Kann eine Folsäureergänzung Vorstufen von Magenkrebs zurückbilden?

In diesem Artikel
Nach einer aktuellen Metaanalyse kann eine Ergänzung mit Folsäure präkanzeröse (Krebs vorausgehende) Läsionen des Magens, einschließlich einer Atrophie der Magenschleimhaut und intestinaler Metaplasie, verbessern.
HINWEIS: Folat, das in Lebensmitteln als Vitamin B9 vorkommt, unterstützt das Zellwachstum und ist an der DNA-Reparatur beteiligt. Folsäure, eine synthetische Folatform, wird Frauen vor und während der Schwangerschaft ärztlich als Ergänzung zur Förderung der Gehirnfunktionen des Kindes empfohlen. Bei Erwachsenen kann die unkontrollierte Einnahme hoher Folsäuredosen jedoch Beschwerden wie Nervenschäden verursachen. Daher ist es sinnvoll, vor einer Folsäureergänzung ärztlichen Rat einzuholen und die geeignete Dosis festlegen zu lassen. Über Lebensmittel aufgenommenes Folat schadet dem Körper hingegen nicht. Beispiele für besonders gute Folatquellen: Getrocknete Hülsenfrüchte (Kichererbsen, Linsen, Bohnen), Nüsse und grünes Blattgemüse gehören zu den besten Quellen.
Behandlung von Magenläsionen mit Folsäure
Jinhao Zeng, leitender Forscher dieser in China durchgeführten Studie, erklärte: „Wir glauben, dass Ärzte versuchen könnten, Folsäure einzusetzen, um das Fortschreiten von Magenkrebsvorstufen aufzuhalten oder rückgängig zu machen und dadurch die Häufigkeit von Magenkrebs zu verringern“, so Zeng.
Die Studie wurde online in BMC Gastroenterology veröffentlicht.
Zeng warnte jedoch, die Zahl einschlägiger Studien für eine Metaanalyse sei „relativ unzureichend, und die Ergebnisse müssten vorsichtig interpretiert werden“.
Was ist eine Metaanalyse? Metaanalysen sind besonders umfassende Untersuchungen, die die Ergebnisse mehrerer voneinander unabhängiger Studien zu einem bestimmten Thema zusammenführen und die gewonnenen Befunde statistisch analysieren. Ergebnisse von Metaanalysen gelten wissenschaftlich als die stärksten Belege.
Ergebnisse, die vorsichtig interpretiert werden müssen
Diese Untersuchung gilt als erste Metaanalyse zu den präventiven und therapeutischen Wirkungen von Folsäure bei Patienten mit präkanzerösen Magenläsionen. Sie umfasste 13 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1252 in China lebenden Erwachsenen mit solchen Läsionen.
HINWEIS: Präkanzeröse Läsionen des Magens umfassen gastrische Dysplasie, Magenadenom, Magenatrophie, intestinale Metaplasie und Dysplasie. Diese Veränderungen entstehen meist durch eine chronische Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
Nach Angaben von Zeng und Kollegen zeigte die Metaanalyse von fünf Studien einen statistisch signifikanten positiven Behandlungseffekt einer Folsäureergänzung auf die Atrophie der Magenschleimhaut (relative Risikoverringerung um das 1,61-Fache; 95% KI: 1,07 – 2,41).
Die Metaanalyse von zwei Studien zeigte zudem eine statistisch signifikante Wirkung von Folsäure auf die Rückbildung intestinaler Metaplasie (Risikoverringerung um das 1,77-Fache; 95% KI: 1,32 – 2,37).
Die Forschenden schreiben: „Unsere Studie zeigt, dass täglich 20-30 mg Folsäure über 3-6 Monate eine günstige Wirkung bei der Behandlung präkanzeröser Veränderungen des Magens haben“, so die Autoren.
Die Folsäureergänzung schien jedoch nicht wirksam zu sein, um die durch diese Veränderungen verursachten Symptome und Beschwerden zu lindern.
Die Autoren geben an, in einer getrennten Analyse bestätigt zu haben, dass Folsäure durch Beeinflussung der Gastrin- und Pepsinogenspiegel die Karzinogenese der Magenschleimhaut verhindern könnte.
Weitere Studien sind erforderlich
Frühere Untersuchungen hatten bereits geprüft, ob eine Folsäureergänzung mit einem geringeren Magenkrebsrisiko verbunden ist; ihre Ergebnisse waren jedoch „gemischt und nicht eindeutig“.
Obwohl bereits Metaanalysen zu Folsäure und Magenkrebs vorliegen, ist diese Untersuchung bemerkenswert, weil sie die Wirkung von Folsäure auf Krebsvorstufen untersucht, für die es derzeit keine medikamentöse Behandlung gibt.
Derzeit gibt es keine in Leitlinien aufgenommene Empfehlung für eine Folsäureergänzung zur Behandlung oder Vorbeugung präkanzeröser Magenveränderungen und von Magenkrebs. Wegen ihrer möglichen Schutzwirkung gegen DNA-Schäden besteht Interesse an Folsäure als chemopräventivem (krebsvorbeugendem) Wirkstoff; randomisierte kontrollierte Studien haben diesen Nutzen jedoch bislang nicht bestätigt.
Angesichts der geringen Studiengröße, der Beschränkung auf eine chinesische Bevölkerung mit häufigeren Magenkrebsvorstufen und mehr Magenkrebs als in der westlichen Allgemeinbevölkerung sowie möglicher Nebenwirkungen kann eine Folsäureergänzung derzeit nicht allein zur Vorbeugung präkanzeröser Magenläsionen empfohlen werden.
Die Metaanalyse unterstützt jedoch den Bedarf an größeren randomisierten kontrollierten klinischen Studien, um diesen Zusammenhang weiter zu untersuchen.
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.