Aktueller Stand zu Vitamin-D- und Omega-3-Präparaten!

Nahrungsergänzungsmittel in Form von Vitaminen und Mineralstoffen sind weltweit, besonders in westlichen Ländern, verbreitet. Beispielsweise verwendet mehr als die Hälfte der erwachsenen US-Amerikaner solche Supplementprodukte. Zu den beliebtesten Präparaten der letzten Jahre, denen gesundheitlicher Nutzen zugeschrieben wird, gehören Fischöl und Vitamin D. An ihrem langfristigen Nutzen bestanden jedoch erhebliche Zweifel. Die bislang am besten konzipierte und umfassendste Untersuchung hierzu, deren Ergebnisse im Januar 2019 in der wissenschaftlichen Zeitschrift NEJM veröffentlicht wurden, war die VITAL- Studie.
In der randomisierten, doppelblinden, placebo- kontrollierten VITAL-Studie erhielten Teilnehmer täglich 2000 IU Vitamin D3 und täglich 1 Gramm Omega-3-Fettsäuren, um deren Wirkung zur Vorbeugung von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungenzu prüfen.
Studienleiter Manson und Kollegen gelangten zu folgendem Ergebnis: Fischöl- und Vitamin-D-Präparate senken das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht!
Einige bisherige Beobachtungsstudien legen nahe, dass Fischverzehr vor kardiovaskulären (Herz-Kreislauf-)Erkrankungen schützt. Bis zu einer italienischen Studie (GISSI) Ende der 1990er-Jahre gab es jedoch keinen Beleg dafür, dass Omega-3-Fettsäuren das Herz-Kreislauf-Risiko senken. Auf Grundlage allein dieser klinischen Studie und präklinischer Ergebnisse empfahl die American Heart Association (AHA) Omega-3-Fettsäuren zur Sekundärprävention von Herzerkrankungen. Da größere randomisierte klinische Studien diese Risikosenkung später nicht bestätigten, wurde die AHA-Empfehlung geändert. Allerdings blieb aufgrund einer einzelnen Metaanalyse, die eine Senkung des Sterberisikos nach Herzinfarkt nahelegte, die AHA-Auffassung bestehen, dass Omega-3-Fettsäuren verwendet werden könnten, nicht dass sie verwendet werden müssten. VITAL beendete diese Verwirrung und zeigte bei einer nicht ausgewählten Patientengruppe keinen Schutz durch Omega-3-Fettsäuren vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall und herzkrankheitsbedingter Tod). Diese Ergebnisse stimmen mit ASCEND überein, einer früheren Studie, in der Omega-3-Präparate bei Diabetes keinen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigten.
Im Gegensatz zu den Ergebnissen für Omega-3-Fettsäuren gibt es zahlreiche Beobachtungsdaten, die niedrige Vitamin-D-Spiegel mit hohem Krebsrisiko verbinden. Solche Untersuchungen unterstrichen den Bedarf an randomisierten kontrollierten Studien.
VITAL ist allerdings nicht die erste randomisierte Studie dazu, ob Vitamin-D-Ergänzung Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs verhindern kann.
VIDA war eine 3-jährige randomisierte placebokontrollierte Studie aus Neuseeland mit 5110 Personen. Sie erhielten monatlich hoch dosiertes Vitamin D (100 Tausend IU). Die Ergänzung hatte keinen Einfluss auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.
Trotz dieser negativen Studien bestanden aus bestimmten Gründen weiterhin Hoffnungen auf eine krebspräventive Wirkung von Vitamin-D-Präparaten. Erstens hemmt aktives Vitamin D im Labor das Wachstum von Krebszellen. Zweitens profitierten in einer neueren Metaanalyse Menschen mit bestehender Krebsdiagnose hinsichtlich ihres krebsbedingten Sterberisikos von Vitamin D. Eine einzelne randomisierte placebokontrollierte klinische Studie enthält Hinweise auf krebshemmende Wirkungen. Dort erhielten Frauen täglich 2000 IU Vitamin D und 1500 mg Kalzium oder Placebo; beteiligt waren 2303 Frauen nach der Menopause. Obwohl eine Verringerung des Krebsrisikos um %30 errechnet wurde, umfasste das Konfidenzintervall 1, und das Ergebnis war statistisch nicht signifikant.
In VITAL wurden mit einer medianen Nachbeobachtung von 5.3 Jahren ungefähr 26 Tausend Frauen und Männer aufgenommen. Die Einnahmetreue für Präparate beziehungsweise Placebo war mit etwa %80 hoch. Bemerkenswert ist, dass zu Studienbeginn von jeweils 13 Teilnehmern 1 einen Serum-Vitamin-D-Spiegel (25-Hydroxyvitamin D3) unter 20 ng/ml hatte. Selbst in dieser Gruppe zeigte Vitamin-D-Ergänzung jedoch keinen Krebsschutz.
Die primären Endpunkte der VITAL-Studie waren die Wirkungen von Omega-3-Fettsäure- und Vitamin-D-Präparaten auf das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebsentstehung. Die Ergebnisse für diese Hauptendpunkte waren durchweg negativ.
Bei sekundären Endpunkten gibt es allerdings einige bemerkenswerte Ergebnisse:
Todesfälle durch Myokardinfarkt (Herzinfarkt) waren bei Einnahme von Omega-3-Fettsäuren seltener als unter Placebo. Bei genauer Betrachtung fällt außerdem die geringere krebsbedingte Sterblichkeit unter Vitamin-D-Präparaten gegenüber Placebo auf. Diese „positiven“ Ergebnisse müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden. Erstens wurden unter anderem wegen der vielen sekundären Endpunkte keine Korrekturen für die Genauigkeit multipler Vergleiche vorgenommen. Zweitens stimmen diese vermuteten Wirkungen nicht mit anderen großen randomisierten Studien zu Omega-3-Fettsäuren überein. Eine weiterführende Analyse einer Vitamin-D-Studie zeigte jedoch eine niedrigere Krebshäufigkeit bei Frauen mit Ergänzung (ausgenommen Frauen, die wegen einer Krebserkrankung im ersten Studienjahr ausschieden).
Abschließendenthält die medizinische Literatur zahlreiche Beispiele dafür, dass sekundäre Endpunkte häufig scheitern, wenn sie als primärer Endpunkt untersucht werden. Ohne zusätzliche überzeugende Daten ist deshalb die Schlussfolgerung vernünftig, dass eine Nahrungsergänzungsstrategie mit Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin D nicht zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs empfohlen werden kann.
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Quellen
VITAL Signs for Dietary Supplementation to Prevent Cancer and Heart Disease.
NEJM, Editorial, 3 January 2019
2. JoAnn E. Manson M.D., Dr.P.H ve ark.
Marine n−3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer.
NEJM, Original Article, 3 January 2019
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