Testosteronmangel: Symptome, Behandlung, Andropause und Prostatakrebs

In diesem Artikel
Testosteron steigt bei Männern ab der Jugend an und erreicht in den 30er-Jahren Höchstwerte. Ab den 40er-Jahren sinkt es mit dem Alter jährlich schrittweise um %1-2. Bis zum Alter von 60 Jahren entwickelt fast jeder 3. Mann, davon 1, einen Mangel; nach dem Alter von 80 Jahren betrifft dies von 2 Männern 1. Die wachsende ältere männliche Bevölkerung Amerikas dürfte im Jahr 2025 von schätzungsweise 40 Millionen auf 60 Millionen steigen, etwa %43 mehr als derzeit. Männlicher Hypogonadismus und Andropause werden daher sowohl in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen als auch gesellschaftlich zunehmend Anlass zur Sorge geben.
Obwohl sich nach dem Alter von 50 Jahren Untersuchungen auf Prostataerkrankungen etablieren, wird dabei meist nicht auf Andropause untersucht. Ein Grund könnte unzureichendes Wissen der Männer darüber sein.
Die auch als männliche Menopause bezeichnete Andropause umfasst den altersbedingten Rückgang des Testosteronspiegels und die dadurch entstehenden Symptome. Medizinisch genauer bezeichnet der Begriff eine unabhängig von anderen Erkrankungen mit zunehmendem Alter auftretende Testosteronabnahme, einen niedrigen Serumspiegel < 8-11 nmol/L oder < 300 ng/dL, und die daraus entstehenden klinischen Beschwerden als Andropause (spät einsetzender Hypogonadismus) , so lautet die Bezeichnung.
Was unterscheidet Hypogonadismus und Andropause?
Der Unterschied ist recht einfach: Andropause ist ein natürlicher Teil des männlichen Lebens. Die Hormone beginnen etwa mit 30 Jahren abzunehmen und sinken bis zu einem Plateau Ende der 60er-Jahre weiter. Hypogonadismus ist dagegen ein Zustand, in dem Testosteron aus verschiedenen Gründen nicht oder vermindert gebildet wird, etwa bei Gesundheitsproblemen der Hoden oder des Gehirns, Stress, schlechter Ernährung oder bestehenden Erkrankungen.
Welche Symptome hat Hypogonadismus bei Männern?
- Vermindertes sexuelles Verlangen,
- Verlust morgendlicher Erektionen und Erektionsstörungen,
- seelische Anspannung,
- Abnahme von Knochendichte und Muskelmasse,
- dagegen Zunahme der Fettmasse, besonders am Bauch,
- nachlassende geistige Aktivität,
- nächtliche Schlaflosigkeit.
Da solche Andropausebeschwerden auch als natürliche Alterungsfolge betrachtet werden, wird die Andropause oft vernachlässigt. Begleiterkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sowie ungünstige Lebensstileinflüsse wie Adipositas, Alkohol, Tabak und psychischer Stress können das Testosteron zusätzlich senken. Alle diese Beschwerden ernst zu nehmen und erforderliche Maßnahmen zu ergreifen, ist deshalb für ein besseres Leben mit höherer Lebensqualität im Alter wichtig.
Neben der Frage nach der klinischen Bedeutung dieser altersbedingten Testosteronabnahme wird heute wegen ihres Zusammenhangs mit anderen Erkrankungen und ungünstigen Lebensgewohnheiten intensiv diskutiert, ob eine unterstützende Testosterontherapie nützt.
