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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Antikörper-Wirkstoff-Konjugate – Wichtige Fortschritte bei Brustkrebs einschließlich Hirnmetastasen

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate – Wichtige Fortschritte bei Brustkrebs einschließlich Hirnmetastasen
In diesem Artikel

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) sind eine Form der Krebsbehandlung, bei der ein Antikörper mit einer Struktur verbunden wird, die einen Wirkstoff zur Zielkrebszelle transportiert. Der Antikörper bindet spezifisch an die Krebszelle und bringt das Medikament direkt dorthin, wodurch gesundes Gewebe möglichst wenig geschädigt wird. So kann der Tumor gezielter angegriffen werden, während Nebenwirkungen der Chemotherapie verringert werden.

Was sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate? Neue Generation der Behandlung solider Tumoren

Die obige Abbildung zeigt den allgemeinen Aufbau eines Antikörper-Wirkstoff-Konjugats. Die Zielantigene liegen meist auf der Oberfläche von Krebszellen. Der Antikörper bindet an diese Zelle und setzt anschließend den zytotoxischen, also zellabtötenden Wirkstoff frei.

Eine Wirkstoffgruppe, die die Brustkrebsbehandlung verändert

Neue Studien zu fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs liefern positive Ergebnisse, die einen Einsatz dieser Wirkstoffe bei breiteren Patientengruppen stützen.

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) haben das Behandlungsspektrum bei nicht operablem fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs erweitert und bieten Optionen, wenn andere Therapien nicht ausreichen. Die neuesten beim ESMO-Kongress 2024 vorgestellten Untersuchungen prüfen sowohl den breiteren Einsatz vorhandener ADC als auch neue Konjugate gegen HER2 und HER3, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Hinweis: Drei bekannte, bei Brustkrebs zugelassene ADC sind Trastuzumab Deruxtecan (Enhertu), Trastuzumab Emtansin (Kadcyla) und Sacituzumab Govitecan (Trodelvy).

Bahnbrechende Ergebnisse bei Hirnmetastasen

Bei HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs treten Hirnmetastasen häufig auf und erfordern meist eine schwierige Behandlung. Bislang galt die Strahlentherapie für diese Patienten als unvermeidliche Option. Ihre Nebenwirkungen konnten die Betroffenen jedoch erheblich belasten.

Die neuesten Ergebnisse der klinischen Studie DESTINY-Breast12 zeigten eine deutliche Wirksamkeit des ADC Trastuzumab Deruxtecan bei HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs mit Hirnmetastasen.

Bei den 263 Teilnehmern mit Hirnmetastasen betrug nach 12 Monaten die Rate für progressionsfreies Überleben (PFS) insgesamt 61,6%. Selbst bei aktiven Hirnmetastasen lag diese Rate bei 60,1%. Die Ergebnisse zeigen, dass Trastuzumab Deruxtecan, dessen Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, zuvor angezweifelt wurde, auch bei Patienten mit Hirnmetastasen eine wirksame Behandlung darstellt. Damit können Patienten ohne lokale Behandlungen wie Strahlentherapie allein durch die systemische Therapie erfolgreiche Ergebnisse erreichen.

Eine neue HER3-gerichtete Therapie: Patritumab Deruxtecan

Eine weitere wichtige beim Kongress vorgestellte Studie untersuchte Patritumab Deruxtecan als neues ADC. Die Behandlung stellt eine wirksame Option bei hormonrezeptorpositivem (HR-positivem) und HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs dar. Bedeutende Ansprechraten zeigten sich insbesondere nach CDK-4/6-Hemmern und endokriner Therapie bei anschließender Progression und einer bereits erhaltenen Chemotherapielinie.

Bei den 99 Studienteilnehmern wurde eine bestätigte Ansprechrate von 53,5% dokumentiert. Die Erkrankung blieb median 9,4 Monate ohne Progression.

Die Rolle von HER3 in der Krebstherapie ist noch nicht vollständig erforscht. Die frühen Ergebnisse mit Patritumab Deruxtecan zeigen jedoch das Potenzial HER3-gerichteter Behandlungen. Bei einigen Patienten traten Müdigkeit, Übelkeit und Durchfall auf; die Nebenwirkungen wurden als beherrschbar beschrieben.

Neue Perspektiven der Krebsbehandlung

ADC gehören bereits zu den zugelassenen Optionen bei fortgeschrittenem Brustkrebs. Trastuzumab Deruxtecan wird bei HER2-positivem und HER2-low-Brustkrebs eingesetzt. Sacituzumab Govitecan ist bei intensiv vorbehandeltem triple-negativem sowie HR-positivem/HER2-negativem Brustkrebs zugelassen. Die Forschung untersucht weiterhin einen früheren Einsatz dieser Wirkstoffe. Auch die Anwendung bei breiteren Patientengruppen, das Nebenwirkungsmanagement und die optimale Reihenfolge der ADC bleiben wichtige Themen.

Weitere Forschung könnte in den kommenden Jahren noch individuellere und wirksamere Behandlungen ermöglichen. Untersucht wird, wie ADC bei unterschiedlichen Patienten eingesetzt werden können und welche Biomarker das Ansprechen bestimmen.

Besonders bei resistenten und schwer behandelbaren Brustkrebsformen geben diese Untersuchungen Anlass zur Hoffnung. ADC eröffnen damit eine neue Ära der Krebstherapie.

Quellen

1. Lin N, et al. Trastuzumab deruxtecan (T-DXd) in patients (pts) with HER2+ advanced/metastatic breast cancer (mBC) with or without brain metastases (BM): DESTINYBreast-12 primary results. ESMO Congress 2024, LBA18

2. Pistilli B, et al. Efficacy, safety and biomarker analysis of ICARUS-BREAST01: A phase 2 study of patritumab deruxtecan (HER3-DXd) in patients (pts) with HR+/HER2- advanced breast cancer (ABC). ESMO Congress 2024, Abstract 340O
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