Erstmals erhält eine Therapie für HER2-positiven Dickdarm- und Enddarmkrebs die FDA-Zulassung

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HER2-positiver Krebs bedeutet, dass die Zellen übermäßig viel des Proteins HER2 enthalten, das an Wachstum und Vermehrung beteiligt ist, und der Tumor dadurch rasch wächst. Inzwischen wurden zahlreiche neue zielgerichtete Medikamente speziell für HER2-positive Krebsarten entwickelt. Während HER2-Positivität und Anti-HER2-Medikamente bis vor Kurzem vor allem mit Brustkrebs verbunden wurden, gewinnen sie nun auch bei anderen Krebsarten an Bedeutung, insbesondere bei Magen-, Lungen- und Dickdarmkrebs.
Eine aus der Brustkrebsbehandlung bekannte Kombination HER2-gerichteter Medikamente (Trastuzumab + Tucatinib) steht nun auch für kolorektale Karzinome, also Dickdarm- und Enddarmkrebs, zur Verfügung.
Am 19. Januar 2023 erteilte die FDA, die US-amerikanische Arzneimittelbehörde, eine beschleunigte Zulassung bei fortgeschrittenem HER2-positivem kolorektalem Krebs ohne RAS-Mutation nach einer auf Fluoropyrimidin, Oxaliplatin und Irinotecan basierenden Chemotherapie für die Behandlung mit „Trastuzumab in Kombination mit Tucatinib (Tukysa, Seagen Inc.)“.
Eine Positivität für den humanen epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor 2 (HER2) liegt bei etwa 3% bis 5% der metastasierten kolorektalen Karzinome im Stadium 4 vor.
Bei Menschen mit HER2-positivem metastasiertem kolorektalem Krebs, deren Erkrankung unter früheren Behandlungen fortgeschritten ist, ist der Verlauf bekanntlich ungünstig. Die FDA-Zulassung eines gegen HER2 gerichteten chemotherapiefreien Kombinationsregimes bei kolorektalem Krebs ist daher eine sehr gute Nachricht für diese Patienten. Mit dieser Zulassung wird es bei fortgeschrittenem kolorektalem Krebs nun zur Routine, in Tumoren HER2 zu testen.
Tucatinib hatte bereits im April 2020 die FDA-Zulassung in Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem HER2-positivem Brustkrebs erhalten.
FDA-Zulassung auf Grundlage der MOUNTAINEER-Studie
Die Wirksamkeit dieser Anti-HER2-Kombination wurde bei 84 Patienten in MOUNTAINEER, einer offenen multizentrischen Studie, untersucht.
Die Patienten mussten ein HER2-positives, nicht resezierbares oder metastasiertes kolorektales Karzinom vom RAS-Wildtyp haben und zuvor Fluoropyrimidin, Oxaliplatin, Irinotecan sowie einen monoklonalen Antikörper (mAb) gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) erhalten haben.
Patienten mit fehlenden Mismatch-Reparaturproteinen (dMMR) oder hoher Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) im Tumor mussten auch eine Immuntherapie erhalten haben. Patienten mit vorangegangener HER2-gerichteter Therapie waren ausgeschlossen.
Als wichtigste Wirksamkeitsendpunkte wurden die Gesamtansprechrate und die Ansprechdauer festgelegt. In der mit Trastuzumab + Tucatinib behandelten Patientengruppe ergaben sich folgende Ergebnisse:
- Die Gesamtansprechrate betrug 38% (95%-KI: 28, 49), und
- die mediane Ansprechdauer betrug 12,4 Monate (95%-KI: 8,5, 20,5).
Die häufigsten (≥20%) Nebenwirkungen waren Durchfall, Müdigkeit, Ausschlag, Übelkeit, Bauchschmerzen, infusionsbedingte Reaktionen und Fieber. Die häufigsten (≥20%) auffälligen Laborwerte waren erhöhtes Kreatinin, erhöhte Glukose, erhöhte ALT, vermindertes Hämoglobin, erhöhte AST, erhöhtes Bilirubin, erhöhte alkalische Phosphatase, verminderte Lymphozyten, vermindertes Albumin, verminderte Leukozyten und vermindertes Natrium.
Die empfohlene Dosis von Tucatinib beträgt 300 mg oral zweimal täglich zusammen mit Trastuzumab, bis die Erkrankung fortschreitet oder nicht akzeptable Nebenwirkungen auftreten.
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