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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Die Ära der personalisierten Krebstherapie beginnt tatsächlich

Die Ära der personalisierten Krebstherapie beginnt tatsächlich
In diesem Artikel

Seit 2000 gehört das Konzept der personalisierten Behandlung zu den auffälligsten Neuerungen der Medizin. Doch was bedeutet es? Ist es Science-Fiction oder Realität? Wird für jeden Patienten ein neues Medikament hergestellt? Was bedeutet eine Behandlung nach der Tumorgenetik? Dieser Artikel erläutert ausführlich, ob personalisierte Therapie möglich ist und was sie umfasst.

Was ist personalisierte Krebstherapie?

Personalisierte Krebstherapie soll anhand der genetischen, biologischen und persönlichen Merkmale jedes Patienten die geeignetste Behandlung bestimmen. Dazu nutzt sie genetische und genomische Tests der neuesten Generation, um die komplexe Struktur der Krebserkrankung zu verstehen und die Verfahren mit dem besten Ansprechen zu identifizieren.

Ist Krebs eine genetische Erkrankung?

Krebs ist auf zellulärer Ebene eine genetische Erkrankung. Er entsteht durch die Ansammlung genetischer Schäden, die unkontrollierte Zellvermehrung auslösen. Die genetische Natur von Krebs bedeutet jedoch nicht, dass er erblich ist. Von den Eltern vererbte Krebsfälle machen nur 10% aller Krebserkrankungen aus. Die übrigen 90% beruhen auf genetischen Veränderungen, die erst im Laufe des Lebens entstehen. Gentests sind in der Onkologie deshalb äußerst wichtig.

Was ist ein Gentest und wie wird er durchgeführt?

Gentests sind medizinische Untersuchungen zum Nachweis bestimmter genetischer Varianten in der DNA. Sie werden an Tumorgewebe, neuerdings auch an Blut- oder Speichelproben durchgeführt und suchen nach DNA-Veränderungen beziehungsweise Mutationen. Heute gibt es Tausende verschiedene Gentests. Zu den häufigsten Methoden gehören Next-Generation Sequencing (NGS), Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und immunhistochemische Untersuchungen. Diese Tests sind für Diagnose und Behandlung genetischer Erkrankungen bedeutsam.

Die 2 Hauptarten genetischer Tests bei Krebs

In der Krebsbehandlung dienen Gentests hauptsächlich zwei Zwecken:

  • Nachweis onkogener genetischer Veränderungen im Tumor: Diese Tests erkennen sporadische, also nicht von den Eltern vererbte Veränderungen und prüfen die Eignung zielgerichteter Krebsmedikamente. Beispielsweise werden Veränderungen in EGFR, ALK, HER2, NTRK und BRAF untersucht. Anfangs erfolgten die Tests am Tumorgewebe; inzwischen werden sie auch an Blutproben durchgeführt.
  • Nachweis erblicher Veränderungen in Krebsgenen: Bei Menschen mit familiärer Krebsvorgeschichte werden erbliche Genveränderungen, etwa BRCA-1-2-Mutationen, nachgewiesen, um das individuelle und familiäre Risiko zu berechnen. Dies unterstützt die Früherkennung und die Beurteilung der Eignung von Arzneimitteln gegen erbliche Krebsgene (PARP-Inhibitoren).

Auf dem Weg zur personalisierten Behandlung: Warum gerade jetzt?

Personalisierte Krebstherapie wird in der Wissenschaft seit einigen Jahren häufig diskutiert. Dieser innovative Ansatz gewinnt seit 20 Jahren dank bedeutender Projekte wie dem Humangenomprojekt und dem Krebsgenomatlas in der medizinischen Literatur zunehmend an Bedeutung. Erst in jüngster Zeit wurde seine tatsächliche und umfassende Umsetzung möglich. Warum gerade jetzt?

Rasche Fortschritte genetischer und genomischer Technologien, Durchbrüche in der Molekularbiologie und Innovationen in der Bioinformatik machen personalisierte Therapie möglich. Fortschrittliche molekulare Tests wie Next-Generation Sequencing (NGS) können das genetische Tumorprofil detailliert analysieren. Dadurch lassen sich jedem Patienten leichter die geeignetsten Behandlungsoptionen anbieten. Die Krebstherapie wird somit präziser und individueller.

