Ist die Lebenserwartung beim Lynch-Syndrom mit der Allgemeinbevölkerung vergleichbar?

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Das Lynch-Syndrom ist eine erbliche genetische Erkrankung bei Menschen mit Mutationen in DNA-Mismatch-Reparaturgenen und erhöht das Risiko verschiedener Krebsarten, insbesondere kolorektaler Karzinome. Eine neue Studie zeigte jedoch, dass sich die Gesamtsterblichkeit von Menschen mit Lynch-Syndrom im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nicht signifikant unterschied. Bei Personen, die empfohlene Kontrollkoloskopien versäumten, wurden dagegen höhere Sterberaten beobachtet.
Eine niederländische Studie
Die am 10. Januar 2025 in Gastroenterology veröffentlichte Studie untersuchte die Sterblichkeit von insgesamt 1030 Trägern einer Mutation in einem DNA-Mismatch-Reparaturgen (pathogene Variante, PV) und 569 PV-negativen Familienangehörigen aus der Datenbank der niederländischen Stiftung zur Erfassung erblicher Tumoren.
- PV (pathogene Variante): Eine genetische Veränderung bei Trägern einer Mutation in DNA-Mismatch-Reparaturgenen, die einen Risikofaktor für bestimmte Krankheiten oder Krebsarten darstellen kann. MLH1, MSH2, MSH6, PMS2 sind Beispiele für Gene mit solchen pathogenen Mutationen.
- PV-negativ: Bezeichnet Personen ohne pathogene Variante in DNA-Mismatch-Reparaturgenen, die genetisch also nicht von diesen Mutationen betroffen sind.
Jeder Teilnehmer wurde mit Personen ohne Lynch-Syndrom aus der niederländischen Allgemeinbevölkerung verglichen. Zusätzlich wurde mittels Fragebogen die subjektive Lebenserwartung PV-positiver Personen untersucht. Die Antworten von 47 Personen wurden mit denen eines für die niederländische Allgemeinbevölkerung repräsentativen Panels verglichen.
Bemerkenswerte Ergebnisse
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Die Sterblichkeit PV-positiver Personen war mit der Allgemeinbevölkerung vergleichbar (HR: 1,08; 95% KI: 0,86-1,35).
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Im Vergleich zu PV-negativen Familienangehörigen war die Sterblichkeit PV-positiver Personen jedoch höher (HR: 1,51; 95% KI: 1,08-2,11).
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PV-negative Familienangehörige hatten eine geringere Sterblichkeit als die Allgemeinbevölkerung (HR: 0,71; 95% KI: 0,56-0,92). Als mögliche Erklärung wird ein höheres Gesundheitsbewusstsein aufgrund der familiären Krebsvorgeschichte angenommen.
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Bei PV-positiven Personen, die regelmäßig mindestens alle zwei Jahre eine Koloskopie erhielten, zeigte sich gegenüber PV-negativen Angehörigen keine erhöhte Sterblichkeit (HR: 1,13; 95% KI: 0,74-1,72).
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PV-positive Personen schätzten ihre Aussichten pessimistischer ein als die Allgemeinbevölkerung und erwarteten im Durchschnitt eine um 2,4 Jahre kürzere Lebensdauer.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Ergebnisse sind bedeutsam, weil sie bei Menschen mit Lynch-Syndrom eine mit der Allgemeinbevölkerung vergleichbare Lebenserwartung zeigen. Fachleuten aus Onkologie, genetischer Beratung und Gastroenterologie können sie helfen, unnötige Ängste von Patienten zu verringern.
Zudem verdeutlichen die Ergebnisse erneut die entscheidende Bedeutung der Krebsfrüherkennung bei Lynch-Syndrom, insbesondere regelmäßiger Koloskopien.




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