Was ist ein Synovialsarkom? Ursachen, Symptome und Behandlung

In diesem Artikel
Das Synovialsarkom ist eine seltene Art von Weichteilkrebs und macht 5-10% der Weichteilkrebserkrankungen aus. Es kann überall im Körper auftreten, entsteht aber häufiger in Zellen rund um Gelenke und Sehnen in der Nähe des Knies. Im Allgemeinen ist 1 von 3 Patienten mit der Diagnose Synovialsarkom unter 30 Jahre alt. Diese Krebsart tritt häufiger bei Männern auf.
Unter dem Mikroskop zeigt sich ein Synovialsarkomtumor in diesen 4 wesentlichen histopathologischen Typen:
- Biphasischer Typ
- Monophasischer Spindelzelltyp
- Monophasischer epithelialer Typ
- Schlecht differenzierter Typ
Welche Risikofaktoren und Ursachen hat das Synovialsarkom?
Bislang wurde kein eindeutiger Risikofaktor für das Synovialsarkom bestimmt. Es wurde vorgeschlagen, dass die Erkrankung mit einer chromosomalen Translokation zwischen dem 18. Chromosom und dem X-Chromosom zusammenhängen könnte. Dabei lagert sich ein abgebrochenes Stück eines Chromosoms an ein anderes Chromosom an. Ob dies zufällig geschieht oder einer bestimmten Kette zellulärer beziehungsweise genetischer Ereignisse folgt, ist noch nicht bekannt. Es wird angenommen, dass das durch diese chromosomale Translokation entstehende mutierte Gen die Entwicklung des Synovialsarkoms verursacht.
Außerdem wurden metallische Hüftprothesenimplantate und eine beim Hodking-Lymphom eingesetzte Strahlentherapie mit dem Synovialsarkom in Verbindung gebracht.
Welche Symptome hat das Synovialsarkom?
Die vom Synovialsarkom verursachten Symptome unterscheiden sich je nach Lage des Tumors.
Es handelt sich um einen stetig wachsenden Tumor. Anfangs wächst er mäßig, und meist sind keine Symptome zu beobachten, bis er eine bestimmte Größe erreicht hat. Später setzt sich das Wachstum jedoch plötzlich rasch fort. Mit dem Wachstum des Tumors können die ersten Symptome auftreten.
- Ein Knoten oder eine Schwellung
- Liegt der Tumor besonders nahe an Nerven, kann er Schmerzen und Taubheitsgefühl verursachen.
- Im Kopf-Hals-Bereich kann er Schluck- und Atembeschwerden oder eine Veränderung der Stimme auslösen.
Vor der Diagnose können alle oder einige dieser Symptome auftreten; es können aber auch sämtliche Symptome fehlen.
Wie wird das Synovialsarkom eingestuft?
Grading
- Niedriggradig (low grade): Dies bedeutet, dass die Krebszellen langsam wachsen, normalen Zellen recht ähnlich sehen, weniger aggressiv sind und sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit ausbreiten.
- Mittlerer Grad (intermediate grade): Die Krebszellen wachsen etwas schneller und sehen abnormer aus.
- Hochgradig (high grade): Die Krebszellen wachsen schnell, sehen sehr abnorm aus, sind aggressiver und breiten sich mit höherer Wahrscheinlichkeit aus.
Stadieneinteilung
- Stadium 1: Der Krebs ist niedriggradig, klein, also weniger als 5 cm groß, und hat sich nicht auf andere Körperregionen ausgebreitet.
- Stadium 2: Der Krebs kann jeden Grad haben und ist meist größer als im ersten Stadium, hat sich aber nicht auf andere Körperregionen ausgebreitet.
- Stadium 3: Dies bezeichnet einen hochgradigen Krebs, der sich nicht auf andere Körperregionen ausgebreitet hat.
- Stadium 4: Dies bezeichnet einen Krebs beliebigen Grades und beliebiger Größe, der sich an irgendeine Stelle des Körpers ausgebreitet hat.
Wie wird das Synovialsarkom diagnostiziert?
Wie bei anderen Weichteilkrebserkrankungen beginnt die Diagnose eines Synovialsarkoms gewöhnlich damit, dass der Patient selbst einen Knoten oder eine Schwellung bemerkt.
