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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Was ist eine Fettleber, warum entsteht sie und welche Probleme verursacht sie?

Was ist eine Fettleber, warum entsteht sie und welche Probleme verursacht sie?
In diesem Artikel

Manche haben von einer Leberverfettung, medizinisch genauer einer Fettlebererkrankung , noch nie gehört. Doch sie als eine der häufigsten Erkrankungen der letzten Jahre zu bezeichnen, wäre wohl nicht falsch. Im Englischen entspricht der Begriff häufig Nonalcoholic Fatty Liver Disease und bezeichnet eine „nicht alkoholbedingte Leberverfettung“. In den USA sind bekanntermaßen etwa 10 bis 46 Prozent der Bevölkerung betroffen. Nach stärkerer Verfettung entwickeln sich in der Leber bei einem Teil der Betroffenen Entzündungen oder Schäden; dieser Anteil liegt bei 3-12 Prozent.

Nicht alkoholbedingte Fettleber: Unterschiede zwischen gesunder und verfetteter Leber

Eine Fettleber ist gegenüber einer gesunden Leber etwas größer und hat ihre typische Farbe verloren. Gewebeproben zeigen die für die nicht alkoholbedingte Fettleber charakteristischen Fettablagerungen (linkes Bild).

Wie entsteht eine Fettleber?

Wenn der Körper zu viel Fett produziert oder vorhandenes Fett nicht richtig abbaut und verwertet, ist die Leber das wichtigste Gewebe, in dem es sich ansammelt. Eine Fettleber liegt vor, wenn mehr als %5-10 des Lebergewichts aus Fett bestehen. Eine Fettleber kann während der Schwangerschaft oder durch übermäßigen Alkoholkonsum entstehen. Übermäßig bedeutet täglich mehr als 2 alkoholische Getränke bei Frauen und mehr als 3 bei Männern.

Einem alkoholischen Getränk entsprechen: 

  • bei % 5 Alkoholgehalt 341 ml, etwa Bier oder Obstwein, 
  • bei % 12 Alkoholgehalt 142 ml, etwa Wein, 
  • bei % 40 Alkoholgehalt 43 ml, etwa Wodka, Whisky oder Rakı. Täglicher Alkoholkonsum oberhalb dieser Mengen endet mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer alkoholbedingten Fettleber.

Alkoholbedingte Leberschäden können Zirrhose und Leberkrebs verursachen. Weitere alkoholbedingte Krebsarten betreffen unter anderem Dickdarm, Brust und Rachen. Die alkoholbedingte Fettleber ist vermeidbar und bessert sich meist nach dem Alkoholverzicht.

Nicht alkoholbedingte Fettleber

Die meisten Fettleberfälle gehören zu dieser „nicht alkoholischen Fettlebererkrankung“. Sie gilt als eigenständige Diagnose und wird ärztlich anders behandelt. Manchmal verursacht sie schwere Gesundheitsprobleme, meist jedoch keine deutlichen Beschwerden. Mit geeigneten Lebensstiländerungen, insbesondere zucker- und transfettarmer Ernährung, kann die Leber dennoch wieder in einen gesunden Zustand gebracht werden.

Eine Fettleber kann die Leberfunktion erschweren und manchmal weitere Lebererkrankungen auslösen. Die nicht alkoholbedingte Fettleber ist in westlichen Ländern die häufigste Ursache von Lebererkrankungen. Trotz ihrer Häufigkeit riskieren nur einer oder zwei von je 10 Betroffenen eine fortschreitende Form wie Leberfibrose. Mit der Zeit können bei %10-25 Zirrhose und schwere Leberinsuffizienz entstehen. In den USA ist sie die dritthäufigste Ursache einer Lebertransplantation; für die 2020er-Jahre wird ein Aufstieg an die erste Stelle erwartet.

Welche Ursachen und Risikofaktoren hat die nicht alkoholbedingte Fettleber?

Die nicht alkoholbedingte Fettleber hängt stark mit Adipositas, Insulinresistenz (IR) beziehungsweise Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) und metabolischem Syndrom zusammen.

Insbesondere zentrale Adipositas mit vergrößertem Bauchumfang ist für Fettleber und Fortschreiten der Erkrankung entscheidend. Etwa %70 der adipösen Menschen haben eine Fettleber, bei Schlanken sind es %10-15. Bei schwerer, morbider Adipositas entsteht sie bei fast allen, und mehr als ein Drittel weist eine Leberentzündung auf.

Auch der Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes (DM) und Fettleber ist sehr stark. Bei nicht alkoholbedingter Fettleber tritt Typ-2-DM 5-9-mal häufiger auf. Andererseits besteht bei Typ-2-Diabetes mindestens bei einem Anteil von 3, davon 2 Teilen, also zwei Dritteln, eine nicht alkoholbedingte Fettleber. Typ-2-DM hängt außerdem mit dem Fortschreiten bis zu Zirrhose und Leberkrebs zusammen.

