle, and Coronary Disease.
November 13, 2016, NEJM
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