Zielgerichtetes Trastuzumab bei serösem Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs)

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Endometriumkarzinom (Gebärmutterkrebs) ist in der Türkei und in entwickelten Ländern der häufigste gynäkologische Krebs. Weltweit werden jährlich bei 100 Tausend Frauen 8 Neuerkrankungen diagnostiziert, in unserem Land sind es je 100 Tausend Frauen 6 Fälle. In entwickelten Ländern steigt die Häufigkeit auf jährlich 100 Tausend mit bis zu 25 neuen Fällen. In unserem Land erkranken jährlich ungefähr 2000 Frauen, etwa 500 sterben daran. Das Erkrankungsrisiko bis zum Alter von 75 Jahren wird auf % 1.7 geschätzt. Das mediane Erkrankungsalter beträgt 60 Jahre.
Das Endometrium ist die innerste Schicht der Gebärmutter. Da die meisten Gebärmutterkarzinome dort entstehen, ist mit Gebärmutterkrebs, sofern nicht anders angegeben, Endometriumkrebs gemeint.
- Verwandtes Thema: Krankheitsstadien und Behandlung von Gebärmutterkrebs (ausführlich)
Endometriumkarzinome werden in zwei Hauptgruppen eingeteilt:
- % 80-90 sind Endometriumkarzinome vom Typ 1
- Weniger als %20 sind Endometriumkarzinome vom Typ 2. Dieser seltene Typ 2 hat wiederum zwei Unterformen: seröse papilläre Karzinome und klarzellige Karzinome.
Die seltenen serös-papillären und klarzelligen Endometriumkarzinome sind aggressivere Unterformen, die eher bei älteren Patientinnen auftreten. Mehr als %50 der endometriumkrebsbedingten Todesfälle gehen auf diese beiden Unterformen beziehungsweise Typ-2-Tumoren zurück.
Das häufige Endometriumkarzinom vom Typ 1 entsteht durch lang anhaltende Östrogenexposition. Es wird gewöhnlich früher erkannt, verläuft günstiger und steht mit Adipositas in Zusammenhang.
- Verwandtes Thema: Wie erhöht Adipositas das Risiko für Gebärmutterkrebs? (ausführlich)
Serös-papilläre und klarzellige Endometriumkarzinome entstehen vermutlich unabhängig von Östrogen. Ihr Zusammenhang mit Mutationen im Tumorsuppressorgen p53 und im Gen HER2 ist bekannt.
Die derzeitige Standardbehandlung des serösen Endometriumkarzinoms ist Chemotherapie. Bei etwa %30 dieser Karzinome findet sich eine Übervermehrung des am Zellwachstum und an der Zellvermehrung beteiligten HER2-Rezeptorsan der Zelloberfläche. Daher werden Medikamente, die diesen Rezeptorhemmen, zur Behandlung seröser Endometriumkarzinome geprüft. In eine entsprechende klinische Phase-2-Studiewurden Patientinnen im Stadium 3 oder 4 oder mit einem Rezidiv eingeschlossen: HER2-positive seröse Endometriumkarzinome bei 61 Patientinnen.
Die Patientinnen wurden zufällig zwei Armen zugeteilt. Eine Gruppe erhielt Standardchemotherapie (Carboplatin+Paclitaxel), die andere Chemotherapie plus das zielgerichtete Anti-HER2-Medikament Trastuzumab. Trastuzumab (ursprünglicher Handelsname Herceptin) ist ein monoklonaler Antikörper, der an den HER2-Rezeptor bindet und dessen Weiterleitung von Wachstums- und Vermehrungssignalen ins Zellinnere verhindert.
Am Studienende zeigte sich:
- In der Gruppe mit zusätzlichem Anti-HER2-Medikament war das mediane progressionsfreie Überleben, also die Dauer der Krankheitskontrolle unter Behandlung, deutlich länger (12.6 gegenüber 8 Monaten).
- Bei erstmals behandelten Patientinnen im Stadium 3 oder 4 war der Vorteil beim progressionsfreien Überleben noch ausgeprägter: 17.9 gegenüber 9.3 Monaten.
- Zudem erhöhte die Ergänzung der Chemotherapie um Trastuzumab die Nebenwirkungen nicht.
Diese Studienergebnisse legen nahe, Patientinnen mit serösem Endometriumkarzinom wie heute alle Brustkrebspatientinnen auf HER2-Positivität zu untersuchen. So könnte es bei dieser aggressiven und seltenen Krebsart mit begrenzten Behandlungsoptionen eine neue Therapie geben, die die Ergebnisse für Patientinnen verbessert.
Quellen
Randomized Phase II Trial of Carboplatin-Paclitaxel Versus Carboplatin-Paclitaxel-Trastuzumab in Uterine Serous Carcinomas That Overexpress Human Epidermal Growth Factor Receptor 2/neu.
J Clin Oncol. March 2018
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