Premiere bei Kopf-Hals-Krebs: FDA-Zulassung für Pembrolizumab vor und nach der Operation

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Am 12. Juni 2025 ließ die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA für erwachsene Patienten, deren Tumor eine PD-L1-Expression [Combined Positive Score (CPS) ≥1] aufweist und bei denen ein resektables, lokal fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC) vorliegt, Pembrolizumab (Keytruda, Merck) zu. Die Zulassung umfasst vor der Operation den Einsatz als Einzelwirkstoff zur neoadjuvanten Behandlung , nach der Operation die Kombination mit Strahlentherapie (RT) mit oder ohne Cisplatin zur adjuvanten Behandlung und anschließend die Fortsetzung als Monotherapie zur Erhaltung.
Eine lange erwartete Entwicklung bei Kopf-Hals-Krebs
Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC) besteht trotz einer Kombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie ein hohes Rezidiv- und Progressionsrisiko. Die Einbindung von auf das Immunsystem gerichteten Immuntherapien in die Behandlung dieser schwierigen Patientengruppe wurde seit Langem untersucht.
Nach den auf dem AACR-Kongress im April 2025 vorgestellten bemerkenswerten Ergebnissen der KEYNOTE-689 -Studie ist die erwartete FDA-Zulassung nun erfolgt. Damit wurde Pembrolizumab bei lokal fortgeschrittenem, resektablem Kopf-Hals-Krebs sowohl neoadjuvant (vor der Operation) als auch adjuvant (nach der Operation) zugelassen.
Einzelheiten zur FDA-Zulassung
📌 Zulassungsdatum: 12. Juni 2025
📌 Zulassungsbehörde: US-amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA)
📌 Indikation:
Bei Erwachsenen mit resektablem, lokal fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC) mit PD-L1-Expression (CPS ≥1):
- Neoadjuvant: Pembrolizumab als Monotherapie
- Adjuvant: nach der Operation in Kombination mit Strahlentherapie ± Cisplatin
- Anschließend: Pembrolizumab als Monotherapie zur Erhaltung
Dies ist bei Kopf-Hals-Krebs die erste FDA-Zulassung seit 6 Jahren . Zudem handelt es sich um das erste für den perioperativen Einsatz zugelassene Behandlungsschema.

Studiendesign und Ergebnisse: KEYNOTE-689
📋 Teilnehmer: 714 Patienten
📋 Stadium: Lokal fortgeschritten, resektabel (Stadium III–IVA, AJCC, 8. Auflage)
📋 Anzahl der Patienten mit PD-L1 CPS ≥1: 682
Behandlungsarme:
- Experimenteller Arm:
- Neoadjuvant: Pembrolizumab 200 mg alle 3 Wochen, 2 Zyklen
- Nach der Operation:
- Adjuvant: Pembrolizumab + RT ± Cisplatin (3 Zyklen)
- Danach: Pembrolizumab als Monotherapie (12 Zyklen)
- Kontrollarm:
- Keine neoadjuvante Therapie
- Nach der Operation: RT ± Cisplatin
Primärer Endpunkt:
📈 Ereignisfreies Überleben (EFS):
- Pembrolizumab-Arm: Medianes EFS = 59,7 Monate (KI: 37,9 – nicht erreicht)
- Kontrollarm: Medianes EFS = 29,6 Monate (KI: 19,5 – 41,9)
➡️ Risikoreduktion: 30%
➡️ HR: 0,70 (95% CI: 0,55–0,89)
➡️ p-Wert: 0,0014
Diese Ergebnisse zeigen einen deutlichen Vorteil von Pembrolizumab hinsichtlich der Verzögerung eines Rezidivs oder einer Krankheitsprogression.
Sicherheit und Verträglichkeit
💉 Unerwünschte Ereignisse, die eine Operation verhinderten: In beiden Armen bei 1,4% beobachtet.
⚠️ Warnhinweise:
- Immunvermittelte Nebenwirkungen (Hypothyreose, Pneumonitis usw.)
- Infusionsbedingte Reaktionen
- Fetale Toxizität in der Schwangerschaft
🧪 Dosierung:
- 200 mg alle 3 Wochen oder 400 mg alle 6 Wochen
- Hinweis: Bei einer Verabreichung am selben Tag wie die Chemotherapie muss Pembrolizumab zuerst gegeben werden.
