Welche Nebenwirkungen hat eine Strahlentherapie am Gehirn?

In diesem Artikel
Bei Gehirntumoren ist ein Bestandteil eines umfassenden Behandlungsplans die Strahlentherapie, die Krebszellen gezielt angreift und wirksam zerstören kann. Sie kann allein oder zusammen mit anderen Behandlungen wie Operation und Chemotherapie eingesetzt werden. Kann sie jedoch auch Nebenwirkungen verursachen?
Ja, die Bestrahlung primärer, im Gehirn selbst entstehender Tumoren oder sekundärer Krebserkrankungen mit Metastasen anderer Organe im Gehirn kann Nebenwirkungen haben. Diese unterscheiden sich je nach verschiedenen Faktoren, etwa der bestrahlten Region, der Strahlendosis und individuellen Gegebenheiten.
Bei Gehirntumoren, insbesondere primären, wird häufig eine größere Region über längere Zeit bestrahlt. Dabei kann auch das normale Gehirngewebe um den Tumor geschädigt werden. Dieses Risiko wird jedoch gewöhnlich gegen die Risiken des Tumors selbst abgewogen.
Gehirnmetastasen haben dagegen meist deutlichere Grenzen, sodass die Strahlentherapie häufig nur auf die Metastasenregionen beschränkt wird. Dadurch wird das umliegende normale Gewebe weniger geschädigt. Außerdem entstehen Gehirnmetastasen gewöhnlich durch Krebs, der sich aus anderen Organen ausbreitet. Die gesamte Behandlungsstrategie konzentriert sich deshalb häufig darauf, die Metastasen unter Kontrolle zu bringen.
Nebenwirkungen der Strahlentherapie bei Gehirntumoren
Eine Bestrahlung des Gehirns kann im Allgemeinen folgende kurzfristige Nebenwirkungen verursachen:
- Müdigkeit
- Haarausfall
- Übelkeit und Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Hautveränderungen
- Kognitive Probleme wie Gedächtnis- und Sprachstörungen
- Krampfanfälle
Krampfanfälle und Kopfschmerzen können auf ein Gehirnödem, also eine Schwellung, hinweisen. Dieser Zustand ist ernst und erfordert sofortige medizinische Hilfe.
Je nach Zeitpunkt ihres Auftretens während oder nach der Behandlung werden Nebenwirkungen in zwei Gruppen eingeteilt: frühe und späte Nebenwirkungen.
Frühe Nebenwirkungen: Sie treten während der Behandlung oder innerhalb von 1 Monat danach auf. Sie sind meist vorübergehend, leicht und gut behandelbar:
- Müdigkeit
- Hautveränderungen
Späte Nebenwirkungen: Diese können 6 Monate bis mehrere Jahre nach Behandlungsende auftreten:
- Gedächtnisverlust
- Schlaganfallähnliche Beschwerden
- Beeinträchtigung der Gehirnfunktionen
Behandlung strahlentherapiebedingter Nebenwirkungen
Müdigkeit
Müdigkeit ist eine häufige Nebenwirkung vieler Krebsbehandlungen, einschließlich der Strahlentherapie. Eine große Mehrheit von etwa 90% der am Gehirn bestrahlten Patienten berichtet über Müdigkeit.
Ausreichende Ruhe, ein sparsamer Umgang mit Energie und leichte körperliche Aktivitäten sind in dieser Zeit wichtig. Ebenso sollte auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung und ausreichendes Wassertrinken geachtet werden.
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Haarausfall
Etwa 2 - 3 Wochen nach Beginn der Bestrahlung des Gehirns kann vorübergehender Haarausfall auftreten. Auch Augenbrauen und Wimpern können betroffen sein.
Haarausfall lässt sich während einer Strahlentherapie möglicherweise nicht verhindern. Nach Behandlungsende wachsen die Haare meist innerhalb von 3-6 Monaten wieder nach. Wer das Nachwachsen medikamentös unterstützen möchte, kann sich an einen Hautarzt wenden. Während und nach dem Haarausfall können außerdem folgende Maßnahmen helfen:
- Eine Perücke oder ein bequemes Kopftuch tragen
- Im Freien Sonnenschutz auftragen und einen Hut tragen
- Bei juckender Kopfhaut Lotion und Haarspülung verwenden
Hautveränderungen
Eine Strahlentherapie kann Dermatitis verursachen. Besonders im bestrahlten Bereich können Entzündungen, Trockenheit oder Juckreiz auftreten. Diese Beschwerden entwickeln sich meist innerhalb von 1-3 Wochen nach der Bestrahlung.
Bei solchen Hautveränderungen geben Ärzte oder Hautärzte Empfehlungen zur Hautpflege. Zusätzlich sollte man milde, nicht reizende Seifen und Feuchtigkeitscremes verwenden, übermäßige Hitze meiden und den behandelten Bereich vor Sonne schützen. Die Amerikanische Dermatologische Gesellschaft (ADD) empfiehlt Betroffenen:
- Die Haut sehr sanft mit lauwarmem Wasser waschen
- Bei Bedarf ein mildes Reinigungsprodukt mit niedrigem pH-Wert verwenden
- Auf Schwämme, Gesichtsreinigungstücher, Peelinghandschuhe und Waschlappen verzichten
- Den Bereich nicht rasieren
- Täglich eine Feuchtigkeitscreme auftragen; vor jeder Lotion oder Creme fachärztlichen Rat einholen
Kognitive Veränderungen
Strahlentherapie kann Gehirnzellen schädigen. Solche Veränderungen können erst Jahre nach der Behandlung auftreten. Manche Menschen entwickeln kognitive Probleme mit Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Problemlösung.