Tests und Ansätze in der personalisierten Krebstherapie

Personalisierte Krebstherapie nutzt die fortschrittlichsten Technologien der modernen Medizin. Wichtige Tests und Verfahren, die dies ermöglichen, sind:

Ganzheitliches Modell der personalisierten Behandlung

1. Genomische Tests für zielgerichtete Therapien

Die genetische Struktur eines Tumors zu verstehen ist der wichtigste Schritt zur Individualisierung der Behandlung. Zunächst werden die Mutationen identifiziert, die Krebs auslösen. Durch den Nachweis dieser Veränderungen lässt sich bestimmen, auf welche zielgerichteten Medikamente die Erkrankung ansprechen könnte. Tests auf Tumormutationslast (TMB) und Mikrosatelliteninstabilität (MSI) messen die Dichte von Mutationen und genomischen Veränderungen im Tumor. Sie sind entscheidend für die Vorhersage der Immuntherapiewirkung, denn Menge und Art der Veränderungen beeinflussen das Ansprechen erheblich.

2. Genpanels für erblichen Krebs

Diese Tests zum Nachweis familiärer Krebsformen helfen wesentlich bei der Bestimmung erblicher Risikofaktoren. Sie ermöglichen vorbeugende Maßnahmen und Früherkennung bei Menschen mit familiärer Krebsvorgeschichte.

3. Tests zur Bestimmung des Rückfallrisikos

Diese genetischen Signaturtests bewerten das Rückfallrisiko nach einer Krebstherapie. Insbesondere bei frühem Brustkrebs identifizieren sie die Patienten, die danach tatsächlich eine Chemotherapie benötigen. Am bekanntesten ist Oncotype Dx. Indem diese Tests die Rückfallwahrscheinlichkeit vorhersagen, helfen sie, die Behandlung wirksamer zu steuern. Bei hohem Risiko lassen sich zusätzliche Maßnahmen ergreifen; Menschen mit niedrigem Risiko können eine unnötige Chemotherapie vermeiden.

4. Tests auf minimale Resterkrankung (MRD)

Diese Tests weisen nach einer Behandlung verbliebene Krebszellen und damit eine minimale Resterkrankung nach. So lässt sich das Therapieansprechen genauer beurteilen. Dazu gehören insbesondere Nateras Signatera und Guardants Reveal-Test.

5. Tests zur Früherkennung mehrerer Krebsarten (MCED)

Früherkennung ist in der Krebsbehandlung entscheidend. MCED (Multi-Cancer Early Detection)-Tests erkennen verschiedene Krebsarten im frühen Stadium und ermöglichen so einen schnelleren Therapiebeginn. Meist wird eine einfache Blutprobe auf biologische Krebsspuren untersucht. Im Labor wird nach auffälligen Biomarkern wie DNA oder Proteinen gesucht. Bisher hat kein MCED-Test eine Zulassung der FDA (US-amerikanische Arzneimittelbehörde) erhalten. Klinische Studien untersuchen sie aber weiter bei Hunderttausenden Menschen. Voraussichtlich werden sie künftig zu den meistdiskutierten Themen der Onkologie gehören.

6. Empfindlichkeitstests für Krebsmedikamente

Diese Tests prüfen die Empfindlichkeit von Krebszellen gegenüber bestimmten Wirkstoffen, um die wirksamsten Medikamente zu bestimmen. Durch Biopsie entnommenes Tumorgewebe wird im Labor kultiviert, solange die Zellen noch leben. Anschließend wird das Ansprechen auf unterschiedliche Krebsmedikamente gemessen. So lassen sich die geeignetsten Wirkstoffe und Kombinationen für Patienten ermitteln.