Bei Patienten, die sich mit diesen Beschwerden an einen Arzt wenden, erfolgt die Diagnose durch eine Reihe von Untersuchungen:
- Körperliche Untersuchung
- Bildgebung mit Ultraschall, Röntgen, Computertomografie (CT), endoskopischem Ultraschall (EUS), Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und Magnetresonanztomografie (MRI)
- Biopsie, also Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Raumforderung
- Genetische Tests und Analysen, um festzustellen, ob eine chromosomale Translokation vorliegt
Diese Testergebnisse ermöglichen die Diagnose.
Wie wird das Synovialsarkom behandelt?
Das Synovialsarkom ist eine Art von Weichteilsarkom. Weichteilsarkome sind eine heterogene Gruppe seltener Tumoren, die in allen Körperregionen aus mesenchymalen Zellen entstehen. Insbesondere bei einer fortgeschrittenen Erkrankung im Stadium 4 bildet sich ein Konsens heraus, dass die Wahl der Behandlung an der Histologie ausgerichtet sein sollte.
Die grundlegenden Behandlungsprinzipien bei Weichteilsarkomen lauten:
- Die operative Entfernung metastatischer Tumoren kann ein langfristiges rezidivfreies Überleben und bei ausgewählten Patienten möglicherweise sogar Heilung ermöglichen. Dabei handelt es sich überwiegend um Patienten mit isolierten Lungenmetastasen.
- Bei den meisten Patienten mit metastasiertem Weichteilsarkom wird jedoch eine Chemotherapie zur Verringerung des Tumorvolumens und der Symptome, zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Verlängerung des Überlebens mit palliativer Zielsetzung eingesetzt. Die objektive Ansprechrate, beurteilt anhand einer Größenabnahme messbarer Läsionen, ist beim metastasierten Weichteilsarkom ein schwacher Surrogatendpunkt für den Nutzen, insbesondere bei molekular zielgerichteten Therapien und Medikamenten wie Trabectedin.
- Der natürliche Verlauf eines nicht operativ entfernbaren metastasierten Sarkoms ist unterschiedlich und wird sowohl von der Krankheitsbiologie als auch von der Behandlung beeinflusst. Bei manchen Patienten mit asymptomatischer, also beschwerdefreier, niedriggradiger und nicht operabler Erkrankung, etwa einem niedriggradigen intraabdominellen Leiomyosarkom (LMS), kann eine Beobachtung ohne aktive Chemotherapie sinnvoll sein. Dagegen kann bei Patienten mit einem hochgradigen, chemotherapieempfindlichen Tumor wie einem Synovialsarkom oder Liposarkom der frühe Einsatz einer Kombinationschemotherapie bevorzugt werden.
- Patienten mit fortgeschrittenem und nicht operativ entfernbarem Weichteilsarkom sind geeignete Kandidaten für klinische Studien zur Ermittlung wirksamerer Behandlungsansätze. Ist eine Studienteilnahme nicht möglich, ist eine herkömmliche systemische Behandlung für ausgewählte Patienten eine geeignete Möglichkeit.
Wie sollte die Erstlinienbehandlung ausgewählt werden?
Bei Patienten mit Sarkomen sind „Anthrazykline“ die zuerst in Betracht kommende Chemotherapieoption.
- Als anthrazyklinempfindlich bekannte Sarkomuntertypen sind: Leiomyosarkom, myxoides beziehungsweise rundzelliges Liposarkom, epitheloides Sarkom, dedifferenziertes und pleomorphes Liposarkom, Synovialsarkom, Angiosarkom, undifferenziertes pleomorphes Sarkom und maligner peripherer Nervenscheidentumor. Bei diesen Sarkomarten empfehlen wir Doxorubicin mit oder ohne Ifosfamid anstelle anderer Behandlungen. Bei symptomatischen Patienten, die ein möglichst rasches Tumoransprechen benötigen, kann die Kombination von Doxorubicin mit Ifosfamid gegenüber Doxorubicin allein bevorzugt werden.
