Eine bemerkenswerte Umfrage zu Verschwörungstheorien über Krebs

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In einer Zeit, in der sich Fehlinformationen im Internet so schnell wie Viren verbreiten, löste eine humorvolle Studie über Krebsverschwörungstheorien und Impfgegner Kritik aus.
„Verursacht alles Krebs? Überzeugungen und Einstellungen zur Krebsprävention unter Impfgegnern, Anhängern der flachen Erde und Menschen, die leeren Worten glauben: eine Online-Querschnittsumfrage“ lautet der Titel der Studie, die in The Brisith Medical Journal erschien, kurz BMJ, am 21. Dezember 2022.
Die Autoren erklären, sie wollten „Muster von Überzeugungen über Krebs bei Menschen untersuchen, die an Verschwörungen glauben, eine Covid-19-Impfung ablehnen oder alternative Medizin bevorzugen“. Sie suchten solche Menschen in sozialen Medien und Online-Diskussionsplattformen und befragten sie anschließend zu tatsächlichen und vermeintlichen Krebsursachen. Fast die Hälfte stimmte der Aussage „Anscheinend verursacht alles Krebs“ zu.
Nach Angaben der Forscher war unter allen Befragten das Wissen über tatsächliche Krebsursachen insgesamt stärker ausgeprägt als der Glaube an Krebsverschwörungstheorien. Ungeimpfte und Mitglieder von Verschwörungsgruppen wussten zudem weniger über tatsächliche Krebsursachen als die Vergleichspersonen. Die Forscher betonten ihre Besorgnis über Hinweise auf „einen direkten Zusammenhang zwischen digitalen Fehlinformationen und möglicherweise daraus folgenden falschen Gesundheitsentscheidungen“ .
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Reaktionen und Kritik
BMJ erklärte auf Twitter: „Die Studie unterstreicht, wie schwer es der Gesellschaft fällt, tatsächliche von vermeintlichen Krebsursachen zu unterscheiden.“ Doch sowohl die Studie als auch die Zeitschrift stießen auf Kritik.
Die britische, auf Krebsdiagnostik spezialisierte Pathologin Clare Craig kommentierte: „Das ist ein schrecklicher Artikel, der Menschen mit Bedenken gegenüber Covid-Impfstoffen diffamieren will.“ Auch Prof. Norman Fenton von der Queen Mary University of London kritisierte die Studie und ihre Methodik auf Twitter scharf.
Die medizinische Epidemiologin und Studienautorin Laura Costas vom Katalanischen Institut für Onkologie in Barcelona, Spanien, erklärte, dass viele auf Covid-19-Impfungen konzentrierte Kritiker in sozialen Medien gerade den Zweck der Studie bestätigten: Fehlinformationen verbreiteten sich im Internet sehr weit.
„Die meisten Kommentare konzentrierten sich auf die Verbreitung von Covid-19-Mythen, die nicht unmittelbar Gegenstand der Studie waren. Sie bezweifelten die Motive der BMJ-Autoren und der Wissenschaftsgemeinschaft und unterstellten eine gemeinsame böswillige geheime Agenda. Sie betonten die Notwendigkeit kritischen Denkens, das zum wissenschaftlichen Verfahren gehört, lehnten aber jede Information aus offiziellen Quellen dogmatisch ab. Aufgrund der Informationsflut fällt es der Gesellschaft schwer, tatsächliche und vermeintliche beziehungsweise unbewiesene Krebsursachen auseinanderzuhalten. Deshalb planten wir die Studie mit einem gewissen satirischen Ansatz, ganz im Sinne der BMJ-Weihnachtsausgabe.“
BMJ hat eine lange Tradition von Weihnachtsausgaben mit originellen, satirischen und ungewöhnlichen Studien.
Einzelheiten der Studie
Costas und Kollegen gewannen die Teilnehmer in Online-Foren wie 4chan und Reddit, die für kontroverse Inhalte anonymer Nutzer bekannt sind. Weitere Daten stammten aus den bekannten spanischen Foren ForoCoches und HispaChan. Laut Costas wurden diese Seiten bewusst gewählt, weil die Forscher dort „weiter verbreitete Verschwörungsüberzeugungen“ erwarteten. Insgesamt nahmen 1494 Menschen aus mehreren Foren teil. Darunter waren 209 Personen ohne Covid-19-Impfung, 112, die alternative statt konventioneller Medizin bevorzugten, und 62, die angaben, an eine flache Erde zu glauben.
Das Team stellte Fragen zu Krebsrisikofaktoren, um Überzeugungen über tatsächliche und unbewiesene Ursachen zu untersuchen. Verwendet wurden das Cancer Awareness Measure (CAM) und die CAM-Mythical Causes Scale (CAM-MYCS). In beiden wurden Antworten auf einer fünfstufigen Skala von „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme völlig zu“ bewertet.
CAM erfasste die Wahrnehmung von 11 bekannten krebsrisikoerhöhenden Faktoren:
- Aktives oder passives Rauchen
- Alkoholkonsum
- Geringe körperliche Aktivität
- Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch
- Sonnenbrand in der Kindheit
- Krebserkrankungen in der Familie
- Infektion mit humanen Papillomaviren (HIV)
- Übergewicht
- Ein Alter ab 70 Jahren
- Geringer Obst- und Gemüseverzehr
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Die Forscher erklären, dass CAM-MYCS 12 Fragen zur Risikowahrnehmung vermeintlicher Krebsursachen enthielt: Faktoren, denen oft eine Krebsentstehung zugeschrieben wird, ohne dass wissenschaftliche Belege dafür vorliegen. Dazu gehörten:
- Trinken aus Plastikflaschen
- Künstliche Süßstoffe oder Zusatzstoffe sowie gentechnisch veränderte Lebensmittel
- Mikrowellenherde
- Verwendung von Aerosolbehältern, Mobiltelefonen und Reinigungsmitteln
- Wohnen in der Nähe von Stromleitungen
- Sich gestresst fühlen
- Körperliche Traumata
- Exposition gegenüber elektromagnetischen Frequenzen beziehungsweise nichtionisierender Strahlung wie WLAN, Radio und Fernsehen
Am häufigsten glaubten die Befragten an vermeintliche Krebsursachen wie Produkte mit Zusatzstoffen (63,9%) oder Süßstoffen (50,7%), Stress (59,7%) und gentechnisch veränderte Lebensmittel (38,4%).
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Quellen
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