Wer profitiert bei Brustkrebs von einer Unterdrückung der Eierstockfunktion? Ergebnisse nach 12 Jahren

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Die meisten Brustkrebsarten weisen in ihren Zellen zahlreiche Östrogen- und/oder Progesteronrezeptoren auf. Sie werden als hormonrezeptorpositiver Brustkrebs bezeichnet. Bei diesen Erkrankungen können hormonunterdrückende Behandlungen das Wachstum der Krebszellen verlangsamen oder stoppen, indem sie die Produktion von Östrogen und Progesteron verringern oder unterbinden. Häufig werden dafür Tabletten wie Tamoxifen, Arimidex oder Aromasin eingesetzt. Neben diesen Medikamenten lässt sich die Wirkung weiblicher Hormone auch durch Unterdrückung der Ovarialfunktion, also der Funktion der Eierstöcke, hemmen. Deshalb gehört die Unterdrückung der Eierstockfunktion zu den etablierten Brustkrebsbehandlungen.
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Die Eierstockfunktion kann auf verschiedene Weise unterdrückt werden: durch operative Entfernung beider Eierstöcke, eine bilaterale Oophorektomie, durch eine Strahlentherapie der Eierstöcke oder durch unterdrückende intramuskuläre Injektionen monatlich beziehungsweise alle 3 Monate.
Bei Brustkrebs werden Behandlungen zur Unterdrückung der Eierstockfunktion zusätzlich zur üblichen Hormontherapie eingesetzt, insbesondere bei Frauen vor der Menopause. Sie werden vor allem bei Patientinnen mit klinisch-pathologischen Merkmalen bevorzugt, die ein hohes Rückfallrisiko anzeigen.
Dauer der Hormontherapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs
Adjuvante Therapie , also postoperative vorbeugende Hormontherapie dauert mindestens 5 Jahre; meist wird diese Dauer gewählt. Bei einigen Patientinnen mit Hochrisikomerkmalen kann sie jedoch auf bis zu 1o Jahre verlängert werden. Dies kann nützlich sein, denn bei Frauen mit Brustkrebs hält das Risiko eines Fernrezidivs nach den ersten 5 Jahren nachweislich noch über 20 Jahre an. Der Nutzen einer verlängerten Hormontherapie kann jedoch bei manchen Patientinnen geringer sein; bei anderen können die Risiken überwiegen. Deshalb treffen Onkologen die Entscheidung individuell nach Abwägung von Nutzen und Risiken. Frauen mit lymphknotenpositivem Brustkrebs wird eine adjuvante Hormontherapie über insgesamt bis zu 10 Jahre empfohlen.
Ob die Standardbehandlung um eine Unterdrückung der Eierstockfunktion ergänzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Alter, Menopausenstatus, Brustkrebsrisiko und weitere gesundheitliche Umstände. Sie wird jedoch nicht jeder prämenopausalen Frau mit frühem Brustkrebs nach der Operation empfohlen. Es ist wichtig, die Patientinnen auszuwählen, die davon profitieren. Welche Brustkrebspatientinnen einen Nutzen haben, bleibt somit eine wichtige onkologische Frage.
Eine Studie mit 12 Jahren Nachbeobachtung
Die Ergebnisse nach 12 Jahren der zur Beantwortung dieser Frage konzipierten SOFT-Studie wurden am 9. Dezember 2022 im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.
SOFT untersucht die Ergänzung einer Hormontherapie durch Medikamente zur Minderung der Eierstockfunktion bei prämenopausalen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs. Die 3.047 Patientinnen wurden zufällig drei Gruppen zugeteilt: Tamoxifen plus ovarielle Funktionsminderung (1.015), Exemestan plus ovarielle Funktionsminderung (1.014) oder Tamoxifen allein (1.018).
Die ovarielle Funktionsminderung erfolgte durch intramuskuläre Triptorelin-Injektionen, operative Entfernung der Eierstöcke oder deren Zerstörung durch Strahlentherapie.
Insgesamt hatten 85% der Patientinnen hormonrezeptorpositiven, HER2-negativen Brustkrebs.
Die primäre Analyse verglich Tamoxifen plus ovarielle Funktionsminderung mit Tamoxifen allein. Der Vergleich von Exemestan plus ovarieller Funktionsminderung mit Tamoxifen wurde als sekundäres Ziel festgelegt.
Nach 5 Jahren zeigte die Ergänzung von Tamoxifen um eine ovarielle Funktionsminderung keinen positiven Effekt. Nach 8 Jahren fand sich in der Gruppe mit Tamoxifen und ovarieller Funktionsminderung ein signifikanter Unterschied beim krankheitsfreien Überleben und bei der Gesamtüberlebenszeit. Die vorliegende Analyse zeigt Ergebnisse bei einer mittleren Nachbeobachtung von 12 Jahren.
Ergebnisse
Das krankheitsfreie Überleben nach 12 Jahren betrug:
- 76,1% mit Tamoxifen und Unterdrückung der Eierstockfunktion,
- 79,0% mit Exemestan und Unterdrückung der Eierstockfunktion und
- 71,9% mit Tamoxifen allein.
Das Gesamtüberleben nach 12 Jahren betrug:
- 89,0% mit Tamoxifen und Unterdrückung der Eierstockfunktion,
- 89,4% mit Exemestan und Unterdrückung der Eierstockfunktion und
- 86,8% mit Tamoxifen.
Die Ergänzung der Hormontherapie um eine Unterdrückung der Eierstockfunktion brachte nach 12 Jahren absolute Vorteile beim Gesamtüberleben für Patientinnengruppen mit klinisch-pathologischen Hochrisikomerkmalen.
Mit einem hohen Risiko waren folgende Merkmale verbunden:
- Vorherige neoadjuvante Chemotherapie,
- Alter von 35 Jahren oder jünger sowie
- Untergruppen mit klinisch-pathologischen Hochrisikomerkmalen wie Grad 3.
Zusammenfassend scheint die Ergänzung der postoperativen vorbeugenden Hormontherapie um eine Unterdrückung der Eierstockfunktion einen bedeutsamen Nutzen zu bringen. Dies gilt besonders für junge Patientinnen mit klinisch-pathologischen Hochrisikomerkmalen und einer neoadjuvanten Behandlung aufgrund einer bei Diagnose lokal fortgeschrittenen Erkrankung.
Quellen
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