Neueste Entwicklungen der Strahlentherapie

In diesem Artikel
Mehr als die Hälfte onkologischer Patienten erhält Strahlentherapie . Fortschritte in Diagnose, Behandlung und unterstützender Versorgung verbessern täglich die Ergebnisse. Forschung soll deshalb Nebenwirkungenund Behandlungsdauer vermindern sowie Lebensqualität erhöhen. Strahlentherapie wird gegen gut- und bösartige Tumoren, in der Palliativversorgungsowie zusammen mit systemischer Therapie und Operation eingesetzt.
Therapeutische Bestrahlung erfolgt extern von außen, als Brachytherapie von innen oder intraoperativ während einer Operation.
Eine der wichtigsten Phasen ist die Planung vor Behandlungsbeginn.
Zielgerichtete Strahlenbehandlung
Tumorgrenzen genau festzulegen ist entscheidend. Präzise Grenzen verringerten die Strahlenbelastung gesunden Gewebes erheblich. Abgrenzung und Planung erfolgen meist mittels Computertomografie (CT) . Weitere Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) und F-Fluordesoxyglukose- Positronenemissionstomografie (FDG-PET) als onkologische Bildgebung können mit CT kombiniert oder allein eingesetzt werden.
Trotz großer Erleichterung durch CT bleiben Schwierigkeiten. Lungenkrebs kann etwa durch Atemwegsverschluss eine Atelektase verursachen, deren Abgrenzung vom Tumor schwer ist. FDG-PET zeigt hohe Stoffwechselaktivität und trennt den Tumor besser. Es ist daher für Tumorgrenzen und Dosis bei Lungenkrebs wichtig. Auch bei Lymphomen und Kopf-Hals-Tumoren sowie vielen weiteren soliden Tumoren wird PET zur Abgrenzung und Dosisanpassung verwendet.
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Hirntumoren, Sarkome und Kopf-Hals-Tumoren lassen sich mit MRT besser darstellen und hinsichtlich des Risikos umliegender Organe beurteilen als mit CT. Fortschrittliche Bildgebung erhöht besonders den Erfolg externer Strahlentherapie.
Neue Technologien, Planung und Anwendung
Traditionell wird ein bestimmtes Gebiet mit fester Dosis bestrahlt. Konformale Verfahren passen die Dosis durch fortgeschrittene Berechnungen an und erhöhen mit 3-dimensionaler Behandlung den Erfolg. 3-dimensionale konformale Strahlentherapiehat als weiterentwickelte Form die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) . Mehrblattkollimatoren ermöglichen weniger Strahlung auf gesundes und höhere Intensität auf Tumorgewebe. So wird der Tumor wirksam behandelt und gesundes Gewebe bestmöglich geschont. Eine weitere Methode ist Volumetric Modulated Arc Therapy (VMAT) mit kürzerer Behandlungszeit gegenüber anderen Verfahren.
Markierungen von Tumor und Normalgewebe in CT-Bildern verbessern außerdem die Zielgenauigkeit. Selbst bei ruhiggestelltem Patienten bewegt sich ein Tumor durch Atmung oder Schlucken. Fortschrittliche 4-dimensionale CT erfasst mehrere Phasen und Atemzyklen. Das Gerät wartet dann in einer Phase und bestrahlt in einer anderen.
Stereotaktische Strahlentherapie (Stereotactic Body Radiation Therapy, SBRT) verabreicht die berechnete Gesamtdosis in wenigen Sitzungen. Dies ermöglicht starke Tumorzerstörung bei weniger Nebenwirkungen. Mit operationsnahen Ergebnissen im Frühstadium wurde SBRT zu einer beliebten nichtoperativen Krebsbehandlung. Auch isolierte Metastasen, etwa Wirbelsäulenmetastasen mit Rückenmarkskompression , sprechen gut an. SBRT wirkt vermutlich über 3 Wege:
- direkte Tumorzerstörung durch Strahlung nahezu im Ausmaß einer Operation,
- Gefäßverengung mit verringerter Tumordurchblutung und
- Immunstimulation durch Stoffe aus geschädigten Krebszellen.
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Bei Brachytherapie (innerer Bestrahlung) werden strahlende Seeds in Körperhöhlen oder Behandlungsgebiete eingebracht. Lange niedrig dosierte Strahlung soll gesundes Gewebe möglichst wenig schädigen. Heute wird sie bei Prostata- und gynäkologischen Tumoren eingesetzt.
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Kombinationstherapien
Bei manchen Krebsarten, besonders frühem Hodgkin-Lymphom , ist Bestrahlung sehr erfolgreich. Wegen Nebenwirkungen wird die Dosis jedoch gesenkt. Kombination mit systemischer Chemotherapie ermöglicht kleinere Felder und niedrigere Dosen bei geringeren Nebenwirkungen. Auch Operations- und Chemotherapienebenwirkungen müssen bei der Gesamtbewertung berücksichtigt werden.
Wirksamkeit der Strahlentherapie erhöhen
Tumoren bestimmter Regionen oder Arten verringern durch Eigenschaften wie schnelle Mitose (Teilung) die Bestrahlungswirksamkeit.
Zur Verstärkung wird die Gesamtdosis auf häufige kurze Sitzungen verteilt. So wird krankes Gewebe stärker als normales getroffen und seine schnelle Teilung verhindert.
Ein weiterer Weg ist gleichzeitige Chemo- und Strahlentherapie (Chemoradiotherapie). Sie verbessert die Tumorkontrolle, verlängert bei manchen Krebsarten deutlich das Leben und kann anders als Operation Organe erhalten. Allerdings können Dermatitis, Durchfall und hämatologische Blutbildveränderungen zunehmen. Studien zeigten Wirksamkeit bei Kopf-Hals-, gynäkologischen, zentralnervösen und Lungentumoren. Besonders lokal fortgeschritten ist die Kombination heute oft erste Wahl.
Strahlen- und Immuntherapie
Laborstudien zeigten zuletzt bei Kombination von Immuntherapie und Bestrahlung spannende Entwicklungen bei metastasiertem Krebs. Mit Antikörpern gegen CTLA-4 und Bestrahlung schrumpften sogar unbestrahlte Tumoren. Strahlung schädigt nicht nur Zellen, sondern verstärkt auch die Freisetzung entzündlicher und das Immunsystem anlockender Stoffe aus Krebszellen. Sie erhöht offenbar die Erkennungsfunktion der Abwehr.
Zusammenfassend entwickeln sich Bestrahlungstechnologien ständig weiter. Höhere sicher verabreichbare Dosen sollen gesundes Gewebe möglichst wenig schädigen und Tumoren möglichst wirksam behandeln. Trotz der raschen Fortschritte wird weiter nach noch besseren Verfahren gesucht.
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Quellen
Recent Developments in Radiotherapy.
N Engl J Med. Sep 2017.
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