Immuntherapie bei Hirntumoren: Enttäuschungen, neue Forschung und Hoffnungen

In diesem Artikel
Hirntumoren gehören zu den am schwierigsten behandelbaren Krebsarten in der Onkologie. Einer der aggressivsten dieser Tumoren ist das Glioblastoma multiforme (GBM), das für seine Therapieresistenz bekannt ist. Die Standardbehandlung kombiniert Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und elektrische Strombehandlungen wie TTF . Diese Ansätze reichen jedoch oft nicht aus, um das Fortschreiten eines GBM aufzuhalten.
Innovative Ansätze wie zielgerichtete Therapien und Immuntherapien haben bei vielen Krebsarten bahnbrechende Fortschritte ermöglicht. Bei Hirntumoren wie dem GBM ist der erhoffte Erfolg damit bislang jedoch ausgeblieben. Insbesondere in den letzten 20 Jahren wurden nur sehr wenige neue Arzneimittel für GBM und andere Hirntumoren zugelassen. Eine zugelassene Immuntherapie gibt es in diesem Bereich nicht. Dies hängt mit der komplexen Biologie der Hirntumoren und wesentlichen Hindernissen wie der Blut-Hirn-Schranke zusammen.
Genau hier schaffen Immuntherapieansätze der neueren Generation neue Hoffnung für die Behandlung von GBM und anderen Hirntumoren.
Immuntherapie bei Hirntumoren – Enttäuschungen und Hoffnungen
Besonders enttäuschend waren in den letzten Jahren die Ergebnisse von drei großen Phase-III-Studien mit Nivolumab (Opdivo) bei neu diagnostiziertem oder rezidiviertem Glioblastom (GBM). Dagegen sind Studien zur Immuntherapie von Hirnmetastasen sehr ermutigend. Klinische Phase-II-Studien bei Patienten mit asymptomatischen Hirnmetastasen eines Melanoms zeigten objektive Ansprechraten von über 40%.
Die Möglichkeiten der Immuntherapie in klinischen Studien und ihre Herausforderungen
Besonders bei Hirnmetastasen anderer Krebsarten sind die Ergebnisse vielversprechend. Die Behandlung symptomatischer Hirnmetastasen bleibt jedoch schwierig, und die Ergebnisse in dieser Patientengruppe sind weiterhin enttäuschend. Im vergangenen Jahr zeigte die erste klinische Phase-I-Studie bei Patienten mit leptomeningealen Metastasen (Metastasen der Hirnhäute) eines Melanoms, dass eine intrathekal, also in den Liquor verabreichte Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie als Nivolumab-Monotherapie sicher und verträglich war.
Beim ESMO-Kongress 2024 vorgestellte Befunde
Die beim ESMO-Kongress 2024 vorgestellten ersten Daten zeigen vielversprechende Entwicklungen für die Zukunft der Immuntherapie bei Hirntumoren. Sie verdeutlichen, wie aktiv und offen für Fortschritte die Forschung in diesem Bereich ist.
Beim Kongress wurden zahlreiche Studien zur Untersuchung von
- Immuncheckpoint-Inhibitoren,
- Virustherapien,
- Impfstoffen,
- zytokinbasierten Therapien und
- zellulären Therapien vorgestellt.
mRNA-Impfstoff
Eine dieser Studien befasste sich mit neu diagnostiziertem Glioblastom und dem Status der O(6)-Methylguanin-DNA-Methyltransferase (MGMT) bei negativer Methylierung . Bei diesen Patienten wurde ein aus tumorassoziierten Antigenen abgeleiteter mRNA-basierter Multiepitop-Impfstoff auf seine Sicherheit und Dosiseskalation untersucht (Abstract 440O). Gegenüber Peptidimpfstoffen sind mRNA-basierte Impfstoffe einfacher und schneller herzustellen. Allerdings werden Tumorantigene möglicherweise nicht im gesamten Tumor gleichmäßig exprimiert. Dadurch kann die Immunantwort zu schwach sein, um die immunsuppressive Tumormikroumgebung zu überwinden.
Impfstoff mit dendritischen Zellen
Eine weitere klinische Phase-I-Studie untersuchte bei rezidivierten hochgradigen Gliomen die Sicherheit und Durchführbarkeit einer intrakraniellen Gabe myeloider dendritischer Zellen in Kombination mit Nivolumab und Ipilimumab (Abstract 441O). Die Ergebnisse zeigten, dass ein komplexes Behandlungsschema erfolgreich umgesetzt werden konnte und die Überlebensraten ermutigend waren.
CAR-γδ-T-Zellen: Eine mögliche Therapie der Zukunft?
Die Anwendung allogener CAR-γδ-T-Zellen ist eine spannende Entwicklung. Diese Zellen können ein breites Antigenspektrum erkennen und unabhängig von MHC-Molekülen eingesetzt werden. In einer klinischen Phase-I-Studie mit allogenen CAR-γδ-T-Zellen bei B7H3-positivem rezidiviertem Glioblastom wurden bei 43% eine partielle Remission und bei 57% eine stabile Erkrankung beobachtet (Abstract 4420). Die Zellen zeichneten sich zudem durch eine hervorragende Persistenz und ein sicheres Nebenwirkungsprofil aus. Da CAR-γδ-T-Zellen ein sehr breites Antigenspektrum erkennen, sind jedoch potenzielle Nebenwirkungen möglich. Eine längere Nachbeobachtung ist erforderlich, um abschließend zu beurteilen, ob dieser Ansatz eine praktikable Behandlungsoption für Hirntumoren ist.
Fazit und Zukunftsaussichten
Die Immuntherapie besitzt großes Potenzial bei Hirntumoren, und wir hoffen in den kommenden Jahren auf bahnbrechende Fortschritte. Wie bei anderen soliden Tumoren rücken die Tage näher, an denen sie die Behandlung von Hirntumoren grundlegend verändern wird.
Die Bedeutung der Immuntherapie für die Behandlung von Hirntumoren wächst. Diese Strategien könnten eine neue Ära der Krebstherapie eröffnen.
Quellen
2. Neyns B, et al. A phase I clinical trial on the intracranial administration of autologous CD1c(BDCA-1)+ /CD141(BDCA-3)+ myeloid dendritic cells (myDC) in combination with ipilimumab (IPI) and nivolumab (NIVO) in patients with recurrent high-grade glioma (rHGG). ESMO Congress 2024, Abstract 441O
3. Li X, et al. A phase I clinical trial of intrathecal injection of allogeneic CAR-γδT cells targeting B7H3 for the treatment of patients with recurrent glioblastoma. ESMO Congress 2024, Abstract 442O
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