Selpercatinib erhält FDA-Zulassung für alle RET-positiven Krebsarten

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Für Erwachsene, deren Erkrankung während oder nach einer systemischen Therapie fortgeschritten ist oder für die keine gute alternative Therapie besteht und die lokal fortgeschrittene oder metastasierte RET-fusionspositive solide Tumoren, also Tumoren aus Organen oder Geweben, aufweisen, erhielt Selpercatinib (Retevmo, Eli Lilly and Company) am 21. September 2022 eine beschleunigte Zulassung der FDA, der US-amerikanischen Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde.
2020 hatte Selpercatinib bereits eine beschleunigte FDA-Zulassung für RET-positive Lungen- und Schilddrüsenkarzinome erhalten. Am 21. September wurde diese beim nichtkleinzelligen Lungenkrebs in eine reguläre Zulassung überführt. Die jüngste Zulassung erweitert den Einsatz auf mehrere RET-positive Tumorarten, darunter Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs.
Was ist eine RET-Fusion?
Das RET-Gen ist ein Protoonkogen und enthält die Bauanleitung für ein an der Signalübertragung innerhalb der Zelle beteiligtes Protein. Dieses scheint für die normale Entwicklung verschiedener Nervenzellen erforderlich zu sein, darunter Nerven im Darm sowie Teile des autonomen Nervensystems, das unwillkürliche Körperfunktionen wie die Herzfrequenz steuert. Das RET-Protein wird außerdem für die normale Nierenentwicklung und die Spermienbildung, die Spermatogenese, benötigt. Mutationen mit Funktionsverlust des RET-Gens sind mit der Hirschsprung-Krankheit verbunden. Mutationen, die dem Gen andere Funktionen verleihen, sind dagegen mit der Entstehung verschiedener menschlicher Krebsarten verknüpft. Eine RET-Fusion ist eine solche genetische Veränderung. Veränderungen des RET-Gens kommen bei etwa 1-2% der Lungenkrebserkrankten vor. Zusammenfassend gilt: Eine RET-Fusion ist eine seltene krebstreibende genetische Veränderung bei verschiedenen Krebsarten.

RET-Fusionen gehören nun zu den tumorübergreifenden Biomarkern
Es gibt immer mehr Beispiele dafür, dass Krebs unabhängig von seinem Ursprungsorgan oder -gewebe behandelt wird. Mit dieser Zulassung wurde bestätigt, dass RET-Fusionen zu den genetischen Biomarkern gehören, die eine organunabhängige Therapieentscheidung ermöglichen.
Die Zulassung beruhte auf Daten der Phase-1/2-Studie LIBRETTO-001 mit 41 Personen mit RET-fusionspositiven Tumoren. Siebenunddreißig Personen (90%) hatten zuvor eine systemische Therapie erhalten, fast ein Drittel bereits drei oder mehr Therapielinien. Die primären Wirksamkeitsendpunkte waren die Gesamtansprechrate und die Ansprechdauer.
Unter den 41 Personen betrug die Gesamtansprechrate 44%. Die mediane Ansprechdauer lag bei 24,5 Monaten. Zudem hielt das Ansprechen bei 67% mindestens 6 Monate an.
Diese Zulassung verdeutlicht die zunehmenden tumorunabhängigen Behandlungsmöglichkeiten und die Bedeutung routinemäßiger umfassender Genomtests bei Menschen mit fortgeschrittenen Erkrankungen unterschiedlichster Tumorarten.
Die häufigsten Krebsarten in der Studie waren Adenokarzinome der Bauchspeicheldrüse (27%), kolorektale Karzinome (24%) und Speicheldrüsenkarzinome (10%).
Die häufigsten mit Selpercatinib verbundenen Nebenwirkungen waren Ödeme, Durchfall, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Bluthochdruck, Bauchschmerzen, Verstopfung, Hautausschlag, Übelkeit und Kopfschmerzen.
Die nach dem Körpergewicht empfohlene Selpercatinib-Dosis beträgt unter 50 Kilo zweimal täglich 120 mg oral und ab 50 Kilo zweimal täglich 160 mg.
Quellen
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