Mindestens ein Drittel der Menschen mit nicht alkoholbedingter Fettleber hat ein metabolisches Syndrom. Von 5 Betroffenen weisen 4 mindestens einen seiner Bestandteile auf.

Fettleber und metabolisches Syndrom bilden zusammen mit

  • Übergewicht und zentraler Adipositas, also ausgeprägtem Bauchumfang,
  • zunehmender Insulinresistenz,
  • hohem Cholesterin oder hohen Blutfetten (Triglyceriden),
  • Bluthochdruck sowie 
  • Diabetes oder Glukoseintoleranz bei Prädiabetes eine Gruppe kardiovaskulärer Risikofaktoren.

Warum entwickeln nicht adipöse Menschen eine nicht alkoholbedingte Fettleber?

  • Rauchen 
  • Höheres Alter 
  • Manche Medikamente wie Steroide zur Krebsbehandlung und Tamoxifen können beitragen. 
  • Ungünstige Ernährungsgewohnheiten
  • Rasche Gewichtsabnahme 
  • Leberinfektionen wie Hepatitis 
  • Exposition gegenüber lebertoxischen Stoffen
  • Genetische Einflüsse

Fettleber bei Kindern

Die Fettlebererkrankung tritt meist im mittleren Alter auf, kann aber jeden, auch Kinder, betreffen. Eine 2016 veröffentlichte Übersicht geht davon aus, dass von je 10 Kindern 1-2 und von adipösen Kindern %50-80 eine Fettleber haben.

Welche Symptome hat eine Fettleber?

Die nicht alkoholische Fettleber verursacht gewöhnlich keine Anzeichen oder Symptome. Später können jedoch folgende Beschwerden auftreten:

  • Müdigkeit
  • Bauchschwellung und rechtsseitige Bauchschmerzen durch eine vergrößerte Leber
  • Begleitende Milzvergrößerung
  • Erweiterte Blutgefäße direkt unter der Hautoberfläche
  • Brustvergrößerung bei Männern 
  • Rote Handflächen (Palmarerythem)
  • Gelbfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht)

Wie wird eine Fettleber diagnostiziert?

Ultraschall, Computertomografie und MRT (Magnetresonanztomografie) können Leberfett nachweisen; eine Biopsie kann die Diagnose bestätigen. Ultraschall ist bei mäßiger und schwerer Verfettung verlässlicher, seine Empfindlichkeit ist bei weniger als %33 Verfettung bekanntermaßen geringer. In fortgeschrittenen Stadien lässt sich die Leberfunktion durch Bluttests prüfen.

Wie wird eine Fettleber behandelt?

Zur medikamentösen Behandlung der Fettleber ist bisher kein Medikament zugelassen. Zwar gibt es Studien, nach denen Metformin die Verfettung zurückbildet, am wirksamsten scheint aber zunächst die Gewichtsabnahme bei Übergewicht, das Erreichen eines gesunden Gewichts und dessen anschließender Erhalt zu sein.

  • Wählen Sie eine gesunde Ernährung. Insbesondere die Mittelmeerdiät hat für Vorbeugung und Behandlung der Fettleber große Bedeutung. Zu ihren wesentlichen Merkmalen gehören Obst, Gemüse, Vollkorn und gesunde Fette.
  • Nehmen Sie auf gesunde Weise ab. Da Adipositas als Hauptursache der nicht alkoholischen Fettleber gilt, hilft bereits eine Verringerung des Körpergewichts um %3-5 bei der Behandlung.
  • Bewegung! An den meisten Wochentagen kann trainiert werden. Regelmäßiger Sport ist für Behandlung und Vorbeugung wichtig.
  • Alkoholverzicht oder eine möglichst starke Reduktion ist für die Behandlung wichtig. Regelmäßige ärztliche Kontrollen, frühe Erkennung und Diagnose sowie ein gesunder Lebensstil können Schäden verringern und rückgängig machen.

Quellen

1. Machado, M. V., & Cortez-Pinto, H.
Non-alcoholic fatty liver disease: What the clinician needs to know.
World Journal of Gastroenterology, 2014.

2. Anstee QM, Targher G, Day CP.
Progression of NAFLD to diabetes mellitus, cardiovascular disease or cirrhosis.
Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2013.

3. Popo P, Beirness D, Stockwell T, Gliksman L, Paradis C.
Kanada'da Alkol ve Sağlık: Düşük Riskli İçme için Kanıt ve Kılavuzların Özeti. Ottawa; 2011.

4. Light to moderate intake of alcohol, drinking patterns, and risk of cancer: results from two prospective US cohort studies.
BMJ. 2015.


5. Targher G, Bertolini L, Rodella S, Tessari R, Zenari L, Lippi G, Arcaro G.
Nonalcoholic fatty liver disease is independently associated with an increased incidence of cardiovascular events in type 2 diabetic patients.
Diabetes Care. 2007.

6. Nonalcoholic fatty liver, steatohepatitis, and the metabolic syndrome.
Hepatology. 2003.
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Drozdogan-Assistent

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