Klinische und wissenschaftliche Einordnung
Die KEYNOTE-689-Studie zeigt das Potenzial der perioperativen Immuntherapie, im Management von Kopf-Hals-Krebs zu einem neuen Standard zu werden. Die annähernde Verdopplung des EFS verdeutlicht die Stärke dieses Ansatzes, insbesondere bei Patienten mit PD-L1 CPS ≥1.
⏳ Obwohl die Daten zum Gesamtüberleben (OS) noch unreif sind, wurde kein ungünstiger Trend festgestellt.
Fazit: Eine neue Ära in der Onkologie beginnt
Mit dieser Zulassung von Pembrolizumab hat ein vielversprechender neuer Behandlungsansatz für Patienten mit Kopf-Hals-Krebs Einzug in die klinische Praxis gehalten. Nun gilt es, diese Strategie mit passendem Zeitpunkt und multidisziplinären Teams in die Versorgung der am besten geeigneten Patientengruppe einzubinden.
📍 In multidisziplinären Tumorkonferenzen sollte diese neue Zulassung bereits vor der Operationsplanung berücksichtigt werden.
Vor und nach der Operation oder nur danach?
Die FDA-Zulassung von Pembrolizumab auf Grundlage von KEYNOTE-689 betrifft Patienten in einer ähnlichen Situation wie die kürzlich auf der ASCO 2025 vorgestellte Nivolumab-Studie NIVOPOSTOP. Allerdings bestehen wesentliche Unterschiede hinsichtlich Ziel, Zeitpunkt, Patientenauswahl und Einsatzstrategie .
Die folgende Vergleichstabelle und die Erläuterungen fassen die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Studien und den Zulassungen zusammen:
📊 Vergleichende Übersicht
| 🧪 Merkmal | 📌 KEYNOTE-689 | 📌 NIVOPOSTOP |
|---|---|---|
| 💉 Immuntherapeutikum | Pembrolizumab (Anti–PD-1) | Nivolumab (Anti–PD-1) |
| 🗓️ FDA-Zulassung | ✅ 12. Juni 2025 Perioperativer Einsatz (neoadjuvant + adjuvant) |
❌ Noch keine Zulassung (Vorstellung auf der ASCO 2025) |
| 🕒 Behandlungszeitpunkt | Neoadjuvant + adjuvant | Nur adjuvant |
| 👥 Patientenprofil | PD-L1 CPS ≥1 Lokal fortgeschritten, resektabel |
Unabhängig von PD-L1 Hohes Risiko, bereits reseziert |
| 🔄 Einsatz von RT + Cisplatin | Abhängig vom Risiko in der adjuvanten Phase |
Bei allen Patienten in der adjuvanten Phase |
| 🎯 Primärer Endpunkt | Ereignisfreies Überleben (EFS) | Krankheitsfreies Überleben (DFS) |
| 📈 Überlebensdaten | EFS: 59,7 Monate gegenüber 29,6 Monaten HR: 0,70 (p=0,0014) |
DFS nach 3 Jahren: 63,1% gegenüber 52,5% HR: 0,76 (p=0,034) |
| 🧬 Abhängigkeit von PD-L1 | Nur Patienten mit CPS ≥1 | Alle Patienten eingeschlossen |
| ⚖️ Klinische Bedeutung | Neuer Standard (im perioperativen Kontext) |
Ergänzung der bestehenden adjuvanten Behandlung |
| ⚠️ Sicherheitsprofil | 44,6% schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (Kontrolle: 42,9%) |
13,1% schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (Kontrolle: 5,6%) |
✅ Fazit: Zwei Behandlungen, zwei unterschiedliche Wendepunkte
| 📌 | KEYNOTE-689 steht mit perioperativem Pembrolizumab für einen umfassenden Ansatz, der die Behandlung von Kopf-Hals-Krebs von Anfang bis Ende verändern könnte. |
|---|---|
| 📌 | NIVOPOSTOP bietet dagegen als wichtige Ergänzung der bestehenden postoperativen Behandlung eine starke Alternative zur Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens bei Hochrisikopatienten. |
Beide Studien markieren eine neue Ära in der Behandlung von Kopf-Hals-Krebs. Künftige Leitlinien dürften durch diese Daten neu geprägt werden.
Quellen
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