Schutz vor Mundwunden durch Kopf-Hals-Krebstherapien mit Melatoin-Gel

Orale Mukositis nennt man Wunden im Mund, Kopf-Hals-Krebs wird mit Chemotherapie und Strahlentherapie behandelt, deren auffälligste Nebenwirkung diese Wunden sind. Bei der sehr wirksamen Strahlentherapie von Kopf-Hals-Krebs ist orale Mukositis nahezu unvermeidlich. Bisher wurde jedoch kein wirksames Verfahren gefunden, das diese Nebenwirkung verhindern oder nach ihrem Auftreten behandeln könnte. Zur Vorbeugung oraler Mukositis wurde ein Melatonin-Mundgelin der klinischen Phase-2-Studie MUCOMEL erprobt. Sie gehörte auf dem ASCO-Kongress 2018zu den bemerkenswerten Themen.
Melatonin ist ein Hormon und wird im Körper hauptsächlich in der Hypophyse, einer Ausstülpung des Gehirns, ausgeschüttet. Außerhalb der Hypophyse wird Melatonin von Epithelzellen des Magen-Darm-Trakts, der Haut und der Atemwege freigesetzt. Die Aufgaben von Melatoninbestehen im Schutz der Zelle durch die Kontrolle schädlicher intrazellulärer Stoffe (oxidativer Stress) und der Entzündung als Schutzmechanismus.
Bekanntlich stören Strahlen- und Chemotherapie das melatoninerge System der Schleimhaut, welche Mund, Atemwege und Verdauungstrakt auskleidet.
Auf dieser Grundlage vermuteten Wissenschaftler, dass ein von ihnen Mucomel genanntes Melatonin-Mundgel Schleimhautschäden durch Strahlentherapie und/oder Radiochemotherapie verhindern könnte. Sie führten eine klinische Untersuchung mit hoch dosiertem Melatonin-Gel von %3 bei 79 Patienten durch.
Aufgenommen wurden Patienten mit Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen im 3. und 4. Stadium. Nach zufälliger Aufteilung auf zwei Arme erhielten 40 Patienten täglich 5-mal 10 ml Melatonin-Gel (Gurgeln und anschließendes Schlucken), während 39 Patienten ein Placebo -Mundgel bekamen.
Am Studienende zeigte sich, dass Melatonin-Gel bei Patienten unter der Standardchemotherapie für Kopf-Hals-Krebs, nämlich Cisplatin , die Häufigkeit schwerer oraler Mukositis (3. und 4. Grades) signifikant verringerte. Hinsichtlich der Nebenwirkungen bestand jedoch kein Unterschied gegenüber Placebo. Melatonin verringerte außerdem den Bedarf an Schmerzmitteln und zusätzlicher Ernährung sowie die Dauer des Krankenhausaufenthalts.
Zusammenfassend verringerte Melatonin-Mundgel in dieser Studie bei mit Cisplatin behandelten Kopf-Hals-Krebspatienten Häufigkeit und Dauer schwerer oraler Mukositis sowie Schmerzmittelbedarf, zusätzlichen Ernährungsbedarf und Krankenhausaufenthaltsdauer. Bestätigt eine größere klinische Phase-3-Studie diese Ergebnisse, könnte eine neue Behandlung in unsere klinische Praxis eingehen, die Patienten bei dieser schweren Nebenwirkung deutlich hilft.
Quellen
Phase II trial of high-dose melatonin oral gel for the prevention and treatment of oral mucositis in H&N cancer patients undergoing chemoradiation (MUCOMEL).
2018 ASCO Annual Meeting - Abstract No: 6007
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.