Nutzen Leinsamen bei Brustkrebs?

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Erfolg und Überlebenszeiten der Brustkrebsbehandlung steigen stetig. Mehr Bewusstsein, Bewegung, gesunde Ernährung und verbesserter Lebensstil tragen offenbar dazu bei. Bei der Gestaltung von Umweltfaktoren sind richtige Informationen aus richtigen Quellen ebenso wichtig. Sollten Leinsamen etwa Brustkrebspatienten empfohlen werden?
Der lateinische Name des Leins bedeutet sehr nützlich und lautet Linum usitatissimum. Seine Fasern dienen Leinenstoffen; das omega 3-reiche, als Leinöl bekannte Öl der Malerei und entfettete Samen als Tierfutter.
Gesundheitliche Wirkungen von Leinsamen
Leinsamen sind eine sehr konzentrierte Quelle der als Lignane bezeichneten hormonähnlich wirkenden Phytoöstrogene ; Soja ist eine weitere Quelle, auch Sesam ist lignanreich. Phytoöstrogene sind pflanzliche Östrogene mit dem Körperhormon strukturell stark ähnlichen Molekülen. Lignanhaltige Leinsamen haben vermutlich hormonbedingt gewisse positive Wirkungen auf Menstruationsunregelmäßigkeiten und Wechseljahresbeschwerden. Auch beim polyzystischen Ovarialsyndrom berichtet eine Studie Nutzen durch gesenkte Androgenspiegel. Leinsamen enthalten Alpha-Linolensäure (ALA), einen Baustein von omega-3-Fettsäuren. Ein günstiger Einfluss von Samen oder Öl auf Gewicht und Cholesterin wird behauptet; klinische Studienbestätigten dies jedoch nicht.
Leinsamen können nachweislich an Brust- und Prostatakrebs beteiligte intrazelluläre Signale beeinflussen. Wegen ihrer phytoöstrogenen Wirkung sollten Menschen mit östrogen- rezeptor- positivem (ER +) Brustkrebs keine Leinsamen verwenden. Anders als Internetmeldungen behaupten, sind sie keine Brustkrebstherapie, sondern potenziell gefährlich für Betroffene.
Woher stammt die Idee eines Nutzens bei Brustkrebs?
In Laborstudien zeigten Leinsamenlignane unabhängig von phytoöstrogenen Effekten antikarzinogene, tumorverkleinernde Wirkungen.
Beim Menschen werden Lignane durch die Darmflora (Mikrobiom) zu Enterolacton umgewandelt. Einige Studien vermuteten bei hohen Serumspiegeln ein niedrigeres Brustkrebsrisiko. Dadurch entstand die Frage nach Leinsamennutzen bei Brustkrebs.
Sollten wir daraufhin Betroffenen lignanhaltige Lebensmittel wie Leinsamen und Sesam als Ergänzung empfehlen?
Eine ähnliche Diskussion betraf Beta-Carotin und Lungenkrebs. Einige Studien der 1980er-Jahre vermuteten einen Behandlungsnutzen und förderten danach häufigeren, höheren Verzehr beta-carotinhaltiger Früchte und Gemüse. Größere Untersuchungen zeigten aber, dass Beta-Carotin-Präparate nicht schützen, sondern besonders bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Dass umfangreichere Studien die Empfehlungen zur Ergänzung umkehrten, rettete viele Leben.
Zusammenfassend muss besser verstanden werden, wie und wie stark Serum-Enterolacton die Lignanzufuhr abbildet. Ihre Aufnahme aus verschiedenen Lebensmitteln ist noch unvollständig geklärt. Auch Wechselwirkungen mit Tabak, Alkohol und anderen Ernährungsfaktoren sind unbekannt. Zufriedenstellende Studien für Lignanergänzungen zur Erhöhung der Serumkonzentration fehlen. Wegen der phytoöstrogenen Struktur sind Risiken zu beachten; besonders Menschen mit Brustkrebsdiagnose sollten Leinsamenpräparate meiden.
Quellen
Flaxseed and Breast Cancer: What Should We Tell Our Patients?
Journal of Clinical Oncology 2011
2. Nowak DA, Snyder DC, Brown AJ, Demark-Wahnefried W.
The Effect of Flaxseed Supplementation on Hormonal Levels Associated with Polycystic Ovarian Syndrome: A Case Study.
Curr Top Nutraceutical Res. 2007.
3. Johansson G, Andersson G, Attstom R, Edwardsson S.
Oral mucous membrane flora in patients using saliva substitutes.
Gerodontology. 2000.
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