Behandlung ohne Operation bei Blasenkrebs mit Lymphknotenbefall

In diesem Artikel
Blasenkrebs ist weltweit verbreitet. Eine wichtige Rolle in seiner Behandlung spielt die radikale Zystektomie, bei der die Blase und umliegende Lymphknoten entfernt werden. Sie ist sogar die Standardbehandlung in Stadien mit Ausbreitung in die Blasenmuskulatur oder benachbarte Lymphknoten, aber ohne Metastasen in entfernten Geweben oder Organen (siehe Blasenkrebsbehandlung nach Stadium). Der Eingriff kann jedoch die Lebensqualität beeinträchtigen und schwere Nebenwirkungen verursachen. Deshalb könnte die Erforschung „weniger invasiver“ und blasenerhaltender Behandlungsoptionen die Lebensqualität und Behandlungsergebnisse verbessern.
Nachfolgend ist in die Muskelschicht eingewachsener Blasenkrebs dargestellt.

Eine neue Studie vergleicht die Wirksamkeit der blasenerhaltenden trimodalen Therapie mit der radikalen Zystektomie.
Was ist eine trimodale Therapie?
Die trimodale Therapie ist ein kombinierter Ansatz gegen Blasenkrebs mit drei Hauptbestandteilen:
- Maximale transurethrale Resektion (TURBT): Der Tumor wird endoskopisch aus der Blase entfernt. Dieses Verfahren ermöglicht eine vollständige Tumorentfernung und eine genaue pathologische Stadieneinteilung.
- Strahlentherapie: Sie verwendet hohe Strahlendosen, um Krebszellen abzutöten oder ihr Wachstum zu stoppen. Bei Blasenkrebs wird die Strahlung direkt auf das Tumorgebiet gerichtet.
- Chemotherapie: Chemotherapeutika werden eingesetzt, um die Wirksamkeit der Bestrahlung zu erhöhen. Sie werden gleichzeitig verabreicht und verstärken deren Wirkung auf Krebszellen.
Die trimodale Therapie soll die Blase erhalten und gilt als Alternative zur radikalen Zystektomie (vollständigen Blasenentfernung). Sie kann besonders für Patienten infrage kommen, die für eine Operation nicht geeignet sind oder ihre Blase behalten möchten.
Trimodale Therapie und radikale Zystektomie: Einzelheiten der Studie
- Die Studie umfasst eine retrospektive (rückblickende) Analyse von Daten aus den Jahren 2012 bis 2021 zu 287 Patienten mit klinisch lymphknotenpositivem, nicht metastasiertem Blasenkrebs (cN1, M0).
- Die Studie wurde am 21. Juli 2023 im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.
- Diese Patienten wurden an vier Zentren im Vereinigten Königreich behandelt, die sowohl eine trimodale Therapie als auch eine radikale Zystektomie anboten.
- Die wichtigsten Endpunkte waren Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Studie
- Für alle Patienten galt:
- Das mediane Gesamtüberleben betrug 1,55 Jahre. Die Gesamtüberlebensraten nach 2 und 5 Jahren lagen bei 39% beziehungsweise 19%.
- Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 0,95 Jahre. Nach 2 und 5 Jahren lagen die Raten bei 28% beziehungsweise 17%.
- 163 Patienten erhielten eine radikale Behandlung (Operation oder einen trimodalen Ansatz), 124 Patienten erhielten eine palliative Behandlung.
- Die radikale Behandlung war mit einem besseren Gesamtüberleben (Median = 2,4 gegenüber 0,89 Jahren) und progressionsfreien Überleben (Median = 1,5 gegenüber 0,63 Jahren) verbunden.
- Unter den radikal behandelten Patienten erhielten 87 eine Bestrahlung in radikaler Dosis (also eine trimodale Therapie) und 76 eine radikale Zystektomie. In der multivariablen Analyse hatte die Wahl der radikalen Behandlung keinen wesentlichen Einfluss auf das Überleben. Die Ergebnisse waren also bei Operation und trimodaler Therapie ähnlich.
- Nach trimodaler Therapie betrug das mediane Gesamtüberleben 2,53 Jahre, nach radikaler Zystektomie 2,09 Jahre (HR = 0,94, 95% Konfidenzintervall = 0,63–1,41, P = 0,76).
- Die Überlebensraten nach 2 Jahren lagen bei 60% beziehungsweise 51%.
- Bei Patienten mit radikaler Strahlendosis betrug das mediane progressionsfreie Überleben 1,93 Jahre, nach radikaler Zystektomie 1,22 Jahre (HR = 0,74, 95% Konfidenzintervall = 0,50–1,08, P = 0,12).
- Obwohl kein statistisch signifikanter Unterschied erreicht wurde, scheinen diese Ergebnisse die trimodale Therapie zu begünstigen.
Fazit und Einordnung
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die trimodale Therapie eine mögliche Alternative bei der Behandlung von Blasenkrebs sein könnte.
Genauer betrachtet bewertete diese multizentrische retrospektive Analyse Ergebnisse aus der Versorgung von Patienten mit klinisch nodal positivem Blasenkrebs. Sie zeigte beim Gesamtüberleben und progressionsfreien Überleben keinen Unterschied zwischen radikaler Zystektomie und trimodaler Therapie. Die Daten sprechen dafür, einen Lymphknotenbefall um die Blase nicht als Gegenanzeige zur trimodalen Therapie anzusehen.
Obwohl dies nicht Teil der Untersuchung war, könnten künftig die Überlebensergebnisse weiter verbessert werden, indem der trimodalen Therapie die bei Blasenkrebs wirksamen Immuntherapien hinzugefügt werden.
Quellen
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