Möglicher Nutzen einer Testosterontherapie bei älteren Männern in der Andropause
- Wirkung auf Körperzusammensetzung, Muskelmasse und Muskelkraft
Testosteron reguliert Muskel- und Fettmasse wesentlich. Verschiedene Studien zeigten bei älteren Männern mit steigenden Serumspiegeln mehr fettfreie Masse, besonders am Rumpf, und weniger Fett an Armen und Beinen. Trotz günstigerer Körperform ist die Datenlage zur Muskelkraft jedoch unklar. Bei älteren Männern unter Kortison wegen chronischer Lungenerkrankung verbesserten sich Muskelkraft und körperliche Funktion. Bei gesunden älteren Männern ließ sich dagegen kein positiver Kraftbeitrag durch Testosteron nachweisen. - Wirkung der Testosterontherapie auf den Knochenstoffwechsel
Abnehmende Knochendichte ist nicht nur für ältere Frauen, sondern auch für ältere Männer ein wichtiges Problem. Ausreichend Testosteron schützt Männer im Alter vor Osteoporose. Studien zeigen jedoch keinen allgemeinen Knochendichtegewinn durch Testosterontherapie bei allen gesunden älteren Männern. Der Nutzen war auf eine begrenzte Gruppe beschränkt und ließ sich nur bei niedrigem Testosteron nachweisen. - Wirkung der Testosterontherapie auf die Sexualfunktion
Die männliche Sexualfunktion wird durch psychische, hormonelle, neurologische und vaskuläre Faktoren beeinflusst. Zusätzlich wirken chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sowie unabhängige Faktoren wie Adipositas, bestimmte Medikamente, Stress und Anspannung darauf ein.
Der Testosteronrückgang im höheren Alter beeinträchtigt Sexualfunktion und Verlangen. Studien finden jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Erektionsstörung. Manche Studien zeigten durch Behandlung insbesondere bei niedrigem Testosteron einen kleinen positiven Effekt auf sexuelles Verlangen und Erektion. Bei normalen oder annähernd normalen Spiegeln ist die Wirkung deutlich geringer. - Wirkung der Testosterontherapie auf Stimmung und Lebensqualität
Vermindertes Testosteron könnte schwach mit depressiverer Stimmung, geringerer geistiger Aktivität und Alzheimer-Krankheit zusammenhängen. Die Wirkung einer Testosterontherapie auf depressive Stimmung und Lebensqualität bleibt aber unklar. Ihr positiver Beitrag zur Sexualfunktion könnte sich jedoch günstig auf Stimmung und Lebensqualität auswirken. - Wirkung auf Typ-2-Diabetes und Bestandteile des metabolischen Syndroms
Niedriges Testosteron ist bei Männern mit Typ-2-Diabetes und/oder metabolischem Syndrom mit Adipositas, Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung häufiger. Studien zeigen einen umgekehrten Zusammenhang zwischen Testosteron und Adipositas, Insulinresistenz sowie Cholesterinstörungen. Für die Aussage, dass eine Testosterontherapie diese Zustände verbessert, sind jedoch umfassendere Untersuchungen nötig.

Mögliche Risiken der Testosterontherapie bei älteren Männern in der Andropause
- Prostatavergrößerung und Prostatakrebs
Mögliche negative Prostatawirkungen der Testosterontherapie sorgen bei potenziellen Anwendern verständlicherweise für Sorge. Testosteron ist für die Entwicklung der Prostata notwendig. Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) und beim PSA-Anstieg ist jedoch eher der im Gewebe entstehende Metabolit Dihydrotestosteron (DHT) entscheidend als zugeführtes Testosteron. Dies kann nachweislich durch Kombination mit bestimmten Medikamenten verhindert werden. Ein Internationaler Prostata-Symptom-Score (IPSS) über 19, starke Prostatavergrößerung und Beschwerden der unteren Harnwege gehören zu den Gründen, von einem Therapiebeginn abzuraten.
Prostatakrebs und sein Zusammenhang mit Testosteron wurden in den letzten Jahren wesentlich neu bewertet. Neuere Studien liefern entgegen früheren Annahmen Belege dafür, dass hohe Testosteronspiegel die Krebsentstehung nicht wie vermutet ungünstig beeinflussen. Ebenso überwiegt die Auffassung, dass Testosteronersatz das Prostatakrebsrisiko nicht erhöht.
Die 2012 veröffentlichte REDUCE-Studie mit 8122 Männern fand keinen Zusammenhang von basalem Serumtestosteron und DHT mit Prostatakrebs. Auch eine Metaanalyse von 2351 Männern aus 22 randomisierten kontrollierten Studien fand kein erhöhtes Prostatakrebsrisiko durch Testosteronersatz.
