Erstmals FDA-Zulassung für ein zielgerichtetes Medikament bei chemotherapieresistentem Eierstockkrebs

In diesem Artikel
Das vom Unternehmen Immunogen entwickelte, den Wirkstoff mirvetuximab soravtansine-gynx enthaltende Arzneimittel Elahere erhielt für die Behandlung von Patientinnen mit einer Resistenz gegen platinbasierte Chemotherapie nach 1 bis 3 vorausgegangenen Therapielinien und mit Folatrezeptor-alpha-positivem (FRa-positivem), fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs), Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom am 14. November 2022 die beschleunigte Zulassung der FDA (US-amerikanische Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde).
Elahere wurde für platinresistenten Eierstockkrebs von der FDA als erstes Antikörper-Chemotherapie-Konjugat zugelassen.
Diese Zulassung umfasst Patientinnen, die zuvor ein bis drei systemische Behandlungsschemata erhalten haben und deren Tumoren Folatrezeptor-alpha-positiv (FRa-positiv) sind, unabhängig von einer vorherigen Behandlung mit Bevacizumab (Altuzan, Mvasi, Zirabev).
FRa-Positivität bei Eierstockkrebs: 35–40%
Am selben Tag ließ die FDA außerdem den von Roche entwickelten Ventana FOLR1 RxDx Test zu. Dieses begleitende diagnostische Verfahren hilft, für eine Behandlung mit Elahere geeignete Patientinnen zu identifizieren. Ungefähr 35–40% der Patientinnen mit Eierstockkrebs sind deutlich FRa-positiv: Das bedeutet, dass sich bei mindestens 75% der Tumorzellen eine Färbung mit einer Intensität von 2+ zeigt. Der Test kann an frischem oder archiviertem, in Paraffin eingebettetem Gewebe durchgeführt werden. Bei neu diagnostizierten Patientinnen kann bereits bei der Diagnose getestet werden, ob Elahere im Fall einer späteren Platinresistenz für sie infrage käme.
Die Bedeutung von Eierstockkrebs und der Bedarf an neuen Behandlungen
Eierstockkrebs ist laut den türkischen Krebsstatistiken für 2020 mit jährlich 4059 Neuerkrankungen die 15. häufigste Krebserkrankung. Da er im Frühstadium keine Symptome verursacht und keine wirksame Früherkennungsmethode verfügbar ist, stellen sich die meisten Patientinnen erst im fortgeschrittenen Stadium (3., 4.) vor. Die grundlegende Behandlung besteht aus einer Operation und anschließender platinbasierter Chemotherapie. Leider entwickelt die Mehrheit schließlich eine schwer behandelbare platinresistente Erkrankung. Nach Entstehung einer Resistenz gegen platinbasierte Chemotherapie besteht die Standardbehandlung aus einer Chemotherapie mit einem einzelnen Wirkstoff. Diese geht jedoch mit niedrigen Ansprechraten, kurzer Ansprechdauer und erheblichen Nebenwirkungen einher. Platinresistenter Eierstockkrebs ist schwer zu behandeln. Angesichts der Tatsache, dass die FDA seit 2014 keine neuen Behandlungen für diese Patientinnen zugelassen hatte, ist die beschleunigte Zulassung von Elahere ein enormer Fortschritt in der Behandlung von Eierstockkrebs. Für Patientinnen mit platinempfindlicher Erkrankung hatten neue Medikamente aus der Klasse der PARP-Inhibitoren bereits einen wichtigen Beitrag geleistet.
Wie wirkt Elahere (mirvetuximab soravtansine-gynx)?
ELAHERE (mirvetuximab soravtansine-gynx) ist das erste Antikörper-Wirkstoff-Konjugat seiner Klasse. Es besteht aus einem an Folatrezeptor-alpha bindenden Antikörper, einem spaltbaren Linker und der Maytansinoid-Chemotherapie DM4, einem potenten Tubulininhibitor, der die anvisierten Krebszellen abtöten soll.
Die beschleunigte Zulassung von Elahere ist ein Beleg für jahrzehntelange Arbeit an der Entwicklung einer neuen Generation von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. In Zukunft werden wir von der Zulassung vieler weiterer solcher Konjugate für die Krebstherapie hören.
Was ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat?
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate nutzen den Ansatz eines „Trojanischen Pferdes“: Ein Antikörper, der an ein molekulares Ziel im Tumor binden soll, wird mit einem Chemotherapeutikum gekoppelt und ermöglicht so dessen Transport zu einer bestimmten Tumorzelle.
Im Folgenden ist der allgemeine Aufbau von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten dargestellt. Die Zielantigene befinden sich überwiegend auf der Oberfläche von Krebszellen. Dadurch bindet der Antikörper an die Krebszelle und setzt anschließend den zytotoxischen, also zelltötenden, Wirkstoff frei.

Die SORAYA-Studie als Grundlage der FDA-Zulassung von Elahere
Elahere wurde im beschleunigten Zulassungsprogramm der FDA auf Grundlage der objektiven Ansprechrate und der Ansprechdauer aus der SORAYA-Studie zugelassen. Die Umwandlung dieser beschleunigten in eine vollständige Zulassung kann davon abhängen, dass der klinische Nutzen in einer nachfolgenden Studie bestätigt und genauer beschrieben wird.
Die Wirksamkeit von Elahere wurde in der zulassungsrelevanten, einarmigen SORAYA-Studie bei 106 Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs untersucht, deren Tumoren FRa in hohem Maße exprimierten und die zuvor ein bis drei systemische Behandlungsschemata erhalten hatten. Primärer Endpunkt war die von den Prüfärzten bewertete objektive Ansprechrate; der wichtigste sekundäre Endpunkt war die Ansprechdauer.
Ergebnisse
- Mirvetuximab soravtansine zeigte eine objektive Ansprechrate von 31,7%, darunter fünf vollständige Remissionen (95%-Konfidenzintervall [KI]: 22,9, 41,6).
- Die mediane Ansprechdauer betrug 6,9 Monate (95%-KI: 5,6, 9,7).
Nebenwirkungen
Die Verschreibungsinformationen zu Elahere enthalten einen hervorgehobenen Warnhinweis zur Augentoxizität, darunter Sehstörungen, Keratopathie, trockene Augen, Lichtempfindlichkeit, Augenschmerzen und Uveitis. Zu den häufigsten Nebenwirkungen einschließlich auffälliger Laborwerte, die bei mindestens 20% der Patientinnen auftraten, gehören Sehstörungen, Müdigkeit, erhöhte Aspartataminotransferase, Übelkeit, erhöhte Alaninaminotransferase, Keratopathie, Bauchschmerzen, verminderte Lymphozyten, periphere Neuropathie, Durchfall, vermindertes Albumin, Verstopfung, erhöhte alkalische Phosphatase, trockene Augen, vermindertes Magnesium, verminderte Leukozyten, verminderte Neutrophile und vermindertes Hämoglobin.
Dosierung
Die empfohlene Dosis von mirvetuximab soravtansine-gynx beträgt 6 mg/kg als intravenöse Infusion alle drei Wochen (21-Tage-Zyklus) bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zu inakzeptablen Nebenwirkungen.
Die wichtigsten Ergebnisse von MIRASOL, der randomisierten Bestätigungsstudie zur Umwandlung der beschleunigten in eine vollständige Zulassung, werden für Anfang 2023 erwartet.
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.