Kann Strahlentherapie wie eine Krebsimpfung wirken?

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Einer auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium 2017 vorgestellten Studie zufolge führt die Bestrahlung der Tumorregion mittels Strahlentherapie dazu, dass sich Tumor-DNA-Fragmente innerhalb der Krebszellen ansammeln. Dadurch entsteht eine Wirkung ähnlich einer Krebsimpfung .
Was ist eine Krebsimpfung und wie wirkt sie?
Es gibt 2 Arten von Krebsimpfungen: vorbeugende und therapeutische.
Vorbeugende Krebsimpfungen werden seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt und bieten einen sehr wirksamen Schutz gegen die Erreger, gegen die sie entwickelt wurden. Beispielsweise schützt die HBV-Impfung gegen das Hepatitis-B-Virus vor Leberkrebs; die Impfung gegen humane Papillomviren , die HPV-Impfung, bietet einen sehr wirksamen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs.
Wirksame therapeutische Krebsimpfungen sind in der Krebsmedizin dagegen neuer. Bislang gibt es nur 2 zur Krebsbehandlung zugelassene Impfungen: zur Behandlung von Prostatakrebs Sipuleucel-T (Provenge) und zur Behandlung des malignen Melanoms, einer Hautkrebsart, Talimogene laherparepvec (Lmlygic). Diese Impfungen versprechen bei den Krebsarten, für die sie zugelassen sind, keine vollständige Heilung. Insofern lässt sich sagen, dass therapeutische Krebsimpfungen weniger wirksam sind als vorbeugende Impfungen. Denn es ist einfacher, Krebs vor seiner Entstehung zu verhindern, als ihn anschließend zu behandeln! Auch die weiterhin populären kubanischen Krebsimpfungen haben bislang für keine Krebsart eine Zulassung erhalten, weil sie keine relevante Wirksamkeit nachweisen konnten.
Therapeutische Krebsimpfungen sollen bewirken, dass das Immunsystem den Tumor erkennt und gegen ihn aktiviert wird. Krebs entsteht im Körper weniger durch eine Schwächung des Immunsystems als dadurch, dass Tumoren während ihrer Entwicklung Mechanismen ausbilden, mit denen sie sich vor der Immunabwehr verbergen. Wenn Krebs durch Eingriffe wie Immuntherapien für das Immunsystem erkennbar wird, lässt er sich leichter behandeln. Krebsimpfungen sind lediglich eine Form der Immuntherapie, siehe die folgende Grafik.
Wie wirkt Strahlentherapie ähnlich einer Krebsimpfung?
Während Strahlentherapie das Absterben von Krebszellen auslöst, können deren DNA- Fragmente und andere Zellbestandteile T-Zellen unseres Abwehrsystems in die Tumorumgebung locken oder aktivieren. Unsere Immunzellen, die normalerweise in der Tumormikroumgebung ruhen oder mit dem Tumor zusammenwirken, können durch die Strahlentherapie wieder zugunsten unseres Körpers arbeiten.
Ergebnisse aus Zellkulturen, Mausmodellen und frühen klinischen Studien an Patienten zeigten Folgendes:
- In Krebszellen, die steigenden Strahlendosen ausgesetzt waren, sammelten sich doppelsträngige Fragmente der Tumor-DNA im Zytoplasma an.
- Fehlerhafte DNA-Fragmente aktivierten das Enzym Exonuklease 1 (Trex 1), das zum DNA-Reparatursystem gehört.
- Dies aktivierte das Immunsystem über Interferon beta (INFb).
Auf diese Weise wirkt Strahlentherapie wie eine In-situ-Krebsimpfung ; dies wird auch als „abskopale Immunogenität“ bezeichnet.
Aufgrund dieser Ergebnisse begann das Forschungsteam eine klinische Studie zum Stadium 4 bei nichtkleinzelligem Lungenkrebs, in der das neuartige Immuntherapeutikum Ipilimumab (Yervoy) mit Strahlentherapie kombiniert wurde.
Weitere Untersuchungen sollen klären, bei welchen Krebsarten und in welcher Behandlungsreihenfolge dieser Ansatz am besten wirkt.

Quellen
Potential of radiation therapy to convert the tumor into an in situ vaccine.
Oral Presentation at: 2017 San Antonio Breast Cancer Symposium; December 5-9, 2017
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