Immuntherapien bei Leberkrebs sicherer als Tyrosinkinasehemmer

Eine neue Untersuchung deutet darauf hin, dass bei fortgeschrittenem hepatozellulärem Karzinom (Leberkrebs) als neoadjuvante, also vor der Hauptbehandlung tumorverkleinernde Therapie Immuntherapien gegenüber den bei Leberkrebs zur Standardbehandlung gehörenden Tyrosinkinasehemmern „besser geeignet“ sein könnten.
JAMA Network Open veröffentlichte eine Metaanalyse, nach der Immuntherapien aus der Gruppe der Immuncheckpoint-Hemmer als neoadjuvante Behandlung bei fortgeschrittenem hepatozellulärem Karzinom (HCC) sicherer sein könnten als Tyrosinkinasehemmer (TKI), die als zielgerichtete Krebsmedikamente bekannt sind.
Die Forschenden fanden unter Immuntherapien niedrigere Raten schwerer Nebenwirkungen als unter TKI. Die Lebertoxizitätsraten waren zwischen den 2 Behandlungsarten jedoch ähnlich.
Die Metaanalyse sollte die vorhandene Evidenz zu Nebenwirkungsprofilen von Therapien bei fortgeschrittenem Leberkrebs bewerten, insbesondere mit Blick auf die Planung neoadjuvanter klinischer Studien.
Die Analyse umfasste Daten aus 30 einarmigen, placebokontrollierten und Zweifachtherapie-Studien der Phasen 2 und 3. Insgesamt waren 12.921 Personen mit fortgeschrittenem Leberkrebs eingeschlossen.
Schwere Nebenwirkungen traten laut den Forschenden bei 46% unter TKI, 24% unter Immuntherapie und 36% unter der Kombination aus Immuntherapie und TKI auf.
Wie werden Nebenwirkungen einer Behandlung eingestuft?
- Grad 0: Toxizität (Nebenwirkung) liegt nicht vor
- Grad 1: Leichte Nebenwirkung
- Grad 2: Mäßige Nebenwirkung, medizinische Maßnahmen erforderlich
- Grad 3: Schwere Nebenwirkung, Krankenhausaufnahme erforderlich
- Grad 4: Lebensbedrohliche Nebenwirkung
- Grad 5: Tod
Leberbezogene Nebenwirkungen wurden bei 21% unter TKI und 28% unter Immuntherapie beobachtet.
Die Forschenden verglichen außerdem Sorafenib, den bei Leberkrebs am häufigsten verwendeten TKI, mit anderen TKI. Das Risiko leberbezogener Nebenwirkungen war zwischen den Gruppen ähnlich (Risikoverhältnis [RR] 1,06; 95%-KI 0,92-1,24).
Beim Vergleich von Immuntherapien mit Sorafenib zeigte sich ebenfalls ein ähnliches Risiko für leberbezogene und andere Nebenwirkungen.
Zusammenfassend hatten Immuntherapien bei fortgeschrittenem Leberkrebs in dieser Untersuchung ein günstigeres Nebenwirkungsprofil als TKI. Sie könnten deshalb als neoadjuvante Behandlung besser geeignet sein.
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