7 Gründe, warum sich Krebszellen von normalen Zellen unterscheiden

In diesem Artikel
Wir alle wissen, dass Krebs eine bösartige Erkrankung ist. Aber was genau ist „Krebs“?
Mit dem Begriff Krebs bezeichnen wir eine Gruppe von Erkrankungen, die durch abnorme Veränderungen gesunder Körperzellen entstehen.
Unser Körper besteht aus Billionen Zellen, die dafür sorgen, dass er gut funktioniert. Was geschieht also, sodass sich Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden? Wenn Sie neugierig sind, lesen Sie weiter! Wir betrachten sieben Unterschiede und ihre Bedeutung.
Die Form der Zellen
Gesunde Zellen ähneln einander normalerweise. Krebszellen sehen dagegen anders aus als gesunde Zellen und unterscheiden sich auch untereinander. Sie haben oft ungewöhnliche Formen und keine klar erkennbaren Grenzen. Anders als bei gesunden Zellen lässt sich nicht leicht erkennen, wo eine Zelle endet und die nächste beginnt. Ein weiterer Unterschied ist die Größe des Zellkerns. Fast alle gesunden Zellen haben einen Kern, der als Steuerzentrale dient und ihre DNA enthält. Krebszellen können mehrere Kerne besitzen, die meist viel größer sind und einen großen Teil der Zelle einnehmen.

Erkennen Sie den Unterschied zwischen den beiden mikroskopischen Aufnahmen echter Zellen? An diesen Präparaten sehen Sie, wie unterschiedlich Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen aussehen können.
Ein beschädigter genetischer Code
Im Zellkern liegt in der DNA Ihr einzigartiger genetischer Code. In gesunden Zellen ist die DNA dicht in 46 Chromosomen verpackt. Krebszellen weisen Fehler bei der Chromosomenzahl auf, die einen gesunden Teilungsablauf behindern: Sie können mehr oder weniger Chromosomen als normal haben. Bei einer normalen Zellteilung ordnen sich die Chromosomen auf bestimmte Weise an, damit jede neue Zelle eine korrekte Kopie jedes Chromosoms erhält. Fehlerhafte Chromosomen erschweren eine geordnete Teilung. Wenn sich die Krebszelle vermehrt, entstehen deshalb immer mehr Probleme.

Der Inhalt des Zellkerns unterscheidet sich bei Krebszellen stark: Sie können eine falsche Chromosomenzahl haben; vorhandene Chromosomen sind wegen fehlender oder zusätzlich eingefügter Abschnitte oft gebrochen.
Veränderte DNA
Abnorme Veränderungen der DNA einer Zelle, die wir als Mutationen bezeichnen, führen dazu, dass eine Zelle zur Krebszelle wird. Unsere DNA enthält Tausende Gene, die alles steuern – von unserer Haarfarbe bis dazu, wie oft sich jede Zelle vermehren kann.
Diese DNA-Mutationen werden gefährlich, wenn eine Zelle nicht mehr aufhören kann, sich zu vermehren: Es entsteht ein unkontrolliert wachsender Tumor. Krebszellen können viele DNA-Mutationen besitzen und sich dadurch den normalen Regeln des Körpers entziehen.

Die DNA von Krebszellen enthält viele Fehler und Veränderungen. Das kann bedeuten, dass sich Krebszellen viel schneller vermehren können als gesunde Zellen. Zudem können sie dadurch Fähigkeiten erhalten, die gesunde Zellen nicht haben.
Sie hören nicht auf zu wachsen
Eine der „Regeln“, die Krebszellen missachten, ist der „programmierte Zelltod“. Wenn eine Zelle beschädigt oder nicht mehr benötigt wird, wird normalerweise ein Vorgang aktiviert, der sie abtötet. Dies geschieht in unserem Körper täglich ohne Probleme. Hat jedoch eine DNA-Mutation die Gene dieses Vorgangs geschädigt, lebt die Krebszelle weiter und teilt sich erneut.
Eine weitere „Regel“ besagt, dass gesunde Zellen zur Teilung ein Signal von benachbarten Zellen erhalten müssen. So wird das Wachstum eines Gewebes – einer Gruppe ähnlicher Zellen – vom Körper sorgfältig gesteuert. Krebszellen können sich jedoch ohne dieses Signal teilen und unbegrenzt weiter vermehren, sodass ein Tumor entsteht.

