Akupunktur bei chemotherapiebedingten Nervenschäden an Händen und Füßen (Neuropathie)

In diesem Artikel
Immer mehr Studien zeigen evidenzbasierten Nutzen der bei Krebspatienten verbreiteten ergänzenden Akupunktur zur Nebenwirkungskontrolle. Manche Chemotherapien schädigen als Nebenwirkung die Nervenhüllen an Händen und Füßen und verursachen eine periphere Neuropathie . Wir möchten die vorhandenen Daten zur Akupunkturbehandlung dieser chemotherapiebedingten Neuropathie vorstellen.
Platinpräparate, Taxane, Vinca-Alkaloide, Bortezomib und Thalidomid gehören zu den Chemotherapeutika, die periphere Neuropathie verursachen können. Symptome und Beschwerden der peripheren Neuropathie umfassen Schmerzen, Taubheit, Kribbeln und Brennen. Sie können jahrelang bestehen und die Lebensqualität beeinträchtigen.
Eine frühere Placebo -kontrollierte klinische Studie empfiehlt bei chemotherapiebedingter peripherer Neuropathie das Medikament Duloxetin . Abgesehen davon war keine Maßnahme in 19 verschiedenen untersuchten Interventionen aus 42 randomisierten kontrollierten Studien zur Vorbeugung oder Behandlung wirksam. Akupunktur, die viele Patienten als natürliche medizinische Möglichkeit betrachten, gehört bei Hormontherapien gegen Brustkrebs mit Aromatasehemmern und damit verbundenen Arthralgien, also Gelenkschmerzen, zu den empfohlenen nichtmedikamentösen Maßnahmen. Kleine Studien lassen außerdem Nutzen bei peripherer Neuropathie, diabetischer peripherer Neuropathie und erworbenem Immunschwächesyndrom (AIDS) vermuten. Für diese Zwecke verdient Akupunktur daher weitere Forschung.
Akupunkturstudien bei peripherer Neuropathie
Die erste hier vorgestellte Studie prüfte unterschiedliche Akupunkturarten bei langjähriger, durch Bortezomib oder Thalidomid verursachter peripherer Neuropathie bei multiplem Myelom. Eine manuelle Akupunktur über 10 Wochen half Patienten mit mäßigen bortezomibbedingten neuropathischen Schmerzen deutlich.
In einer weiteren Studie verbesserte Elektroakupunktur bei 19 Patienten die durch Bortezomib und/oder Thalidomid verursachte Neuropathie deutlich. Der Nutzen begann in Woche 4, war nach Abschluss der 9-wöchigen Behandlung am größten und hielt mit fortlaufender Verbesserung bis Woche 13 an.
Dagegen lieferten zwei randomisierte kontrollierte Elektroakupunkturstudien negative Ergebnisse. Eine Präventionsstudie schloss 48 Brustkrebspatientinnen ein. Taxan-Chemotherapie erhielten diese Patientinnen, dazu über 12 Wochen Elektroakupunktur oder Scheinbehandlung. Die Ergebnisse unterschieden sich nicht. In der Elektroakupunkturgruppe waren die Neuropathiebeschwerden nach 16 Wochen sogar stärker. Dies wirft Fragen zum Einsatz von Elektrizität statt manueller Akupunktur bei der Vorbeugung chemotherapiebedingter Neuropathie auf.
Eine andere 4-armige Studie fand keinen signifikanten Unterschied zwischen randomisierten Gruppen mit Elektroakupunktur, Elektroakupunktur mit hydroelektrischem Bad, hoch dosiertem Vitamin B1 / B6 oder Placebo.
Fazit
Die vorhandenen Belege sind besonders für manuelle beziehungsweise klassische Akupunktur vielversprechend. Sie rechtfertigen größere randomisierte kontrollierte Studien mit Placebokontrolle, Nervenleitungsuntersuchungen oder messbaren sensorischen Tests. Weitere Forschung muss die Mechanismen klären, durch die Akupunktur chemotherapiebedingte Neuropathiesymptome lindern könnte.
Quellen
Acupuncture for the Management of Chemotherapy-Induced Peripheral Neuropathy.
ascopost.com – 10 March 2018
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