Was sind orale Chemotherapie und zielgerichtete Tabletten? Vor- und Nachteile

In diesem Artikel
Was sind orale Chemotherapie und zielgerichtete Krebstabletten?
Orale Chemotherapie und zielgerichtete Tabletten werden manchmal gleichgesetzt, weisen aber die nachfolgend beschriebenen Unterschiede auf.
Orale Chemotherapieist die Tablettenform klassischer intravenös (über eine Vene) verabreichter Chemotherapeutika. Sie soll die Teilung von Krebszellen verhindern, verlangsamen und die Zellen abtöten.
Zielgerichtete Krebstabletten wirken dagegen anders als Chemotherapie: Statt unmittelbar zytotoxisch (zelltötend) zu wirken, hemmen sie zelluläre Wachstumssignalwege und entfalten so ihre Wirkung.
Wie andere verschreibungspflichtige Medikamente können orale Chemotherapeutika und zielgerichtete Krebstabletten zu Hause eingenommen werden. Orale Krebsmedikamente können Patienten zudem das Gefühl geben, mehr Kontrolle über ihre Behandlung zu haben.
Hinweis: Zielgerichtete Krebsmedikamente gibt es nicht nur als Tabletten, sondern auch als intravenöse Infusionen, beispielsweise Trastuzumab, Pertuzumab und Rituximab)
Intravenöse Chemotherapien sind unbestreitbar lebensrettende Behandlungen, verursachen jedoch Nebenwirkungen unterschiedlichen Grades. Üblicherweise werden einzelne Medikamente oder Kombinationen als Infusion in eine Vene gegeben, meist im Krankenhaus oder in einer Klinik (Chemotherapiezentrum). Häufig wird außerdem ein venöser Port benötigt.
Diese Medikamente liegen meist als Tabletten oder Kapseln vor, können aber auch als Flüssigkeiten oder unter der Zunge schmelzende Tabletten verfügbar sein.
Beispiele oraler Chemotherapeutika: zunächst der Wirkstoff, in Klammern einige Handelsnamen:
- Capecitabin (Xeloda, Kapeda): bei Dickdarm- und Brustkrebs
- Etoposid (Lastet): bei vielen Krebsarten wie Lungen-, Hoden-, Brustkrebs und Lymphomen
- Cyclophosphamid (Endoksan): bei vielen Krebsarten wie Leukämie, Eierstock-, Hoden- und Brustkrebs sowie bei Autoimmunerkrankungen und Organtransplantationen
- Vinorelbin (Navelbine): bei Lungen- und Brustkrebs
Beispiele zielgerichteter Krebstabletten:
- Imatinib (Glivec): bei KML, gastrointestinalen Stromatumoren
- Erlotinib (Tarceva): bei EGFR-positivem Lungenkrebs
- Ruxolitinib (Jakafi): bei Myelofibrose und Polycythaemia vera
- Palbociclib (Ibrance): bei hormonpositivem Brustkrebs
- Sunitinib (Sutent): bei gastrointestinalen Stromatumoren, Nierenkrebs und neuroendokrinen Pankreastumoren
In manchen Quellen werden auch zur Krebsbehandlung eingesetzte hormonunterdrückende Medikamente zur oralen Chemotherapie gezählt. Beispiele:
- Letrozol (Femara): Brustkrebsbehandlung
- Abirateron (Zytiga): Prostatakrebsbehandlung
Wie wirken orale Krebsmedikamente (orale Chemotherapie und zielgerichtete Tabletten), welche Wirksamkeit ist zu erwarten?
Alle diese Medikamente wirken unterschiedlich und werden unterschiedlich dosiert. Die Dosierung hängt auch von der Krebsart ab.
Der Arzt oder die onkologische Schulungspflegekraftbespricht Einzelheiten zur richtigen Anwendung mit dem Patienten und seiner Betreuungsperson .
Nachfolgend Informationen zu einigen häufig eingesetzten zielgerichteten Tabletten:
- Osimertinib (Tagrisso) zur Lungenkrebsbehandlung
- Crizotinib (Xalkori) zur Lungenkrebsbehandlung
- Alectinib (Alecensa) zur Lungenkrebsbehandlung
- Lenvatinib (Lenvima) zur Leberkrebsbehandlung
- Enzalutamid (Xtandi) zur Prostatakrebsbehandlung
Die Schulung zu oralen Krebsmedikamenten sollte Folgendes umfassen:
Dosierung
Orale Krebsmedikamente müssen unbedingt genau nach dem ärztlich vorgegebenen Plan eingenommen werden.
Wenn Patienten die Einnahme vergessen, die Einnahmezeiten zu dicht aufeinanderlegen, weitere Medikamente oder ärztlich nicht genehmigte Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, kann die Wirkung geringer sein. Eine falsche Dosierung kann schwere Nebenwirkungen verursachen.
Patienten benötigen klare ärztliche Dosieranweisungen, einschließlich des Vorgehens bei einer vergessenen oder versehentlich doppelten Dosis oraler Chemotherapie oder zielgerichteter Tabletten. Ein Medikamententagebuch kann helfen, sich an die Einnahme zu erinnern.