Gesunde Zellen dürfen sich nur eine bestimmte Zahl von Malen teilen. Krebszellen finden dagegen Wege zur unbegrenzten Teilung und bilden Tumoren.
Sie verstecken sich vor unserem Immunsystem
Krebszellen können sich vor unserem Immunsystem verstecken. Dafür gibt es verschiedene Wege, meist mithilfe von Proteinen auf der Zelloberfläche. Diese wirken wie ein einzigartiger Fingerabdruck und teilen anderen Zellen mit, um welche Zellart es sich handelt, etwa Muskel- oder Nervenzellen. Wird eine Zelle zur Krebszelle, können sich ihre Oberflächenproteine wegen zahlreicher DNA-Mutationen verändern. Eigentlich sollte diese Veränderung dem Immunsystem signalisieren, dass es die Zelle abtöten muss. Manchmal lassen die Proteine die Krebszelle jedoch wie eine normale Zelle erscheinen, sodass das Immunsystem sie ignoriert. Diese Proteine können außerdem andere Zellen anlocken, die das Immunsystem daran hindern, die Krebszelle zu erreichen (Tumormikroumgebung). So können Krebszellen weiterwachsen und sich so stark vermehren, dass ein Tumor entsteht.

Krebszellen finden Wege, sich vor dem Immunsystem zu verstecken, das sie zerstören will. Unser Immunsystem nutzt Proteine auf der Zelloberfläche, um beschädigte oder gefährliche Zellen zu erkennen. Krebszellen tarnen sich manchmal mit gesunden Proteinmarkern und erscheinen dem Immunsystem dadurch wie gesunde Zellen.
Sie fordern Nährstoffe an
Gesunde Zellen können Signale senden, damit Blutgefäße näher an sie heranwachsen. Dies tun sie nur während des normalen Wachstums und der Entwicklung, damit neue Zellen die benötigten Ressourcen aus dem Blut erhalten. Krebszellen senden dagegen ständig Signale für Blutgefäße, selbst wenn sie zum Wachsen keine zusätzlichen Ressourcen benötigen. Dies wird als Angiogenese bezeichnet. Die neuen Blutgefäße versorgen den Tumor mit Nährstoffen und ermöglichen ihm, schneller zu wachsen.

Tumoren locken viel mehr Blutgefäße an als normales Gewebe. Wenn die Gefäße Nährstoffe zuführen, können die Tumoren dadurch weiterwachsen.
Sie breiten sich in andere Körperregionen aus
Die neuen Blutgefäße ermöglichen außerdem einen leichten Zugang zum übrigen Körper. Gelangen Krebszellen in den Blutkreislauf, können sie sich an einer neuen Stelle ansiedeln und „metastatisch“ werden. Das bedeutet, dass sich der Krebs vom ursprünglichen Tumor auf eine zweite Stelle ausgebreitet hat. Normale Zellen tun dies nicht, weil winzige Oberflächenproteine sie an ihrem richtigen Platz halten. Durch Mutationen können sich Krebszellen dagegen vom Tumor lösen und im Körper zirkulieren.

Gesunde Zellen haften aneinander. Krebszellen können sich wegen DNA-Mutationen dagegen nicht an Nachbarzellen binden. Dadurch gelangen sie leichter in den Blutkreislauf und können sich im Körper ausbreiten.
Das sind 7 Gründe, warum sich Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden. Die Krebsforschung versucht, solche Unterschiede zu erkennen und zu nutzen, um Krebszellen gezielt anzugreifen, ohne gesundes Gewebe abzutöten.
Tatsächlich wurden inzwischen weit mehr als diese 7 Eigenschaften entdeckt. Wir bezeichnen sie als die 14 grundlegenden Merkmale von Krebs .
Wegen der Vielfalt von Krebs und der unterschiedlichen Erscheinungsformen dieser Erkrankung gibt es keine einzige Behandlung, die für jeden Patienten geeignet ist. Dank der Verbindung von Medizin und Technologie werden heute erhebliche Fortschritte bei Therapien erzielt, die sich an den spezifischen Tumoreigenschaften des Patienten orientieren. In den kommenden 10-15 Jahren können wir bedeutende Fortschritte und Neuerungen bei individuellen Krebstherapien erwarten.
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