Was ist das Immunsystem (Abwehrsystem), wie funktioniert es? Der Abwehrmechanismus des Körpers

In unserer Umgebung gibt es so viele Mikroorganismen, dass man sie als „unzählig“ bezeichnen kann. Während einige dieser Mikroorganismen dem Körper verschiedene Vorteile bieten, schaden andere Mikroorganismen dem Körper, indem sie seinen natürlichen Ablauf stören. Die nützlichen Mikroorganismen bezeichnen wir als Mikrobiom . Krankheitsverursachende Mikroorganismen werden dagegen als Pathogene bezeichnet. Der Körper verfügt über einige Abwehrmechanismen, um sich vor diesen schädlichen Mikroorganismen zu schützen oder eingedrungene Mikroorganismen zu vernichten. Besondere Strukturen auf ihrer Oberfläche, die ihre Erkennung durch das Abwehrsystem ermöglichen, heißen Antigene . Das Abwehrsystem hat zwei grundlegende Aufgaben: den Körper vor pathogenen Mikroorganismen zu schützen und tote, geschädigte oder abnorme Zellen zu vernichten. Diese Systeme werden allgemein als Immunsystem (Abwehrsystem) bezeichnet. Das Wissenschaftsgebiet, das diese Systeme untersucht, heißt Immunologie.
Das Immunsystem wird in das angeborene und das erworbene Immunsystem unterteilt:

Das angeborene Immunsystem, ist der erste Abwehrmechanismus gegen Pathogene. Dieser Mechanismus ermöglicht eine unmittelbare Reaktion gegen den Erreger. Diese unmittelbare Reaktion ist eine gemeinsame Abwehr gegen jeden Erreger.
Diese Abwehr hat vier Hauptlinien;
- physikalische und chemische Barrieren,
- Phagozyten,
- entzündlich (inflammatorische) Reaktion
- bestimmte Plasmaproteine.
Physikalische und chemische Barrieren; bestehen aus dem in Speichel, Schweiß und Tränen enthaltenen Lysozym – einem bakterientötenden Enzym –, dem hohen Säurewert des Magensafts und der Schleimschicht, die Mikroorganismen festhält.
Eine weitere Abwehrlinie sind die Phagozyten, die in den Körper eingedrungene Pathogene durch Verschlucken abbauen und deren Antigene auf ihrer eigenen Oberfläche präsentieren, um andere Zellen des Immunsystems zu aktivieren. Phagozyten bestehen aus drei Zelltypen: Makrophagen, Neutrophilen und Eosinophilen.
Die Entzündungsreaktion tritt dagegen an verletzten und daher für Infektionen durch Mikroorganismen anfälligen Körperstellen auf. Diese Reaktion führt zur Erweiterung der Blutgefäße im betroffenen Gebiet und dadurch zu einer Schwellung infolge des Austritts von Plasma in dieses Gebiet. Wenn auch weiße Blutkörperchen zum Infektionsort gelangen, entsteht eine Entzündung.
Schließlich sorgen bestimmte Plasmaproteine für die Vernichtung von Mikroorganismen. Ein Beispiel ist der Membranangriffskomplex (membrane attack complex, MAC). MAC sorgt für den Zerfall des Bakteriums, indem er Löcher in dessen Zellwand bildet.
Im Gegensatz zum angeborenen Immunsystem ist das erworbene/adaptive Immunsystem spezifisch für den Mikroorganismus. Das erworbene Immunsystem erzeugt eine länger anhaltende Antwort und bei einer zweiten Begegnung mit demselben Mikroorganismus entsteht eine schnellere und wirksamere Abwehr. Grundlage dieser Abwehr sind Proteine, die als Antikörper bezeichnet werden. Antikörper werden von einer der für die erworbene Immunität verantwortlichen Zellarten, den B-Zellen produziert. Nach dem Kontakt mit einem Pathogen teilen sich B-Zellen in für dieses Pathogen spezifische Plasmazellen und Gedächtniszellen auf. B-Zellen und Antikörper sind für die humorale/flüssigkeitsvermittelte Immunitätverantwortlich. T-Zellen sind dagegen für die zelluläre Immunität verantwortlich. Beispielsweise erkennen T-Zellen eine virusinfizierte Zelle mithilfe des MHC-Rezeptors und sorgen für ihre Vernichtung. Damit B- und T-Zellen keine Körperzellen angreifen, müssen sie während ihrer Entstehung geprüft und so verändert werden, dass sie normale Körperzellen nicht angreifen. Liegt eine Störung dieses Prüfmechanismus vor, greifen Immunzellen Körperzellen an und es entstehen Autoimmunerkrankungen . Ein Beispiel ist die multiple Sklerose (MS). Ein Beispiel für einen als Gegenteil zu bezeichnenden Zustand ist dagegen Krebs; denn zu den 10 grundlegenden Merkmalen von Krebsgehört auch seine Fähigkeit, für das Immunsystem unsichtbar zu sein. Da Krebszellen aus unseren eigenen Körperzellen entstehen, nehmen B- und T-Zellen sie häufig nicht als ausreichend fremd wahr. Um den Zellen des Immunsystems als Freunde zu erscheinen, tragen Krebszellen auf ihrer Oberfläche bestimmte Moleküle wie PD-1 und PD-L1 . Die neuartigen Krebsimmuntherapiensind Medikamente mit Antikörperstruktur, die diese vorgetäuschten Freundeshände der Krebszellen blockieren.
In der folgenden Abbildungist das zelluläre Immunsystem dargestellt.

*
In der folgenden Abbildungist dargestellt, wie die Zellen des Immunsystems aus einer Blutstammzelle entstehen.

Quellen
Immunobiology, 5th edition
The Immune System in Health and Disease
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.