Nebenwirkungen
Unter Chemotherapie können Nebenwirkungen unterschiedlicher Stärke auftreten. Patienten sollten alle auftretenden Nebenwirkungen aufzeichnen und ihrem Arzt mitteilen.
Im Folgenden betrachten wir Nebenwirkungen oraler Krebsmedikamente genauer.
Überwachung des Patienten
Während einer Krebsbehandlung ist das Immunsystem geschwächt, weshalb Infektionen und andere Krankheiten gefährlicher sein können, etwa wenn Leukopenie und Neutropenie auftreten.
Bei Fieber oder grippeartigen Beschwerden während einer Krebsbehandlung sollte ein Arzt aufgesucht werden. Krebspatienten mit Fieber sollten in die Notaufnahme gehen.
Aufbewahrung oraler Krebsmedikamente
Orale Chemotherapeutika und zielgerichtete Krebstabletten müssen bei bestimmten Temperaturen aufbewahrt werden. Klimaanlage oder Heizung zu Hause müssen daher eine ausreichende Temperaturkontrolle gewährleisten.
Bewahren Sie Tablettenpackungen keinesfalls im Bad oder in feuchter Umgebung auf, da die Medikamente dort schneller verderben.
Die Packungen müssen zudem sicher außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt und deutlich beschriftet werden, um Verwechslungen mit anderen Medikamenten zu vermeiden.
Welche Nebenwirkungen haben orale Krebsmedikamente?
Sowohl klassische und orale Chemotherapien als auch zielgerichtete Tabletten können Nebenwirkungen verursachen. Grundsätzlich sind die Nebenwirkungen oraler Krebsmedikamente jedoch geringer als bei intravenöser Chemotherapie. Klassische Chemotherapeutika töten alle Zellen ab, besonders Krebszellen; zielgerichtete Tabletten wirken dagegen über die Hemmung intrazellulärer Wachstums- und Vermehrungssignalwege als Mechanismus.
Häufige Nebenwirkungen oraler Krebsmedikamente sind:
- Hautveränderungen
- wunde Stellen im Mund
- leichte Bildung blauer Flecken
- Müdigkeit
- Infektionen oder grippeähnliche Symptome
- Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
- Haarausfall
Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen unterscheiden sich zwischen Patienten. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können die Nebenwirkungen verstärken.
Vor Beginn einer Chemotherapie ist ein Gespräch mit dem Onkologen über Alkohol und pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel wichtig. Bei manchen oralen Krebsmedikamenten kann Alkoholkonsum gefährlich sein.
Vorteile oraler Krebsmedikamente
Viele bevorzugen orale Chemotherapie oder zielgerichtete Tabletten gegenüber intravenöser Chemotherapie, weil weniger Klinikbesuche nötig sind. Die Behandlung kann in der vertrauten Umgebung zu Hause erfolgen.
Vorteile einer Behandlung, für die man das Haus nicht verlassen muss, sind:
- weniger Probleme mit der Kinderbetreuung
- weniger Unterbrechungen täglicher Aktivitäten
- weniger Arbeitsausfall
- mehr Privatsphäre
- weniger Nebenwirkungen
Manche Menschen gehen ungern zur Behandlung in die Klinik, weil sie sich dort krank oder ängstlich fühlen.
Herkömmliche Chemotherapie erfolgt meist intravenös und erfordert eine Nadel. Bei Nadelangst oder schwer zugänglichen Venen kann orale Chemotherapie weniger schmerzhaft und belastend sein.
Nachteile oraler Krebsmedikamente
- Nicht für jede Krebsart gibt es orale Chemotherapie oder zielgerichtete Tabletten.
- Patienten können die Einnahme vergessen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass nur 50 Prozent ihre Medikamente richtig einnehmen.
Eine Studie von 2012 zeigte, dass die Einnahmetreue bei oraler Chemotherapie mit der Zeit abnehmen kann. Je länger eine Behandlung dauert, desto wahrscheinlicher wird nach den Untersuchungsergebnissen das Absetzen der Medikamente.
Einige Krebstabletten sind so stark wirksam, dass man zum Berühren Handschuhe tragen muss. Menschen mit kleinen Kindern müssen sie unerreichbar aufbewahren und übrig gebliebene Tabletten sicher entsorgen.
Auch der Zugang zu diesen Tabletten kann problematisch sein. Manchmal muss das Medikament Tage oder Wochen vorher bestellt werden. Wer die Bestellung nicht rechtzeitig organisiert, kann Dosen verpassen.
Fazit
Orale Chemotherapien wirken ähnlich wie klassische Chemotherapien; zielgerichtete Krebstabletten hemmen dagegen zelluläre Wachstumssignalwege. Gibt es ein solches Medikament für die betreffende Krebsart, kann es bei guter Einnahmetreue eine hervorragende Option sein. Zudem kann es den Stress regelmäßiger Krankenhausbesuche verringern.
Orale Krebsmedikamente gibt es nicht für jede Krebsart und jedes Stadium. Selbst wenn sie verfügbar sind, sind sie nicht für jeden die beste Wahl. Eine gute Schulung zur Anwendung ist unbedingt erforderlich.
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