7. Pharmakogenetische Tests

Diese Tests sagen die Nebenwirkungen und Wirksamkeit von Arzneimitteln anhand genetischer Patientenmerkmale voraus. Sie liefern etwa Informationen über Nebenwirkungen häufig verwendeter Chemotherapien wie 5FU und Irinotecan und unterstützen damit die Auswahl der in der Behandlung verwendeten Arzneimittel.

8. Mikrobiomtests

Diese Tests untersuchen die Auswirkungen der Mikroorganismen im Körper auf die Krebsbehandlung und spielen im Behandlungsprozess eine wichtige Rolle. Das Gleichgewicht des Mikrobioms kann das Therapieansprechen beeinflussen.

9. Polygene Risikoscores (PRS)

Den gemeinsamen Einfluss mehrerer genetischer Faktoren berechnende polygene Risikoscores werden zur Bestimmung des individuellen Krebsrisikos eingesetzt. Sie helfen, persönliche Risikoprofile zu erstellen und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.

10. Radiogenomische Tests

Die genetisch bedingte Empfindlichkeit gegenüber Strahlen- und Arzneimitteltherapie bestimmende radiogenomische Tests werden zur Therapieplanung eingesetzt. Sie sagen das Ansprechen auf Bestrahlung und bestimmte Medikamente voraus, um die geeignetsten Behandlungsstrategien zu bestimmen.

Personalisierte Krebsmedikamente und lebende Arzneimittel

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung spezieller Arzneimittel anhand des genetischen Patientenprofils und der biologischen Tumoreigenschaften. Zu den bedeutendsten Fortschritten zählen CAR-T-Zelltherapie, TIL-Therapie (tumorinfiltrierende Lymphozyten) und mRNA-Krebsimpfstoffe.

CAR-T-Zelltherapie

Bei dieser Immuntherapie werden körpereigene T-Zellen genetisch so umprogrammiert, dass sie Krebszellen erkennen und zerstören. Die Behandlung hat vor allem bei vielen Leukämien und Lymphomen wirksame Ergebnisse gezeigt, FDA-Zulassungen erhalten und bietet einen personalisierten Ansatz.

TIL-Therapie (tumorinfiltrierende Lymphozyten)

Die TIL-Therapie ist ein weiteres lebendes Arzneimittel, das bei bestimmten Krebsarten wie dem aggressiven Hautkrebs Melanom eingesetzt wird. T-Zellen werden aus Tumorgewebe isoliert, im Labor vermehrt und dem Patienten zurückgegeben. Sie greifen Krebszellen an und helfen, die Erkrankung zu kontrollieren. Die TIL-Therapie schrieb im Februar 2024 als erstes für Melanome zugelassenes lebendes Arzneimittel Geschichte.

mRNA-Krebsimpfstoffe

Die während der COVID-19-Pandemie weltweit bekannt gewordene und eng mit den türkischen Wissenschaftlern Uğur Şahin und Özlem Türeci verbundene mRNA-Technologie hat auch für die Krebsbehandlung großes Potenzial. mRNA-Krebsimpfstoffe lassen tumorspezifische Proteine produzieren und aktivieren damit das Immunsystem gegen Krebszellen. Sie sollen durch gezieltes Angreifen der Krebszellen die Krankheitsprogression stoppen und nehmen einen wichtigen Platz unter personalisierten Behandlungsoptionen ein.

Diese innovativen Therapien sollen die Möglichkeiten der personalisierten Krebstherapie erweitern, die Lebensqualität steigern und Behandlungen wirksamer machen.

Auf dem Weg zur personalisierten Krebstherapie: eine Zukunftsvision

Personalisierte Krebstherapie beschränkt sich nicht auf Gentests, sondern bezieht in einem ganzheitlichen Ansatz auch biologische und persönliche Faktoren ein. Sie soll höhere Erfolgsraten und weniger Nebenwirkungen erreichen und die Lebensqualität verbessern. Umfassende Gentests mit unterschiedlichen Technologien ermöglichen individuelle Behandlungsabläufe und die für den Patienten geeignetsten Methoden.

Mit der Weiterentwicklung und breiteren Nutzung dieser Verfahren wird erwartet, dass personalisierte Krebstherapie künftig zum Standard wird.

DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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