- Bei Herzinsuffizienz oder wenn keine Anthrazykline gegeben werden können, kann eine auf Gemcitabin basierende Kombination als Alternative empfohlen werden.
- Paclitaxel ist bei Patienten mit Angiosarkom eine vertretbare Alternative zu Anthrazyklinen für die Erstbehandlung.
- Für Patienten mit schlechterem Allgemeinzustand oder ausgeprägten Begleiterkrankungen, die dennoch für eine Chemotherapie geeignet sind, kommen liposomales Doxorubicin, Gemcitabin allein oder eine auf Gemcitabin basierende Kombination infrage.
- Behandlung anthrazyklinresistenter Sarkomuntertypen: Manche Sarkomuntertypen sind gegenüber der Standardbehandlung mit Anthrazyklinen nicht empfindlich.
Die Bedeutung genetischer Tests beim fortgeschrittenen Synovialsarkom
Bei vielen fortgeschrittenen soliden Organkrebserkrankungen sind genetische Tests inzwischen notwendig, um Patienten neue Behandlungsmöglichkeiten anbieten zu können. Genetische Tests bei Krebs lassen heute an Sequenzierung der nächsten Generation (NGS = Next Generation Sequencing) denken, beispielsweise an den PRIME Extended-Test von Genekor.
Mit der Sequenzierung der nächsten Generation lässt sich prüfen, ob von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zugelassene molekular zielgerichtete Medikamente geeignet sind. Dazu gehören Medikamente, die unabhängig vom Ursprungsorgan entsprechend dem Tumorbiomarker eingesetzt werden können, wie Larotrectinib oder Entrectinib. Diese Medikamente wurden gegen genetische Veränderungen der neurotrophen Tyrosinrezeptorkinase (NTRK) entwickelt. Auch die Immuntherapie Pembrolizumab (Keytruda) ist unabhängig vom Ursprungsorgan bei Patienten mit hoher Tumormutationslast (TMB-high) und Mikrosatelliteninstabilität (MSI-High) von der FDA zugelassen.

Ein weiteres zur Behandlung des Synovialsarkoms erprobtes Verfahren ist die adoptive Zelltherapie, die eine Immuntherapie darstellt. Beim metastasierten Synovialsarkom im Stadium 4 findet sich in 70% bis 80% der Krebszellen ein Antigen namens NY-ESO-1 / LAGE1a. Ein Antigen ist ein Toxin oder ein anderer Fremdstoff, der das Immunsystem aktivieren und insbesondere die Bildung von Antikörpern auslösen kann. Mit einem auf dieses Antigen ausgerichteten T-Zell-Rezeptor modifizierte T-Zellen führten bei Patienten mit Synovialkrebs zu einer starken Antitumorantwort. Eine bei 1 Patienten zu einem vollständigen Ansprechen führende bemerkenswerte Untersuchung wurde in Cancer Discovery am 11. Juni 2018 veröffentlicht.
Welche Überlebensstatistiken gibt es zum Synovialsarkom?
Mit einer seltenen Krebsart konfrontiert zu sein, kann die Einschätzung der Situation sehr schwierig machen. Die Überlebensrate beim Synovialsarkom wird davon beeinflusst, ob der Krebs zurückkehrt oder sich ausbreitet. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Gesamtüberlebensrate nach 5 Jahren beim Synovialsarkom zwischen 36% und 76% liegt. Diese Rate unterscheidet sich selbstverständlich je nach Patient.
Zusammengefasst beeinflussen folgende Faktoren die Prognose, also den Krankheitsverlauf:
- Kleine Tumorgröße, unter 5 cm
- Ein operativ leicht entfernbarer Tumor
- Ein örtlich begrenzter Tumor ohne Ausbreitung
- Das Alter des Patienten
Kann ein Synovialsarkom wiederkehren?
Ein Synovialsarkom kann nach der Behandlung an derselben Stelle erneut auftreten. Dies wird als lokales Rezidiv bezeichnet.
Nach dem erneuten Auftreten des Krebses ist eine möglichst frühe Behandlung wichtig. Sie kann eine Operation und/oder Strahlentherapie umfassen. Dies wird für jeden Patienten individuell beurteilt.
Quellen
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