Was sind Pestizide? Sind sie gesundheitsschädlich und bergen sie ein Krebsrisiko?

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Was sind Pestizide?
Pestizid ist ein Oberbegriff für sämtliche Mittel oder Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen. Gemeint sind beispielsweise Insekten, Pilze, Unkräuter, Weichtiere und Würmer, die Nahrungsquellen oder Erzeugnisse des Menschen schädigen oder Krankheiten verbreiten. Ein Pestizid kann eine chemische Substanz, ein biologisches Mittel wie ein Virus oder Bakterium, ein Desinfektionsmittel oder eine andere Anwendung sein.
Welche Arten von Pestiziden gibt es?
Sie werden nach den Schädlingen benannt, gegen die sie wirken.
- Antimikrobielle Mittel: gegen Bakterien und Viren,
- Fungizide: gegen Pilze,
- Herbizide: gegen unerwünschte Pflanzen,
- Insektizide: gegen Insekten und Ungeziefer,
- Molluskizide: gegen Weichtiere,
- Akarizide: gegen Milben und
- Rodentizide: gegen Nagetiere gerichtete Pestizide.
Pestizide werden nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern auch in Wohnungen und Gebäuden als Insektenvernichtungsmittel beziehungsweise zur Schädlingsbekämpfung. Die Vorstellung, man sei Pestiziden ausschließlich durch landwirtschaftliche Pflanzenschutzmittel ausgesetzt, ist daher falsch.
Der Nutzen von Pestiziden ist unbestritten, doch ihre möglichen Schäden für Menschen und Tiere dürfen ebenfalls nicht übersehen werden.
Werden die Schäden durch Pestizide übertrieben? Woher kommt ihr schlechter Ruf?
Arsen und Schwefel gehörten zu den ersten als Pestizide eingesetzten Stoffen. Später kamen pflanzliche Substanzen wie das aus Chrysanthemen gewonnene Pyrethrum hinzu. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden quecksilber- und bleihaltige Pestizide eingeführt. Im Jahr 1939 beschrieb der Schweizer Chemiker Paul Mueller das berühmteste Pestizid überhaupt, DDT. Dichlordiphenyltrichlorethan kam 1942 auf den Markt und verbreitete sich rasch. Während des 2. Weltkriegs wurde bei Forschungen zu Nervengasen das Organophosphor-Insektizid Parathion entdeckt und 1943 vermarktet... Wie man sieht, waren einige früher als Pestizide eingesetzte Stoffe, etwa Arsen, Quecksilber, Blei und DDT, giftig; später wurde ihre krebserregende Wirkung erkannt. Deshalb haben Pestizide einen ausgesprochen schlechten Ruf. Viele früher verwendete Pestizide sind heute verboten.
Eine weitere bemerkenswerte Information über Pestizide ist, dass sie bei Erwachsenen zu den häufigsten Mitteln bei Suizid- versuchen gehören. Eine 1994 in England durchgeführte Studie stellte fest, dass %73 der pestizidbedingten Todesfälle auf Suizidversuche durch das Trinken von Pestiziden zurückgingen. Nach Daten türkischer Giftforschungs- und Beratungszentren stehen Pestizidvergiftungen (%7-10) nach Vergiftungen mit Humanarzneimitteln (%65-70) an zweiter Stelle.
Welche Pestizide werden heute häufig eingesetzt?
Die in der Landwirtschaft am häufigsten eingesetzten Organophosphat-Insektizide sind Chlorpyrifos und Acephat. Im Haus und Garten werden dagegen am häufigsten Carbaryl, Acephat und Pyrethroide verwendet.
Weltweit sind zahlreiche Herbizide zugelassen; die 5 in der Landwirtschaft am häufigsten eingesetzten sind:
- Glyphosat,
- Atrazin,
- Metolachlor-S,
- 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D) und
- das Begasungsmittel Dichlorpropen.
Birgt der Einsatz von Pestiziden ein Krebsrisiko?
Um Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher Schäden durch Pestizidexposition und einen möglichen Zusammenhang zwischen Krebs und beruflicher beziehungsweise häuslicher Anwendung zu untersuchen, wurden bevölkerungsbezogene epidemiologische Studien durchgeführt.
Bevölkerungsbezogene Beobachtungsdaten zu den weltweit sehr breit zur Schädlingsbekämpfung eingesetzten Pestiziden legen nahe, dass unterschiedliche Pestizidarten mit bestimmten Krebsarten bei Kindern und Erwachsenen zusammenhängen. Insbesondere eine Exposition über das Wohnumfeld, also Wohnungen, Gebäude und Wohnanlagen, während der Schwangerschaft ist mit Krebserkrankungen im Kindesalter verbunden. Ob Pestizide im Wohnbereich auch Krebs bei Erwachsenen verursachen, ist dagegen unklar.
- Verwandtes Thema: In Wohnungen eingesetzte Insektenvernichtungsmittel bergen für Kinder ein Krebsrisiko
Obwohl der Pestizideinsatz für Beschäftigte in der Landwirtschaft offenbar ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringt, hängt dies von Pestizidart, Expositionsdauer, Dosis und der jeweiligen Krebsart ab. Untersuchungen zum Krebsrisiko in landwirtschaftlichen Gebieten mit hohem Pestizideinsatz liefern uneinheitliche Ergebnisse. Manche zeigen einen Zusammenhang in Regionen mit hohem Verbrauch, andere finden keinen.
Das häufig als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzte Pestizid Glyphosat (bekannter Handelsname Roundup) wurde 2017 von der Weltgesundheitsorganisation in die Liste der potenziell krebserregenden Stoffe aufgenommen.
Zusammenfassung
Die Landwirtschaft ist nicht die einzige Quelle einer Pestizidexposition. Auch im Wohnbereich sind wir auf vielerlei Weise Pestiziden und anderen Chemikalien, beispielsweise Fleckenentfernern, ausgesetzt. Der Zusammenhang zwischen landwirtschaftlichem Pestizideinsatz und Krebs ist nicht eindeutig. Dennoch werden insbesondere Beschäftigten in der Landwirtschaft und ihren Familien strenge Maßnahmen empfohlen, um die Exposition zu minimieren. Als Verbraucher sollten wir Lebensmittel vor dem Verzehr gründlich waschen. Dies gilt auch für Biolebensmittel .
- Verwandtes Thema: Wann verursacht eine krebserregende Substanz Krebs?
Quellen
WHO IARC website
2. Mei Chen, PhD, MS, Chi-Hsuan Chang, MSc, Lin Tao, PhD.
Residential Exposure to Pesticide During Childhood and Childhood Cancers: A Meta-Analysis.
Pediatrics. 2015 Sep 14
3. California to list herbicide as cancer-causing.
reuters.com
4. Why we use pesticides.
United States Environmental Protection Agency website. epa.gov
Updated June 2017. Accessed November 15, 2017.
5. Omidakhsh N, Ganguly A, Bunin GR ve rk.
Residential pesticide exposures in pregnancy and the risk of sporadic retinoblastoma: a report from the Children's Oncology Group.
Am J Opthalmol. 2017
6. Türkiye'de Pestisit Zehirlenmeleri
Cengiz Gökbulut
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