Bei fortgeschrittenem, wiederkehrendem und metastasiertem Prostatakrebs wird Testosteron derzeit jedoch nicht empfohlen, ebenso wenig bei Männern mit Brustkrebs. Eine aktuelle Übersicht zu möglichen Risiken bei Prostatakrebs erläutert, dass Testosteron heute anstelle der früher sehr vorsichtigen Strategie mit größerer Sicherheit empfohlen werden könne. Als sicherste geeignete Gruppe gelten Männer mit einem Gleason-Wert von höchstens 6, nach radikaler Prostatektomie und mit über 1 oder 2 Jahre sehr niedrigem Serum-PSA. - Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Langzeitstudien der letzten Jahre zeigten günstige Cholesterinveränderungen durch Testosteron. Diese positiven Studien reichen jedoch nicht aus, um einen günstigen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen festzustellen. Manche Studien behaupten sogar eine Verschlechterung bei älteren Männern mit eingeschränkter Beweglichkeit. Hier ist Vorsicht erforderlich; weitere Untersuchungen zu Nutzen und Schaden sind nötig. - Wirkung auf die Blutbildung
Sinkendes Testosteron im Alter verursacht bekanntermaßen eine Hämoglobinabnahme um %10-20 und Blutarmut. Eine Testosterontherapie könnte somit auch die Anämie älterer Männer behandeln. Die Hämoglobinzunahme bringt aber eine höhere Blutdichte mit sich, eines der Risiken, die den Einsatz begrenzen. Die klinische Bedeutung ist unklar; bei Herzinsuffizienz und Gefäßerkrankungen ist besondere Vorsicht erforderlich. Deshalb müssen Patienten unter Testosteron ihren Hämatokrit regelmäßig kontrollieren lassen. - Wirkung auf die Leber
Berichtete Lebererkrankungen wurden überwiegend mit oralem Testosteron verbunden. Zu den Nebenwirkungen gehören gutartige und bösartige Lebertumoren, Lebertoxizität und Leberversagen. - Wirkung auf das Schlafapnoesyndrom
Testosterontherapie ist bei Männern mit Schlafapnoesyndrom problematisch.
Worauf bei einer Testosterontherapie zu achten ist
Männer unter Testosteron sollten zur Nebenwirkungsvermeidung regelmäßig überwacht werden. Vor Beginn müssen Gesamttestosteron, PSA, Leberenzyme, Hämoglobin, Hämatokrit und Lipidprofil bestimmt und später in Abständen kontrolliert werden. Ziel ist die niedrigste Dosis, die Beschwerden lindert. Eine Anhebung auf den angestrebten Testosteronwert (250-300 ng/dl) wird als ausreichend angesehen.
Zusammenfassend:
Bei älteren Männern scheint Testosteron günstige Wirkungen auf Körperform, Muskel-Fett-Verhältnis, Knochendichte, Insulinresistenz und Cholesterinprofil zu haben. Die Beiträge zu Muskelkraft, Sexualfunktion und Stimmung bleiben jedoch umstritten.
Trotz vieler positiver Studien zu Herz-Kreislauf- und Prostataproblemen wird bei Langzeitanwendung Vorsicht empfohlen. Über Notwendigkeit und Behandlung muss anhand evidenzbasierter Empfehlungen und einer Nutzen-Schaden-Abwägung möglichst richtig entschieden werden.
Quellen
Testosterone Therapy in Men With Hypogonadism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline.
The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2018.
2. Boyle P, Koechlin A, Bota M, ve ark.
Endogenous and exogenous testosterone and the risk of prostate cancer and increased prostate-specific antigen (PSA) level: a meta-analysis.
BJU Int. 2016
3. Yassin A, Salman M, Talib RA, Yassin DJ.
Is there a protective role of testosterone against high-grade prostate cancer? Incidence and severity of prostate cancer in 553 patients who underwent prostate biopsy: a prospective data register.
Aging Male. 2017
4. Stacy Loeb, ve ark.
Testosterone Replacement Therapy and Risk of Favorable and Aggressive Prostate Cancer.
Journal of Clinical Oncology, 2017.
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