Bei Veränderungen des Gedächtnisses oder der Konzentration können bestimmte Strategien den Umgang damit erleichtern:
- Aufgaben in kleinere, überschaubare Schritte aufteilen
- Erinnerungshilfen oder Organisationswerkzeuge verwenden
- Geistige Übungen machen oder Rätsel lösen
- Unterstützung durch Ergotherapeuten oder Neuropsychologen suchen, die Techniken der kognitiven Rehabilitation anbieten
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Kopfschmerzen
Strahlentherapie kann vorübergehend Kopfschmerzen verursachen. Bei einfachen Kopfschmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel Linderung verschaffen. Trotzdem sollte vor jeder Medikamenteneinnahme fachärztlicher Rat eingeholt werden.
Kopfschmerzen können auch durch ein Gehirnödem, also eine Schwellung, ausgelöst werden, die rasch behandelt werden muss. Patienten, die während der Strahlentherapie Kopfschmerzen bekommen, sollten sich deshalb unbedingt an einen Facharzt wenden.
Übelkeit und Erbrechen
Obwohl Übelkeit und Erbrechen vor allem bei Behandlungen im Magenbereich häufig sind, können Magenbeschwerden unabhängig vom Behandlungsgebiet auftreten. Auch eine Strahlentherapie kann bei 50-80% der Menschen Übelkeit und Erbrechen verursachen. Appetitverlust ist ebenfalls möglich. Diese Beschwerden bessern sich meist innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsende. Währenddessen werden kleine, häufige Mahlzeiten empfohlen. Fettige oder scharfe Speisen zu meiden, kann ebenfalls helfen. Fachärzte können außerdem Medikamente gegen die Magenbeschwerden verordnen.
Übelkeit kann zusätzlich ein Zeichen eines möglichen Gehirnödems sein. Menschen mit strahlentherapiebedingter Übelkeit sollten deshalb fachärztlichen Rat einholen.
Krampfanfälle
Primäre Gehirntumoren, Gehirnmetastasen und Strahlentherapie können das Risiko von Krampfanfällen erhöhen. Ein Krampfanfall kann auf ein Gehirnödem hinweisen. Betroffene sollten deshalb unverzüglich fachärztliche Hilfe suchen. Meist werden Medikamente zur Behandlung verordnet.
Gehirnödem
Strahlentherapie kann ein vorübergehendes Gehirnödem, also eine Schwellung, und einen Druckanstieg im Gehirn verursachen. Das kann gewöhnlich innerhalb weniger Tage oder Wochen nach der Behandlung auftreten. Mögliche Symptome eines Gehirnödems sind:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Krampfanfälle
Wegen des Risikos eines Gehirnödems sollten Betroffene diese Beschwerden nicht ignorieren oder versuchen, sie allein mit einfachen Medikamenten zu beherrschen. Stattdessen sollten sie unbedingt fachärztliche Hilfe suchen.
Zeigt ein Patient Anzeichen eines Gehirnödems, wird er gewöhnlich im Krankenhaus überwacht. Um die Schwellung zu reduzieren, erfolgt etwa 3-4 Tage lang eine Behandlung gegen das Ödem mit Medikamenten wie Kortikosteroiden und Mannitol.
Was sind stereotaktische Strahlentherapie und Radiochirurgie, und welche Nebenwirkungen haben sie?
Stereotaktische Strahlentherapie und Radiochirurgie sind spezialisierte Bestrahlungsmethoden, bei denen hohe Strahlendosen gezielt auf bestimmte Bereiche gerichtet werden. Weil sie genauer auf das Ziel ausgerichtet sind, verursachen sie häufig weniger Nebenwirkungen als eine herkömmliche Strahlentherapie. Je nach Behandlungsort sind jedoch bestimmte Nebenwirkungen möglich. Bei Gehirntumoren können sie beispielsweise ein Ödem im umliegenden Gehirngewebe auslösen.
Nebenwirkungen können zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten. Viele bessern sich innerhalb weniger Wochen nach Behandlungsende; es kann jedoch auch 2 Monate dauern. Andere können je nach Heilungsdauer der gesunden Zellen länger anhalten.
Späte Nebenwirkungen können sich mit der Zeit bessern, manche bleiben jedoch dauerhaft bestehen.
Um Nebenwirkungen einer Bestrahlung des Gehirns zu verringern:
- Wenn möglich regelmäßig bewegen; ohne fachärztliche Rücksprache kein neues intensives Trainingsprogramm beginnen
- Auf Ruhe achten und ihr Vorrang geben
- Unterstützung von Familie und Freunden annehmen
- Alkohol, Tabak und Koffein begrenzen
- Reichlich Flüssigkeit trinken
- Ausgewogen und gesund essen
- Bei Appetitproblemen gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft einen Ernährungsplan erstellen
Zusammenfassung: Nebenwirkungen der Strahlentherapie bei Gehirntumoren und ihr Umgang damit
Strahlentherapie bei primären Gehirntumoren oder Tumoren, die ins Gehirn metastasiert haben, kann abhängig von der verwendeten Technik und individuellen Faktoren Nebenwirkungen verursachen. Späte Nebenwirkungen können noch Monate oder Jahre nach der Behandlung auftreten. Frühe Nebenwirkungen zeigen sich dagegen während oder unmittelbar nach der Behandlung.
Nebenwirkungen lassen sich behandeln. Fortschritte in der Behandlungsplanung und präzise Techniken wie die stereotaktische Strahlentherapie helfen, sie im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung zu minimieren.
Manche Nebenwirkungen können auf ernsthafte behandlungsbedingte Zustände hinweisen. Bei möglichen Nebenwirkungen sollten Patienten deshalb fachärztliche Hilfe suchen. Fachärzte bieten individuell geeignete Möglichkeiten und Strategien zu deren Behandlung an.
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Quellen
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