Kann die Rauchvorgeschichte das Ansprechen auf Immuntherapie bei Lungenkrebs vorhersagen?

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Die Zeitschrift des US-amerikanischen Nationalen Krebsinstituts (Journal of the National Cancer Institute) veröffentlichte eine Studie, der zufolge die Rauchvorgeschichte bei Patienten mit metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs (KHDAK) dabei helfen kann, das Ansprechen auf Immuntherapien aus der Klasse der Immuncheckpoint-Inhibitoren vorherzusagen.
Lungenkrebs: durch Rauchen bedingte und andere Formen
Lungenkrebs war selten, bevor sich das Rauchen weltweit verbreitete. Heute ist er sowohl bei Männern als auch Frauen weltweit die häufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle; 2020 starben 1,8 Millionen Menschen an Lungenkrebs. Tabak und Tabakprodukte, insbesondere Zigaretten, verursachen 90% aller Lungenkrebserkrankungen.
- Verwandtes Thema: Andere Ursachen für Lungenkrebs als Rauchen
Einzelheiten der Studie zu Rauchen und Ansprechen auf Immuntherapie
Die Forscher untersuchten 644 Patienten mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkrebs (KHDAK), die eine Immuntherapie als Monotherapie erhielten:
- 105 hatten nie geraucht,
- 375 waren ehemalige Raucher und
- 164 rauchten weiterhin.
Ergebnisse
- Bei den 644 untersuchten Patienten ergaben sich für die Immuntherapie folgende objektive Ansprechraten;
- mit 28% die höchste Rate bei aktuell Rauchenden,
- 23,5% bei ehemaligen Rauchern und
- 11,4% bei Menschen, die nie geraucht hatten.
- PD-L1-Tumor-Proportion-Score (TPS) und weitere Merkmale wurden berücksichtigt. Danach war der Raucherstatus signifikant mit einer höheren objektiven Ansprechrate verbunden. Gegenüber Menschen, die nie geraucht hatten, betrug die Odds Ratio für ehemalige Raucher 2,07 ( P =0,04) und für aktuell Rauchende 3,04 ( P = 0,003).
- Unter Immuntherapie hatten Patienten, die nie geraucht hatten, gegenüber ehemaligen und aktuellen Rauchern ein deutlich kürzeres progressionsfreies Überleben. Der Median lag bei nie Rauchenden bei 2,07 Monaten, bei ehemaligen Rauchern bei 3,65 Monaten (Hazard Ratio [HR], 0,74; P =0,01) und bei aktuell Rauchenden bei 3,68 Monaten (HR, 0,60; P <0,001).
- Ebenso hatten nie Rauchende unter Immuntherapie ein numerisch kürzeres Gesamtüberleben als ehemalige und aktuelle Raucher. Der Median betrug bei nie Rauchenden 9,9 Monate, bei ehemaligen Rauchern 12,9 Monate (HR, 0,85; P =0,23) und bei aktuell Rauchenden 13,2 Monate (HR, 0,78; P =0,10).
- Nach Anpassung an PD-L1 und weitere Merkmale war in multivariaten Analysen eine Verdopplung der Packungsjahre signifikant mit besseren klinischen Ergebnissen verbunden.
Nach Ansicht der Autoren zeigt ihre Analyse, dass Packungsjahre zusätzliche Vorhersageinformationen liefern könnten.
Zusammenfassend vertraten die Forscher die Ansicht, dass die Rauchvorgeschichte zur Vorhersage des Immuntherapieansprechens bei Lungenkrebs sogar wertvollere Informationen als das routinemäßig bestimmte PD-L1 liefern könnte.
Warum sprechen rauchende Lungenkrebspatienten besser auf Immuntherapien an?
Vor allem darf die Studie nicht als Vorteil des Rauchens verstanden werden. Lungenkrebs ist selbst im Frühstadium schwer behandelbar, und Rauchen verursacht bereits bei allen Krebserkrankungen insgesamt etwa 30% der Todesfälle. Im Zusammenhang mit dem Immuntherapieansprechen bei Lungenkrebs ist der Raucherstatus daher kein Ausdruck eines Vorteils, sondern eher ein Biomarker. Er kann also bei der Einschätzung berücksichtigt werden, welche Patienten besser auf Immuntherapie ansprechen.
Zur Frage „Warum sprechen rauchende Patienten besser auf Immuntherapie an?“: Zigaretten enthalten Tausende Chemikalien und Dutzende karzinogene, also krebserzeugende Stoffe, die in den Zellen erhebliche Mutationen verursachen. Je stärker sich eine Krebszelle von einer normalen Zelle unterscheidet, desto wahrscheinlicher wird sie vom durch Immuntherapien aktivierten Immunsystem beeinflusst.
Quellen
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