Humanitärer früher Arzneimittelzugang – ein Weg zu neuen Krebstherapien

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Bei lebensbedrohlichen und schwer zu behandelnden Erkrankungen wie Krebs ist der Zugang zu neuen Therapien für Patienten, deren Krankheit trotz Standardbehandlungen fortschreitet, besonders wichtig. In der Türkei bieten die vom Gesundheitsministerium koordinierten humanitären Programme für einen frühen Arzneimittelzugang eine vielversprechende Möglichkeit. Hersteller stellen darin Medikamente kostenlos bereit, die in der Türkei noch nicht, in anderen Ländern jedoch bereits zugelassen sind. Solche Programme gibt es nicht nur in der Onkologie, sondern auch für andere Krankheitsgruppen. Im Folgenden werden die laufenden onkologischen Programme erläutert.
Humanitäre Programme für frühen Arzneimittelzugang bei Krebs
Liste und Einzelheiten mit Stand November 2024
1. Programmcode: CU 201
- Unterstützendes Unternehmen: Bristol Myers Squibb İlaçları Inc.
- Wirkstoff (Präparatname): Repotrectinib (Augtyro)
- Diagnose: Lokal fortgeschrittener und metastasierter nichtkleinzelliger Lungenkrebs bei ROS-1-positiven Patienten mit vorheriger ROS-1-TKI-Behandlung oder bei NTRK-positiven Patienten mit vorheriger NTRK-TKI-Behandlung.
- Verbleibendes Kontingent: 14 Patienten.
2. Programmcode: CU 203
- Unterstützendes Unternehmen: Pfizer PFE İlaçları A.Ş.
- Wirkstoffe (Präparatnamen): Enzalutamid (Xtandi) und Talazoparib (Talzenna)
- Diagnose: Metastasierter kastrationsresistenter Prostatakrebs mit Mutationen in Genen der homologen Rekombinationsreparatur (HRRm).
- Verbleibendes Kontingent: 123 Patienten.
3. Programmcode: CU 211
- Unterstützendes Unternehmen: AstraZeneca İlaç San. Tic. Ltd. Şti.
- Wirkstoffe: Durvalumab (Imfinzi) und Olaparib (Lynparza)
- Diagnose: Bei neu diagnostiziertem fortgeschrittenem oder rezidiviertem Endometriumkarzinom: in der Erstlinie Durvalumab allein oder zusammen mit Olaparib, insbesondere abhängig vom dMMR- beziehungsweise pMMR-Status.
- In der pMMR-Gruppe erhalten die Patientinnen nach Chemotherapie + Durvalumab eine Erhaltungstherapie mit Durvalumab + Olaparib. In der dMMR-Gruppe besteht die Erhaltung nach Chemotherapie + Durvalumab dagegen nur aus Durvalumab.
- Verbleibendes Kontingent: 29 Patientinnen.
Was bedeuten dMMR und pMMR?
dMMR und pMMR beziehen sich auf DNA-Reparaturmechanismen in Tumoren von Patientinnen mit Endometriumkarzinom. MMR steht für „Mismatch Repair“, einen Mechanismus zur Korrektur falsch gepaarter DNA-Basen.
dMMR-Tumoren (Mismatch Repair-deficient) haben diese Reparaturfunktion verloren und können Fehlpaarungen in der DNA nicht korrigieren. Dadurch entsteht eine genetische Veränderung, die als hohe Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) bezeichnet wird. Solche Tumoren sind tendenziell aggressiver und für das Immunsystem empfindlicher; deshalb können sie besser auf Immuntherapien ansprechen.
pMMR-Tumoren (Mismatch Repair-proficient) verfügen dagegen über eine funktionierende MMR und können DNA-Fehlpaarungen reparieren. Sie werden als mikrosatellitenstabil (MSS) bezeichnet und rufen tendenziell eine geringere Immunantwort hervor. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie Immuntherapien bei diesen Tumoren wirken.
4. Programmcode: CU 216
- Unterstützendes Unternehmen: AstraZeneca İlaç San. Tic. Ltd. Şti.
- Wirkstoff: Durvalumab (Imfinzi)
- Diagnose: Kleinzelliger Lungenkrebs im begrenzten Stadium ohne Fortschreiten nach platinbasierter Chemoradiotherapie.
- Verbleibendes Kontingent: 20 Patienten.
5. Programmcode: CU 220
- Unterstützendes Unternehmen: GlaxoSmithKline e Research & Development Ltd.
- Wirkstoff: Dostarlimab (Jemperli)
- Diagnose: Neu diagnostiziertes, rezidiviertes oder fortgeschrittenes Endometriumkarzinom mit Mismatch-Reparaturdefizienz beziehungsweise hoher Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H).
- Verbleibendes Kontingent: 50 Patientinnen.
Das humanitäre Programm für frühen Arzneimittelzugang (İAEEP) soll in der Türkei Menschen mit schweren oder lebensbedrohlichen Krankheiten den Zugang zu Medikamenten ermöglichen, die dort noch nicht, in anderen Ländern jedoch bereits zugelassen sind, wenn vorhandene Behandlungen ausgeschöpft sind oder nicht ausreichen. Durch frühzeitigen Therapiezugang soll die Lebensqualität verbessert werden.
Antragsverfahren:
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Beurteilung des Patienten:
- Patienten mit behandlungsresistenter Erkrankung oder ausgeschöpften Therapieoptionen sollten gemeinsam mit ihren Onkologen einen Antrag beim İAEEP erwägen.
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Vorbereitung der erforderlichen Unterlagen:
- Epikrise: Medizinische Vorgeschichte, Diagnose, bisherige Behandlungen und aktueller Zustand müssen ausführlich dokumentiert werden.
- Behandlungsbegründung: Ein Bericht muss die medizinische Begründung für das Medikament und den erwarteten Nutzen erläutern.
- Einwilligungsformular: Eine unterschriebene Einwilligung muss bestätigen, dass der Patient über die vorgeschlagene Behandlung und mögliche Risiken aufgeklärt wurde und zustimmt.
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Antragstellung:
- Der behandelnde Arzt muss die Unterlagen bei der türkischen Arzneimittel- und Medizinproduktebehörde TİTCK einreichen; siehe deren Leitfaden zum humanitären frühen Arzneimittelzugang. Auch Angaben zum liefernden Unternehmen und zur Anwendungsdauer müssen eingereicht werden.
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Bewertung durch die TİTCK:
- Die Behörde prüft den Antrag medizinisch, ethisch und rechtlich. Bei positiver Bewertung werden die erforderlichen Genehmigungen für Einfuhr und Anwendung erteilt.
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Beschaffung und Anwendung:
- Nach der Genehmigung stellt das betreffende Unternehmen das Medikament bereit und die Behandlung beginnt. Der Arzt überwacht den Patienten regelmäßig und erstellt die erforderlichen Berichte.
Wichtige Hinweise:
- Das Antragsverfahren muss vom behandelnden Arzt geführt werden.
- Beim Hersteller oder autorisierten Vertriebspartner sollten Informationen zur Bereitstellung des Medikaments eingeholt werden.
- Bei der Antragstellung sind die Vorgaben der TİTCK zu Leitfäden und Formularen einzuhalten.
Fazit und Empfehlungen
Humanitäre Programme für frühen Arzneimittelzugang eröffnen Patienten, deren Behandlungsoptionen scheinbar ausgeschöpft sind, eine lebenswichtige Möglichkeit. Wer davon profitieren möchte, muss sich ausführlich mit seinem behandelnden Onkologen austauschen und die Genehmigungsverfahren des türkischen Gesundheitsministeriums verfolgen.
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