Ein neues zielgerichtetes Medikament bei therapieresistentem Darmkrebs im Stadium 4: Fruquintinib

Nach den auf dem ESMO-Kongress 2022 vorgestellten Ergebnissen einer klinischen Phase-3-Studie verbessert bei Patienten mit therapieresistentem metastasiertem kolorektalem Krebs die Ergänzung der bestmöglichen unterstützenden Versorgung um Fruquintinib , ein oral einzunehmendes Medikament, die Überlebensergebnisse.
Fruquintinib verbesserte in der klinischen Studie FRESCO-2 sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben.
Dr. Nageshwara Arvind Dasari vom MD Anderson Cancer Center der Universität von Texas in Houston, der die Studie vorstellte, erklärte: „Diese Ergebnisse stimmen mit der früheren FRESCO-Studie überein und stützen eine neue, weltweit einsetzbare orale Therapieoption, die die Praxis bei metastasiertem kolorektalem Krebs möglicherweise verändern kann und das Behandlungskontinuum für diese Patienten erweitert“.
Bei der Diagnose ist etwa ein Drittel der Kolon- und Rektumkarzinome bereits metastasiert, also im Stadium 4. Der heutige Standard bei nicht operablem metastasiertem Kolon- und Rektumkrebs besteht darin, alle Tumoren mithilfe fortgeschrittener molekularpathologischer oder genetischer Untersuchungen auf die Eignung für zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien zu prüfen und geeignete kombinierte Chemotherapieschemata einzusetzen. FRESCO-2 schloss Patienten mit therapierefraktärem metastasiertem kolorektalem Krebs ein, die bereits eine Chemotherapie auf Basis von Fluoropyrimidin, Oxaliplatin und Irinotecan sowie eine Anti-VEGF- und eine Anti-EGFR-Therapie erhalten hatten.
Die Patienten wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: Placebo plus bestmögliche unterstützende Versorgung (230 Patienten) oder Fruquintinib plus bestmögliche unterstützende Versorgung (461 Patienten). Fruquintinib wurde täglich mit 5 mg gegeben, jeweils 3 Wochen lang mit anschließender Pause von 1 Woche. Die Behandlung erfolgte bis zur Krankheitsprogression oder bis zu inakzeptablen Nebenwirkungen.

- Das mediane Alter lag zu Beginn in beiden Armen bei 64 Jahren (Gesamtspanne: 25-86). Die meisten Patienten waren Männer: 53,1% im Fruquintinib- und 60,9% im Placeboarm. Beide Gruppen hatten zuvor wegen der metastasierten Erkrankung im Median 5 Therapielinien erhalten (Spanne: 2-16 im Fruquintinib- und 2-12 im Placeboarm).
- Die mediane Nachbeobachtung betrug 11,3 Monate im Fruquintinib- und 11,2 Monate im Placeboarm.
- Das mediane Gesamtüberleben betrug im Fruquintinibarm 7,4 Monate und im Placeboarm 4,8 Monate (Hazard Ratio [HR] 0,662; 95%-KI 0,549-0,800; P <0,001). Das entspricht einer Verringerung des Sterberisikos um 34%.
- Das mediane progressionsfreie Überleben betrug entsprechend 3,7 Monate und 1,8 Monate (HR 0,321; 95%-KI 0,267-0,386; P <0,001).
- In den Subgruppenanalysen fiel das progressionsfreie Überleben in allen Gruppen zugunsten von Fruquintinib aus, das Gesamtüberleben in nahezu allen Gruppen. Eine Ausnahme beim Gesamtüberleben bildeten Patienten der Kategorie „andere“ Bevölkerungszugehörigkeit, im Gegensatz zu asiatischen, afroamerikanischen oder kaukasischen Patienten.
- Die bestätigte Gesamtansprechrate betrug 1,5% im Fruquintinib- und 0% im Placeboarm ( P =0,059). Die Krankheitskontrollrate betrug entsprechend 55,5% und 16,1% ( P <0,001).
- Während der Behandlung auftretende Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher betrafen 62,7% der Patienten im Fruquintinib- und 50,4% im Placeboarm.
- Die häufigsten während der Behandlung auftretenden Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher waren im Fruquintinibarm Bluthochdruck (13,6%), Asthenie beziehungsweise Schwäche (7,7%) und Hand-Fuß-Syndrom (6,4%). Zum indirekten Vergleich: Unter Regorafenib beträgt die Rate von Müdigkeit vom Grad 3 oder höher 15%.
- Die Rate behandlungsbedingter Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher betrug 36% im Fruquintinib- und 11,3% im Placeboarm. Im Fruquintinibarm führten Nebenwirkungen bei 54,2% zu einer Behandlungsunterbrechung, bei 24,1% zu einer Dosisreduktion, bei 20,4% zum Absetzen und bei 10,5% zum Tod.
Auf Grundlage der ersten FRESCO-Studie, deren Ergebnisse 2018 in JAMA veröffentlicht wurden, war Fruquintinib in China bereits ab der dritten Therapielinie bei metastasiertem kolorektalem Krebs zugelassen. Eine Zulassung durch die US-amerikanische FDA wird in Kürze erwartet. Eine wichtige Frage lautet nun: Lässt sich Ffruquintinib mit anderen zugelassenen Wirkstoffen wie Trifluridin-Tipiracil (Lonsurf), der Standardbehandlung für Patienten in dieser Situation, kombinieren, um die Wirksamkeit weiter zu verbessern, ohne die Nebenwirkungen zu verstärken?
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.