Punktgenaue Bestrahlung statt Ganzhirnbestrahlung bei kleinzelligem Lungenkrebs

In diesem Artikel
Kleinzelliger Lungenkrebs ist eine Krebsart mit hohem Risiko, im Krankheitsverlauf Metastasen im Gehirn zu bilden, also sich dorthin auszubreiten. Die meisten Betroffenen benötigen im Verlauf eine Bestrahlung des Gehirns. Der klassische Ansatz bei Hirnmetastasen des kleinzelligen Lungenkrebses ist die Ganzhirnbestrahlung. In den letzten Jahren wird jedoch diskutiert, ob eine punktgenaue Bestrahlung nur der Metastasenbereiche ausreichen könnte. Medizinisch heißt sie stereotaktische Radiochirurgie (SRS = stereotactic radiosurgery).
Der wichtigste Unterschied zwischen SRS und herkömmlicher äußerer Strahlentherapie besteht darin, dass die berechnete Gesamtdosis in einer oder wenigen Sitzungen (Fraktionen) verabreicht wird.
Hinweis: Es gibt 2 Formen punktgenauer Bestrahlung: stereotaktische Radiochirurgie (stereotactic radiosurgery = SRS) bei Hirntumoren und stereotaktische Körperstrahlentherapie (stereotactic body radiation therapy = SBRT) für Organe außerhalb des Gehirns, etwa Lunge, Knochen oder Leber.
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Indem die für SRS berechnete Gesamtdosis in wenigen Sitzungen verabreicht wird, lassen sich eine hohe zerstörende Wirkung und eine Verminderung der Nebenwirkungen erreichen.
Radiochirurgie bei Hirnmetastasen des kleinzelligen Lungenkrebses
In The Lancet Oncology wurde eine systematische Übersicht und Metaanalyse veröffentlicht. Bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs (KHAK) und Hirnmetastasen war die stereotaktische Radiochirurgie (SRS) als Erstlinienbehandlung gegenüber der Ganzhirnbestrahlung mit einem „ähnlichen Überleben“ verbunden.
Obwohl SRS bei Hirnmetastasen der meisten soliden (Organ-)Tumoren die Ganzhirnbestrahlung (TBR) als Erstlinienbehandlung abgelöst hat, bleibt TBR bei Hirnmetastasen des kleinzelligen Lungenkrebses die Erstlinie. Bei dieser Krebsart können im Gehirn nämlich rasch zahlreiche Metastasen entstehen.
Die Studie sollte die Wirksamkeit von SRS bei kleinzelligem Lungenkrebs im Vergleich zu TBR bewerten.
Einzelheiten der Studie
Die Metaanalyse zum Vergleich von SRS und TBR umfasste sieben Studien. Daten zum Gesamtüberleben nach SRS stammten zusätzlich aus 14 einarmigen Studien.
In sieben Studien mit insgesamt 18.130 Patienten war das Gesamtüberleben nach SRS besser (Hazard Ratio [HR] = 0,85; 95% Konfidenzintervall [CI] = 0,75-0,97).
In sieben weiteren Studien mit insgesamt 16.961 Patienten war das Gesamtüberleben mit SRS besser als mit TBR (HR = 0,77; 95% KI = 0,72-0,83).
In vier Studien mit insgesamt 1.167 Patienten zeigte sich beim Gesamtüberleben kein signifikanter Unterschied zwischen SRS und einer durch SRS ergänzten TBR (HR = 1,17; 95% KI = 0,78–1,75).
Bei gemeinsamer Auswertung aller vergleichenden Studien war die Heterogenität zwischen den Studien hoch.
Die Analyse von 14 einarmigen Studien mit insgesamt 1.682 Patienten zeigte mit SRS ein medianes Gesamtüberleben von 9 Monaten (95% KI = 7,86–10,16 Monate). Die Kontrollraten der Hirnmetastasen betrugen nach 6 beziehungsweise 12 Monaten 81% und 78%.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass SRS bei kleinzelligem Lungenkrebs mit Hirnmetastasen gegenüber TBR ein ähnliches oder sogar besseres Überleben ermöglichen kann. Angesichts des angenommenen raschen Fortschreitens von Hirnmetastasen bei diesen Patienten sollten frühere Vorbehalte gegen SRS daher abnehmen.
Quellen
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