Liquid Biopsy übertrifft Gewebeanalysen: Ergebnisse einer Darmkrebsstudie

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Darmkrebs (CRC) ist weltweit häufig und erfordert eine sorgfältige individuelle Auswahl der Behandlung. Etwa 30-40% der Patienten erhalten ihre Diagnose im metastasierten Stadium. Um im fortgeschrittenen Stadium Krankheitsverlauf und Therapieansprechen einzuschätzen, ist der Nachweis von RAS - und BRAF-Mutationen von großer Bedeutung.
Diese Mutationen werden meist mittels Gewebebiopsie analysiert. In den vergangenen Jahren hat sich jedoch die Liquid Biopsy, also Flüssigbiopsie, als neues Diagnose- und Überwachungsinstrument entwickelt. Durch die Analyse zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) besitzt sie das Potenzial, Mutationen empfindlicher und umfassender nachzuweisen.
Liquid Biopsy erkennt Mutationen, die der Gewebebiopsie entgehen
Journal of Clinical Oncology veröffentlichte am 4. Februar eine Studie von Stintzing und Kollegen zur Frage, ob die Liquid Biopsy gegenüber der Gewebebiopsie ein besserer Biomarker sein könnte. Dazu sollten Ergebnisse aus Flüssig- und Gewebebiopsien von Patienten der klinischen FIRE-4-Studie verglichen werden.
Einzelheiten der FIRE-4-Studie
Die Analyse erfolgte im Rahmen der FIRE-4-Studie in Deutschland und Österreich. In FIRE-4 wurden Patienten mit metastasiertem Darmkrebs, die anhand einer Gewebebiopsie als RAS-Wildtyp (RASwt) eingestuft waren, in zwei Gruppen eingeteilt:
- FOLFIRI (Fluorouracil, Folinsäure und Irinotecan) + Cetuximab-Behandlung: Dieses Regime wurde bis zur Krankheitsprogression oder bis zu einer Toxizität gegeben, die eine Fortführung ausschloss.
- Erhaltungstherapie nach FOLFIRI + Cetuximab: Nach einem bestimmten Zeitraum wechselten die Patienten auf 5-FU und Bevacizumab.
Bei allen Patienten erfolgte vor und während der Behandlung eine Liquid Biopsy. Mit dem ONCOBEAM-RAS-Test und digitaler Droplet-Polymerase-Kettenreaktion (ddPCR) wurden die Mutationen analysiert.
Wichtige Ergebnisse
- Die Studie umfasste 672 Patienten; bei 540 waren die Liquid-Biopsy-Daten auswertbar.
- Bei 13% der im Gewebe als RAS-Wildtyp eingestuften Patienten, also 70 Personen, wies die Liquid Biopsy eine RAS-Mutation nach.
- Eine BRAF-V600E-Mutation wurde bei 7% der Patienten, also 38 Personen, gefunden.
Klinische Ergebnisse
Patienten mit RAS-Mutation hatten gegenüber RAS-Wildtyp-Patienten einen ungünstigeren Krankheitsverlauf:
- Medianes progressionsfreies Überleben (PFS): 9,0 gegenüber 11,5 Monaten (HR = 1,66, P < 0,001)
- Medianes Gesamtüberleben (OS): 22,1 gegenüber 33,6 Monaten (HR = 1,85, P < 0,001)
Patienten mit RAS-Mutation profitierten von einer frühen Umstellung auf Erhaltungstherapie:
- Medianes PFS: 10,1 gegenüber 6,4 Monaten (HR = 0,82, P = 0,54)
- Medianes OS: 24,9 gegenüber 16,3 Monaten (HR = 0,57, P = 0,10)
Patienten mit BRAF-V600E-Mutation hatten den ungünstigsten Verlauf:
- Medianes PFS: 5,4 Monate
- Medianes OS: 12,0 Monate
Fazit: Könnte die Liquid Biopsy empfindlicher sein als die Gewebebiopsie?
Die Studie zeigt, dass Liquid Biopsy bei metastasiertem Darmkrebs empfindlicher sein könnte als die Gewebebiopsie.
- Im Gewebe nicht nachgewiesene Mutationen können durch Liquid Biopsy gefunden werden.
- Die Tumorheterogenität lässt sich besser abbilden.
- Therapieansprechen und Progression können empfindlicher überwacht werden.
Die Ergebnisse deuten auf eine entscheidende Rolle der Liquid Biopsy bei der Auswahl geeigneterer Behandlungen hin. Besonders wenn eine Gewebebiopsie nicht möglich oder unzureichend ist, könnte die Einführung der Liquid Biopsy als diagnostischer Standard künftige klinische Entscheidungen beeinflussen.
Quellen
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