Behandlung von Weichteilsarkomen mit dem zielgerichteten Medikament Anlotinib

In diesem Artikel
Weichteilsarkome entstehen aus dem als Mesenchym bezeichneten Stützgewebe und bilden eine Gruppe seltener Tumoren mit zahlreichen Unterformen. Sie betreffen Menschen jeden Alters; die Häufigkeit der Unterformen verändert sich jedoch zwischen Kindheit und Erwachsenenalter erheblich.
Die Hauptbehandlung von Sarkomen ist die Operation, ergänzt gegebenenfalls durch Chemotherapie und/oder Strahlentherapie. Für diese seltenen Weichteilkrebserkrankungen gibt es nur wenige zugelassene Behandlungsmöglichkeiten. Manche Untergruppen sprechen kaum oder gar nicht auf Chemotherapie an, andere besser; auch die Ansprechraten auf Strahlentherapie schwanken entsprechend. Molekular zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien, die in den letzten zwanzig Jahren die Behandlung vieler Krebsarten verändert haben, zeigten bei Sarkomen bislang ebenfalls nur begrenzte Wirksamkeit. So besitzen lediglich 2 zielgerichtete Medikamente [Olaratumab (Lartuvo) und Pazopanib (Votrient)] bei Sarkomen eine FDA -Zulassung, während noch keine Immuntherapiezur Sarkombehandlung zugelassen wurde.
Die folgende Abbildung zeigt einige Unterformen von Weichteilsarkomen.

Ein vielversprechender neuer molekular zielgerichteter Tyrosinkinasehemmer zur Sarkombehandlung: Anlotinib
Die Wirksamkeit als Einzelmedikament von Anlotinibwurde in der Studie ALTER0203 untersucht, einer klinischen Phase-2B-Studie . Ihre Ergebnisse wurden auf dem ESMO-Kongress 2018als Poster vorgestellt. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, also die Zeit der Krankheitskontrolle durch die Behandlung. Zudem wurde die Wirksamkeit von Anlotinib bei fortgeschrittenem Weichteilsarkom im Zusammenhang mit Alter, Zahl vorheriger Therapielinien und Dosisreduktionen untersucht.
Studienergebnisse
- In ALTER0203 erhielten insgesamt 158 Patienten Anlotinib. Davon waren 20 Patienten mit alveolärem Weichteilsarkom oder klarzelligem Sarkom zuvor unbehandelt; 84 hatten vorher 1 Chemotherapielinie erhalten, 54 mindestens 2 Therapielinien.
- Das mediane (mittlere) progressionsfreie Überleben war bei zuvor unbehandelten oder nach 1 Therapielinie behandelten Patienten gegenüber Patienten nach mindestens 2 Therapielinien ähnlich (6.7 gegenüber 6.3 Monate).
- Auch beim Vergleich von unter 65-Jährigen mit Patienten ab 65 Jahren war das mediane progressionsfreie Überleben unter Anlotinib ähnlich (6.3 beziehungsweise 5.9 Monate).
- Zwischen Patienten mit mindestens 1 Dosisreduktion während der Behandlung und Patienten ohne Dosisreduktion bestand ein deutlicher Unterschied im medianen progressionsfreien Überleben: 10.4 Monate mit gegenüber 5.7 Monaten ohne Dosisreduktion. Bei Krebsmedikamenten wird die Dosis beim Auftreten von Nebenwirkungen reduziert. Bei Anlotinib scheint das Auftreten von Nebenwirkungen zugleich ein Hinweis auf die krebshemmende Wirkung zu sein.
Zusammenfassend zeigten Patienten mit mindestens 1 erforderlichen Dosisreduktion längeres Überleben. Anlotinib war zudem unabhängig von Zahl der vorherigen Therapielinien und Patientenalter wirksam. Es erscheint daher als zielgerichtetes Medikament mit hoher Aussicht auf eine künftige Zulassung bei Weichteilsarkomen. Die Ergebnisse klinischer Phase-3-Studien werden entscheiden, ob dieses kleine krebshemmende Molekül aus der Klasse der Tyrosinkinasehemmer in die Sarkombehandlung aufgenommen wird.
Wie wirkt Anlotinib?
Die folgende Abbildung zeigt, über welche intrazellulären Tyrosinkinase- Rezeptoren das kleine Molekül Anlotinib Zellwachstum und Zellvermehrung hemmt.

Quellen
Efficacy of anlotinib in advanced soft tissue sarcoma by prior lines of therapy, age and dose modification.
ESMO 2018 Congress, Clinical trial identification NCT02449343
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.